Colson Whitehead: Underground Railroad – Pulitzer-Preis Roman über Amerikas dunkle Geschichte

Buchcover des Romans Underground Railroad von Plitzer-Preisträger Colson Whitehead

Zuletzt aktualisiert am 17. Januar 2026

Underground Railroad ist ein Roman von Colson Whitehead aus dem Jahr 2016, der die Geschichte der Sklaverei in den USA literarisch aufarbeitet. Whitehead kombiniert historische Fakten mit fiktiven Elementen und erzählt eine kraftvolle, allegorische Geschichte, die den Rassismus und die brutale Realität der Sklaverei im 19. Jahrhundert beleuchtet.

Buchcover des Romans Underground Railroad von Plitzer-Preisträger Colson Whitehead
Der Roman Underground Railroad von Colson Whitehead gewann den Pulitzer-Preis.

Überblick über Underground Railroad

Colson Whiteheads Underground Railroad (2016) ist ein Pulitzer-Preis Roman über die Sklaverei in den USA. Er erzählt die bewegende Geschichte der jungen Sklavin Cora, die von einer Plantage in Georgia flieht. Auf ihrer gefährlichen Reise durch verschiedene US-Bundesstaaten begegnet sie unterschiedlichen Formen von Rassismus, Gewalt und Unterdrückung. Whitehead verbindet historische Fakten mit fiktionalen Elementen, indem er die Underground Railroad als unterirdisches Eisenbahnnetz darstellt. Das Buch behandelt zentrale Themen wie Freiheit, Widerstand und menschliche Würde und kombiniert magischen Realismus mit literarischer Allegorie zu einer fesselnden und tief bewegenden Geschichte.

5 zentrale Punkte zu Underground Railroad von Colson Whitehead:

  • Autor & Auszeichnung: Colson Whitehead, veröffentlicht 2016, Gewinner des Pulitzer-Preises für Belletristik 2017.
  • Hauptfigur: Cora, eine junge Sklavin, die von einer Plantage in Georgia flieht.
  • Handlung & Setting: Ihre Flucht führt durch verschiedene US-Bundesstaaten, in denen unterschiedliche Formen von Rassismus und Gewalt dargestellt werden.
  • Historischer Bezug: Die Underground Railroad wird als reales unterirdisches Eisenbahnnetz dargestellt, inspiriert vom historischen Fluchtnetzwerk der Abolitionisten.
  • Themen & Stil: Freiheit, Widerstand, menschliche Würde; literarische Allegorie und magischer Realismus verbinden Geschichte und Fiktion auf eindrucksvolle Weise.

Warum ist Underground Railroad lesenswert?

Du solltest Underground Railroad lesen, weil der Roman eine kraftvolle und bewegende Auseinandersetzung mit der Geschichte der Sklaverei bietet, die nicht nur schockiert, sondern auch tief berührt. Colson Whitehead verbindet historische Fakten mit fantasievollen Elementen und erschafft eine fesselnde, allegorische Erzählung, die sowohl literarisch anspruchsvoll als auch zugänglich ist. Das Buch regt dazu an, über die Auswirkungen von Rassismus und Unterdrückung nachzudenken – damals wie heute – und ist gleichzeitig eine universelle Geschichte von Widerstand, Mut und Hoffnung.

Was macht Underground Railroad einzigartig?

Underground Railroad ist einzigartig, weil es das historische Fluchtnetzwerk Underground Railroad als reale unterirdische Eisenbahn darstellt und so Geschichte mit magischem Realismus verbindet. Jeder Staat, den die Protagonistin durchquert, symbolisiert verschiedene Formen von Rassismus, was den Roman zu einer kraftvollen Allegorie macht. Whiteheads schonungslose, literarisch anspruchsvolle Erzählweise und die Mischung aus Geschichte, Fantasie und Gesellschaftskritik machen das Buch zu einem Meisterwerk mit zeitloser Relevanz.

Fun Fact: Barack Obama empfiehlt das Buch

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama setzte Underground Railroad noch vor der Veröffentlichung auf seine Sommerleseliste 2016. Dies lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Werk und machte es zu einem internationalen Bestseller. Dies zeigt, welchen Stellenwerten die Empfehlung von Obama bzw. von einflussreichen Personen in der Literaturszene haben kann. Dies gilt dann auch für andere erfolgreiche Persönlichkeiten wie Beyoncé, Emma Watson oder Ed Sheeran, die jeder für sich in ihrem Bereich enorm erfolgreich sind und durch einfache Empfehlungen neue Zielgruppen erreichen.

Zitat aus Underground Railroad

Ihr [Coras Großmutter] Preis schwankte. Wenn man so oft verkauft wird, lehrt einen die Welt, aufmerksam zu sein. Sie lernte, sich rasch an die neuen Plantagen anzupassen, die Niggerschinder von den bloß Grausamen zu unterscheiden, die Faulenzer von den Arbeitsamen, die Spitzel von den Verschwiegenen. Herren und Herrinnen in Abstufungen von Bösartigkeit, Besitzungen mit grundverschiedenen finanziellen Möglichkeiten und Ambitionen. Manchmal wollen die Plantagenbesitzer nichts weiter als ein bescheidenes Leben fristen, dann wieder gab es Männer und Frauen, die die ganze Welt besitzen wollten, als wäre das nur eine Frage der passenden Fläche. Zweihundertachtundvierzig, zweihundertsechzig, zweihundertsiebzig Dollar. Überall, wohin sie kam, ging es um Zucker und Indigo, abgesehen von einer Woche, in der sie Tabakblätter faltete, bevor sie abermals verkauft wurde. Der Händler besuchte die Tabakplantage, wo man Sklavinnen im fortpflanzungsfähigen Alter suchte, vorzugsweise mit sämtlichen Zähnen nun von gefügiger Gemütsart. Inzwischen war sie eine Frau. Und wurde verkauft.

Sie wusste, dass die Wissenschaftler des weißen Mannes unter die Oberfläche der Dinge schauten, um zu verstehen, wie sie funktionierten. Die Bewegung der Sterne durch die Nacht, das Zusammenwirken der Säfte im Blut. Die klimatischen Bedingungen für eine ordentliche Baumwollernte. Adjarry machte eine Wissenschaft aus ihrem schwarzen Körper und sammelte Beobachtungen. Jedes Ding hatte einen Wert, und mit der Veränderung dieses Wertes veränderte sich auch alles andere. Eine kaputte Kalebasse war weniger wert als eine, aus der das Wasser nicht herauslief, ein Haken, der den Katzenfisch festhielt, wertvoller als einer, der den Köder preisgab. Das Sonderbare an Amerika war, dass Menschen Dinge waren. Einen alten Mann, der eine Fahrt über den Ozean nicht überlegen würde, schrieb man am besten als Verlust ab. Ein junger Bursche aus kräftigem Stamm brachte die Kunden in Raserei. Ein Sklavenmädchen, das Junge hervorpresste, glich einer Münzanstalt, Geld, das Geld heckte. Wenn man ein Ding war – ein Karren, ein Pferd oder ein Sklave –, bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeit, die man hatte. Sie achtete, darauf, wo ihr Platz war.
Whitehead, Colson: Underground Railroad. Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl. Frankfurt am Main 2019, S. 13-15.

Znhalt von Underground Railroad

In Underground Railroad wird die Geschichte der Flucht von einer Plantage in Georgia von Cora erzählt, einer jungen Sklavin. Der Roman stellt das im 19. Jahrhundert entstandene Fluchtnetzwerk Underground Railroad im wahrsten Sinne des Wortes als ein unterirdisches Eisenbahnnetzwerk dar. Die Historie Underground Railroad bestand aus Abolitionisten, ehemaligen Sklaven und Sympathisanten, die sichere Unterkünfte und Transportmöglichkeiten bereitstellten. Bei der Underground Railroad handelte es sich also um einen symbolischen Begriff, den Whitehead konkretisiert. Cora reist durch verschiedene US-Bundesstaaten, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Sklaverei und des Rassismus in den USA inszenieren. Auf ihrer Flucht wird sie von einem gnadenlosen Sklavenjäger verfolgt. Bezüglich der in den verschiedenen US-Bundesstaaten gespiegelten Aspekte des Rassismus ließe sich der Roman mit dem Selbstexperiment des Journalisten John Howard Griffin vergleichen, der sich als Weißer die Haut behandeln ließ, sodass er als Schwarzer rassistische und diskriminierende Erfahrungen im Jahr 1959 am eigenen Leib erlebte. Dieser hielt er in seinem Tagebuch fest, das mit dem Titel Black like me erschien. Es gibt eine Serienadaption von 2021 mit dem Titel The Underground Railroad. Underground Railroad jedenfalls beleuchtet die brutale Realität der Sklaverei, den anhaltenden Rassismus und legt schonungslos allgemeingültige anthropologische Prinzipien offen. Whitehead verbindet historische Elemente mit surrealen und metaphorischen Aspekten und verdeutlicht so zum einen die Grausamkeit des Systems, zum anderen auch die Widerstandskraft der Betroffenen und die menschliche Hilfsbereitschaft.

Colson Whitehead: Autor und Werke

Der US-amerikanische Autor Colson Whitehead wurde 1969 in New York geboren und ist für seine literarische Vielseitigkeit und seinen innovativen Stil bekannt. Underground Railroad gewann sowohl den Pulitzer-Preis für Belletristik (2017) als auch den National Book Award (2016). Whitehead behandelt in seinen Werken oft gesellschaftspolitische Themen wie Rassismus, Identität und Geschichte. 2020 wurde er mit The Nickel Boys, erneut mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, das ebenfalls mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Whitehead gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren der USA. Er hat zahlreiche Auszeichnungen für seine Werke und sein Wirken in der Welt erhalten. Zu älteren Werken zählen Die Fahrstuhlinspektorin (The Intuitionist), Apex (Apex Hides the Hurt) oder Zone One (Zone One). Sein neuestes Werk mit dem Titel Die Regeln des Spiels (Crook Manifesto. A Novel) von 2023 ist bereits auf Deutsch erschienen.

FAQ zu Colson Whitehead: Underground Railroad

1. Was ist Underground Railroad von Colson Whitehead?

Underground Railroad ist ein Pulitzer-Preis Roman von Colson Whitehead, veröffentlicht 2016. Der Roman verbindet historische Fakten über die Sklaverei in den USA mit fiktionalen und allegorischen Elementen und erzählt die Geschichte der jungen Sklavin Cora, die von einer Plantage in Georgia flieht. Das Buch gilt als eines der bedeutendsten Werke der zeitgenössischen amerikanischen Literatur.

2. Wer ist die Hauptfigur in Underground Railroad?

Die Protagonistin des Romans ist Cora, eine junge Sklavin, die unter brutalen Bedingungen aufwächst und auf der Flucht vor einem gnadenlosen Sklavenjäger durch verschiedene US-Bundesstaaten reist. Ihre Reise zeigt die unterschiedlichen Formen von Rassismus, Gewalt und Unterdrückung im 19. Jahrhundert.

3. Welche historischen Hintergründe behandelt der Roman?

Der Roman behandelt die Sklaverei in den USA, die Unterdrückung Schwarzer Menschen und das historische Fluchtnetzwerk der Underground Railroad. Whitehead verwandelt das symbolische Netzwerk in ein unterirdisches Eisenbahnnetz, wodurch die Fluchtgeschichte von Cora eine literarische Allegorie auf Freiheit, Widerstand und menschliche Würde wird.

4. Wie kombiniert Colson Whitehead Geschichte und Fiktion?

Whitehead verwendet magischen Realismus und literarische Allegorie, um historische Ereignisse lebendig zu machen. So wird das tatsächliche historische Fluchtnetzwerk der Underground Railroad zu einem physischen, unterirdischen Eisenbahnnetz. Gleichzeitig zeigt der Roman die Grausamkeit des Sklavensystems und die Widerstandskraft der Betroffenen auf eindrucksvolle Weise.

5. Welche Auszeichnungen hat Underground Railroad erhalten?

Der Roman gewann 2016 den National Book Award und 2017 den Pulitzer-Preis für Belletristik. Damit gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen Romane über die Sklaverei in den USA.

6. Gibt es eine Serienadaption von Underground Railroad?

Ja, 2021 erschien die Serie The Underground Railroad, basierend auf Whiteheads Roman. Die Adaption visualisiert die Flucht von Cora und interpretiert die Untergrund-Eisenbahn als metaphorisches und zugleich greifbares Element.

7. Warum ist Underground Railroad für Leser heute noch relevant?

Der Roman behandelt universelle Themen wie Rassismus, Freiheit, Widerstand und Menschlichkeit, die auch heute noch aktuell sind. Whiteheads Verbindung von Geschichte, Fiktion und Gesellschaftskritik macht das Buch nicht nur literarisch wertvoll, sondern regt auch zum Nachdenken über aktuelle gesellschaftliche Probleme an.

8. Wer ist Colson Whitehead

Colson Whitehead (1969, New York) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, bekannt für seine literarische Vielseitigkeit. Neben Underground Railroad erhielt er 2020 erneut den Pulitzer-Preis für The Nickel Boys. Weitere Werke sind Die Fahrstuhlinspektorin (The Intuitionist), Apex (Apex Hides the Hurt) und Zone One. Sein neuestes Werk, Die Regeln des Spiels (Crook Manifesto, 2023), ist ebenfalls auf Deutsch erschienen.

9. Interessante Fakten zu Underground Railroad

  • Der ehemalige US-Präsident Barack Obama setzte den Roman auf seine Sommerleseliste 2016, was den internationalen Erfolg des Buches stark förderte.
  • Whitehead verbindet in dem Roman literarische Innovation mit gesellschaftspolitischem Anspruch, was das Werk sowohl für Literaturkritiker als auch für ein breites Publikum attraktiv macht.
Katrin Beißner

Worum geht es?

Dieser Blog dient dem Interpretieren von Literatur, Filmen und Kunst, individuellen Erfahrungen und der Realität. Die Analysen und Interpretationen erfolgen als Gedankenexperimente im Rahmen einer Beschäftigung mit dem Erzählen, literarischen Figuren, historischen Personen sowie realen Menschen unter Anwendung literaturwissenschaftlicher Theorien und Methoden.

Aktuelle Beiträge

Tristan und Isolde im Kartenspiel: Zwischen mittelalterlicher Tradition und romantischer Umdeutung Tristan und Isolde: Kris Waldherr: The Lover’s Path Tarot. Herausgegeben von U.S. Games Systems INC. Stamford 2004. Copyright © 2004, 2013 Kris Waldherr

Tristan und Isolde im Kartenspiel: Zwischen mittelalterlicher Tradition und romantischer Umdeutung

Tristan und Isolde sind eines der bekanntesten Liebespaare der Literatur. Schriftlich tauchen sie erstmals im 12. Jahrhundert im französischen Versroman von Béroul auf (sein Tristan entstand um 1170-1190), der noch fragmentarisch erhalten ist. Der altfranzösische…

Grenzen der Erkenntnis: McEwans Was wir wissen können als literarische Reflexion über Wahrheit und Überlieferung Buchcover von Ian McEwans Was wir wissen können, ein Roman über Wissenschaft, Wissen und die Grenzen menschlicher Erkenntnis.

Grenzen der Erkenntnis: McEwans Was wir wissen können als literarische Reflexion über Wahrheit und Überlieferung

Der Roman Was wir wissen können von Ian McEwan greift ein Thema auf, das besonders für mich als Literaturwissenschaftlerin äußerst interessant ist: Wie viel lässt sich mit Quellensichtung, Wissen über Biographien, zeitgenössischem Kontext, literarischen Werken…

Kleiner Mann – was nun? Zusammenfassung, Analyse und Interpretation von Hans Falladas Gesellschaftsroman Buchcover von Hans Falladas Kleiner Mann – was nun?, ein Roman über das Überleben eines jungen Paares in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.

Kleiner Mann – was nun? Zusammenfassung, Analyse und Interpretation von Hans Falladas Gesellschaftsroman

In den Wirren der Weltwirtschaftskrise entstand mit Hans Falladas Roman Kleiner Mann – was nun? 1932 ein literarisches Zeitdokument von historischer Authentizität. Der Roman traf mit seiner Wirklichkeitsgetreuen Darstellung den Nerv einer ganzen Generation und…