The Book of Henry – Zivilcourage und Selbstjustiz

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The Book of Henry ist ein Film aus dem Jahr 2017. Der folgende Dialog findet zwischen Susan (Naomi Watts) und ihrem elfjährigen Sohn Henry (Jaeden Martell bzw. zum damaligen Zeitpunkt Jaeden Lieberher) statt.

Henry: Mom?
Susan: Mmm.
Henry: Diese Frau heute, die im Supermarkt meine ich. Du … du wolltest ihr nicht helfen.
Susan: Wie gesagt. Das ging uns nun mal nichts an.
Henry: Ich finde, wenn jemand einem anderen wehtut, geht uns das was an.
Susan: Ich weiß, das denkt man immer, aber ich hätte gar nichts tun können.
Henry: Ja Mom, nur wenn sich alle so verhalten würden, dann gäbe es niemanden der auf die Menschen aufpasst, die nicht auf sich selbst aufpassen können.
Susan: Was hätte ich denn tun sollen? Das wäre nur in Gewalt ausgeartet.
Henry: Es gibt Schlimmeres als Gewalt.
Susan: Was denn?
Henry: Apathie.[1]

Bevor ich weiter auf die Handlung eingehe, möchte ich einleitend auf die Begriffe Zivilcourage, Selbstjustiz, Hochbegabung und Apathie eingehen. Ich werde diese Analyse um diese Begriffe herum aufbauen.

Zivilcourage

Das Wort setzt sich zusammen aus Zivil (lateinisch: civis), was zu Deutsch gemeinnützig oder bürgerlich bedeutet. Das Wort Courage bedeutet Beherztheit oder Mut und stammt aus dem Französischen. Frei übersetzt könnte der Begriff also bedeuten, mutig mit ganzem Herzen für die eigenen Überzeugungen öffentlich einzutreten. „[A]ls Zivilcourage versteht man mutiges prosoziales Verhalten zugunsten schwächerer Dritter, bei dem ohne Rücksicht auf neg. Konsequenzen Wertüberzeugungen (Werte) und Normen verteidigt werden. Ferner ist zivilcouragiertes Verhalten mit sozialem Mut gleichzusetzen, bei dem Unmut über etwas ohne Rücksicht auf mögliche Nachteile gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten oder Ähnlichen zum Ausdruck gebracht wird, Stoppsignale gegenüber menschenverachtenden Verhalten gesetzt werden und dabei anderen, die sich in einer Notlage befinden, geholfen wird (Frey et al., 2005).“[2]

Es gibt weitere Forschungsansichten, laut denen neben persönlichem Mut auch noch der Öffentlichkeitsaspekt zum Ausdruck kommt, bzw. für die demokratisch-zivilgesellschaftlichen Grundwerte eingetreten wird.[3] Ein prominentes Beispiel sind die Flugblätter der Weißen Rose gegen die nationalsozialistische Propaganda der Geschwister Sophie und Hans Scholl, die am 22.2.1942 dafür mit dem Tod bezahlten.[4]

Der eigene Tod muss natürlich nicht für das Eintreten demokratischer und zivilgesellschaftlicher Werte eingesetzt werden, geschweige denn bei einer simplen Hilfsleistung. Auch kleine Taten können im Alltag eine große Wirkung zeigen und andere inspirieren, dasselbe zutun und so die Gesellschaft heraus von innen heraus stärken.

Worin besteht Selbstjustiz?

Selbstjustiz bezeichnet das illegale Vorgehen gegen eine Person durch dazu nicht Befugte. Selbstjustiz ist strafbar, da die Bestrafung einer Person im Rahmen des so genannten Gewaltmonopols des Staates nur durch den Staat selbst erfolgen darf.“[5] Die Motive für die Durchführung von Selbstjustiz sind vielfältig. Ein Grund kann beispielsweise Rache sein oder das Gefühl, eine Person sei aufgrund eines begangenen Unrechts noch nicht angemessen durch den Staat bestraft worden. Abzugrenzen von dem Begriff der Selbstjustiz sind Selbsthilfe und Notwehr, inhaltlich geht es dabei um die Abwehr eines Angriffs gegen sich oder andere.[6] Als ein prominentes Beispiel zu nennen wäre Michael Kohlhaas, eine Figur aus der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist.


Es wird dort die Geschichte eines Rosshändlers erzählt. Nachdem er von einem Adligen ungerecht behandelt wird, kämpft Kohlhaas für Gerechtigkeit. Sein Widerstand gegen die Obrigkeit eskaliert, führt zu einem bewaffneten Konflikt und endet tragisch mit seiner Verurteilung und Hinrichtung. Obwohl ihm Unrecht widerfahren ist, greift er bei der Verteidigung seines Rechts zu allen Mitteln, wobei diese Verabsolutierung wiederum zu Unrecht führt. Die Figur des Kohlhaas wird bereits zu Beginn der Novelle hinsichtlich ihrer Ambivalenz gekennzeichnet: „An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.“[7]

Ich bin mit dem Sujet Kleists nicht vertraut und will an dieser Stelle auch keinen Vergleich anstellen. Aber ich denke, ich komme gerade bei dem Begriff der Selbstjustiz nicht umhin, Kleists Kohlhaas zumindest zu nennen.

Was verbirgt sich hinter Hochbegabung?

Als hochbegabt gilt vielerorts „wer in einem Intelligenztest, der insbesondere intellektuelle, kognitive, logische oder analytische Fähigkeit erhebt, einen Intelligenzquotienten (IQ) von 130 erreicht.“[8] Eine modernere Definition, die nicht nur die in dem herkömmlichen IQ-Tests festgelegten Kriterien betrachtet, lautet wie folgt: „Hochbegabung äußert sich in speziellen Persönlichkeitsmerkmalen, die auffallend häufig bei verkannten und erkannten Hochbegabten (Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen) auftreten. Eine Hochbegabung betrifft die ganze Persönlichkeit. Sie macht sich nicht nur intellektuell, sondern auch emotional, sozial und ökologisch bemerkbar. Letzteres bedeutet unter welchen Rahmenbedingungen und in welcher Infrastruktur und Kultur jemand lebt. Zusätzlich fallen Hochsensibilität, Kreativität und Neugier auf. Oder in Anlehnung an Brackmann (2018, S. 21): »schneller und mehr denken, mehr vernetzt denken und kombinieren, mehr beobachten und wahrnehmen, mehr fühlen und spüren, mehr handeln und agieren.«“[9]

Es sind viele falsche und stereotypische Bilder über hochbegabte Menschen im Umlauf, die auch durch bestimmte Stereotype in vielen Medienformaten verbreitet werden. Es gilt, Vorurteile aufzuheben und offen für neue Informationen zu sein.

„Das Hinterfragen von Konventionen und Autoritäten [durch hochbegabte Menschen] kann als oppositionelles Trotzverhalten fehlgedeutet werden, die Entscheidungsschwierigkeiten aufgrund der Vielzahl der Interessen als »Identitätsstörung«.“[10] Auch wird mit Hochbegabung oftmals ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn in Verbindung gebracht. Dabei gilt aber grundsätzlich wie überall sonst, dass es Abweichungen gibt und nicht jeder hochbegabte Mensch die hier aufgezählten besitzen muss.

Apathie

Apathie dürfte vielen bekannt sein als „Zustand der inneren Antriebslosigkeit bzw. mangelnden Aktivierbarkeit durch äußere emot. anregende oder motivational bedeutsame Reize.“[11] Sie gilt auch als Unempfindlichkeit gegenüber Ereignissen.[12] Nun ist es aber interessant, dass es auch im juristischen Kontext eine Definition für Apathie gibt. „“Apathisch“ bezieht sich auf einen Zustand emotionaler, kognitiver oder körperlicher Untätigkeit oder Teilnahmslosigkeit. Im juristischen Kontext kann Apathie eine Rolle bei der Beurteilung von Handlungsfähigkeit, Schuldfähigkeit oder Vernachlässigung spielen.“[13]

Im Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung wird Apathie auch unter Politikverdrossenheit geführt. Der Begriff unterstellt „ein Desinteresse der Bevölkerung am politischen Geschehen“.[14] In anderen Worten könnte auch von einem Nichthandeln bezüglich bestimmter Ereignisse (mitunter politischer und öffentlicher Natur) gesprochen werden, wobei hier die Verbindung zur Zivilcourage besteht.

Alle Begriffe spielen bei der Figurenkonzeption, der Figurenrede und den Handlungen der Figuren in The Book of Henry eine wichtige Rolle.

The Book of Henry – eine kurze Zusammenfassung

The Book of Henry ist ein Drama aus dem Jahr 2017, Regie führte Colin Trevorrow, der durch die Filme der Jurassic-World-Reihe bekannt ist. Susan Carpenter (Naomi Watts) ist alleinerziehende Mutter und wohnt mit ihren beiden Söhnen Henry (Jaeden Martell bzw. vormals Lieberher) und Peter (Jacob Tremblay) in einem viktorianischen Haus in einem Vorort von New York. Henry ist hochbegabt und hat trotz seines Alters bereits ein Vermögen auf dem Aktienmarkt erwirtschaftet. Als Kellnerin hätte Susan ihrer Familie nicht diesen Lebensstandard bieten können. Im Nachbarhaus lebt der örtliche Polizeichef Glenn Sickleman (Dean Norris) mit seiner Stieftochter Christina (Maddie Ziegler). Henry findet heraus, dass Christina von ihrem Stiefvater missbraucht wird und versucht, dies an offizielle Stellen zu melden, doch ohne Erfolg. Denn Glenn hat aufgrund seiner Position Verbindungen, die ihn schützen. Henry beschließt, die Angelegenheit in die eigenen Hände zu nehmen und entwickelt einen Plan für Christinas Rettung.

Der Film ist thematisch in zwei Hälften geteilt und experimentiert mit verschiedenen Stilen. Im ersten Teil werden die Figuren eingeführt und grundlegende thematische Zentren aufgemacht. Henrys plötzlicher Tod mitten im Film stellt einen entscheidenden Wendepunkt dar, denn im zweiten Teil ist er nurmehr über die von ihm für Susan hinterlassenen Anweisungen zur Ausführung seines Plans anwesend. Der Film erkundet Themen wie Familie und die mit der Erziehung von Kindern einhergehende Verantwortung, stellt aber im weiteren Sinne auch Fragen nach sozialer Verantwortung für andere Mitglieder der Gesellschaft. Darüber hinaus geht es um die Rollenverteilung innerhalb einer Familie und das Bedürfnis nach Sicherheit sowie der ethischen Frage darüber, wie weit jemand gehen darf, um das Wohl anderer Menschen zu schützen und um den Erhalt von Werten in der Familie und Gemeinschaft.

Die Stimme des Regisseurs

20 Jahre sei das Drehbuch alt, so Regisseur Colin Trevorrow im Interview mit Ricky Camillerie.[15] Auf die Frage, warum er nach Jurassic World eben diesen Film nach dem Drehbuch von Gregg Hurwitz machen wollte, antwortete er, das Buch habe ihn gefangenengenommen, weil es sämtliche seiner Ängste bezüglich Elternschaft und der damit einhergehenden Verantwortung ansprach.[16] „I needed some kind of catharsis you know to deal with all oft hat […] I couldn’t get it out of my head I had to do it.“[17] (Ich brauchte so etwas wie Katharsis, um mit all dem umzugehen […] Ich konnte es nicht aus meinem Kopf bekommen, ich musste es tun.“) Trevorrow hat insofern mit dem Drehbuch seine eigenen Erfahrungen als Elternteil verarbeiten wollen.

„[I]t’s a very emotional movie. It deals with a lot of issues that I think, you know we don’t really love talking about or thinking about but I think it does it in a way that allows us to deal with it and cope with it and address something that often movies you know don’t want to address.“[18] (Es ist ein sehr emotionaler Film. Er behandelt viele Themen, über die wir, ich glaube, nicht wirklich gerne sprechen oder nachdenken. Aber ich denke, er tut es auf eine Weise, die es uns ermöglicht, damit umzugehen und es zu bewältigen und etwas anzusprechen, das Filme oft nicht ansprechen wollen.)

Worum geht es in dem Film wirklich?

Trevorrows Antwort auf diese Frage lautet: „For me, it’s about the moment when you become a parent. That moment doesn’t always happen when your children are born. It can happen years later, sometimes decades. The story is about a single mother who relies on her genius child to handle the complexities of adult life, and how that dynamic changes when she has to do something unimaginable to protect another child in danger. It plays out as suspense thriller between two houses, but ultimately it’s a very emotional film.“[19] (meine Übersetzung: Für mich geht es um den Moment, in dem man zum Elternteil wird. Dieser Moment tritt nicht immer ein, wenn Kinder geboren werden. Es kann Jahre später passieren, manchmal Jahrzehnte. Die Geschichte handelt von einer alleinerziehenden Mutter, die sich darauf verlässt, dass ihr geniales Kind die Komplexität des Erwachsenenlebens bewältigt, und wie sich diese Dynamik ändert, wenn sie etwas Unvorstellbares tun muss, um ein anderes Kind in Gefahr zu schützen. Es spielt sich wie ein Spannungsthriller zwischen zwei Häusern ab, aber letztendlich ist es ein sehr emotionaler Film.)

Die Erwartungen an Klischees

Der Begriff Hochbegabung ist häufig an das Klischee des nerdigen Strebers und den auf Andere herabschauenden Klugscheißer gebunden. Ebenso scheint eine Missdeutung von dem Interesse eines Jungen gegenüber einem Mädchen fehlgedeutet zu werden, weil es vielleicht zum allgemeinen Konsens gehört, gleich Verliebtheit in aufrichtiges Interesse für andere Menschen hineinzuinterpretieren. Viele Kritiker sahen in Henrys Besorgnis um Christina nur dieses Interesse, und gingen davon aus, dass er für sie „Gefühle heg[e]“[20] oder gar „heimlich verliebt“[21] sei. Auch wenn Henry seine Mitschülerin eingehender zu beobachten scheint, wird die Motivation dahinter meines Erachtens nach schnell deutlich: Es ist die Sorge, die Henry leitet, nicht etwa pubertäre Verliebtheit. Denn Henry weiß zu Beginn des Films bereits von dem Missbrauch, dem Christina ausgesetzt ist. Wenn er Christina während der Fahrt zur Schule fragt, ob es ihr gut gehe oder sie in der Pause nachhakt, ob alles okay sei, dann ist sein Interesse hier aus Sorge um ihr Wohlergehen geleitet.

Figuren

Es handelt sich bei The Book of Henry um einen Independent-Film mit geringem Budget, der in den USA kein Erfolg wurde und auch hierzulange eher unbekannt sein dürfte. Aus diesem Grund möchte ich vorab einen umfassenderen Blick auf die Figuren richten.

Jens Eder fasst in seinem Werk über die Figurenanalyse in Filmen über die Bedeutung der Figur zusammen: „Die kulturelle Bedeutung solcher fiktiver Gestalten kann kaum überschätzt werden. Figuren dienen der individuellen und kollektiven Selbstverständigung, der Vermittlung von Menschenbildern, Identitäts- und Rollenkonzepten, sie dienen dem imaginären Probehandeln, der Vergegenwärtigung alternativer Seinsweisen, der Entwicklung empathischer Fähigkeiten, der Unterhaltung und emotionalen Anregung. Wahrscheinlich ist der Mensch das einzige Lebewesen mit der Fähigkeit, künstliche Welten zu erfinden, vom kindlichen Rollenspiel bis zur Produktion komplexer Medientexte wie Dramen, Romanen und Spielfilmen.“[22] Weiterhin schreibt er: „Figuren sind für das Verstehen und Erleben, für die Ästhetik und Rhetorik von Filmen ein zentraler Faktor. Sie prägen entscheidend deren Affektstrukturen, Thematik und Ideologie.“[23]

Über Figuren lässt sich mentales Probehandeln wie es für das Experimentieren in Gedanken unabdingbar ist, am besten darstellen, denn alle Handlungen spielen sich im fiktionalen Raum der Diegese ab.

Henry

Der elfjährige Henry ist ein Genie. Im Film zeigt sich dies unter anderem an dem Rollentausch zwischen ihm und Susan bzw. ist er beispielsweise als Entscheidungsträger für finanzielle Angelegenheiten verantwortlich und nimmt in dieser Hinsicht die Vaterrolle ein. In vielen Szenen korrigiert er Susan, tadelt sie oder gibt ihr Anweisungen. Nur wenige Szenen zeigen Henry als Kind, das er tatsächlich ist. Zuhause tüftelt er an Erfindungen, hat viele Preise von Wissenschaftswettbewerben gewonnen, legt Aktien an und kümmert sich um finanzielle Angelegenheiten, während Susan zockt oder sich mit ihrer Freundin haltlos betrinkt. Henry ist bei Lehrern und Angestellten seiner Schule bekannt und geschätzt. Sein kleiner Bruder Peter ist sein engster Vertrauter, den er auf dem Schulhof verteidigt. Auch seine Sorge um Christina und die daraus resultierende Wut über die Nichtbeachtung des Missbrauchs werden deutlich. Wichtig ist dies im Zusammenhang mit den genannten Merkmalen der Hochbegabung, denn neben der an Henry inszenierten kognitiven Überlegenheit fällt auch der ausgeprägte Gerechtigkeitssinn und sein aufbegehrendes Verhalten gegenüber Autoritäten auf, weil niemand etwas unternehmen will.

Peter

Peter sieht zu seinem großen Bruder auf, sieht ihn als Beschützer, Spielkameraden und Genie. Die beiden Brüder verbindet ein enges Band. Der Kontrast zwischen Henry und Peter wird nicht nur durch den Altersunterschied oder die Unterschiede hinsichtlich der kognitiven Fähigkeiten der Brüder deutlich, sondern auch durch ihr Verhalten gegenüber Susan bzw. Susans Verhalten ihnen gegenüber. Beispielsweise lauscht Peter im Arm seiner Mutter gekuschelt einer von ihren ausgedachten Geschichten, während Henry abseits am Fußende sitzt. Allerdings merkt er, dass er nicht so viel leisten kann wie Henry.

Susan

Unorganisiert, infantil und warmherzig sind geeignete Adjektive, um Susan zu beschreiben. Man ist geneigt zu überlegen, wie sie ohne ihren hochbegabten Sohn das Familienleben organisieren würde. Sie verlässt sich in so gut wie allem auf den elfjährigen Henry, sodass dies auch zu Verwunderung bei anderen führt. Allerdings ist sie eine liebevolle und fürsorgliche Mutter, die sich in emotionaler Hinsicht kümmert und das Beste für ihre Kinder will. Sie arbeitet als Kellnerin, scheint aber einst Autorin oder Illustratorin für Kinderbücher gewesen zu sein, denn sie liest Peter und Henry ihre eigenen Geschichten, in die sie Normen und Werte wie Inklusion, Akzeptanz und Toleranz spielerisch verarbeitet, vor dem Schlafengehen vor.

Christina

Sie ist im gleichen Alter wie Henry, die beiden gehen in eine Klasse. Die Folgen des Missbrauchs durch ihren Stiefvater werden durch Teilnahmslosigkeit und eine das Mädchen umhüllende Traurigkeit dargestellt. Bei einer Talentshow zeigt sie ihr Talent als Tänzerin, über das sie ihre Gefühle ausdrücken kann. Tanz als Kunstform stellt für Christina einen Weg dar, den Kern ihres Selbst in der für sie ausweglosen Situation zu bewahren.

Glenn Sickleman

Er ist der örtliche Polizeichef und lebt mit seiner Stieftochter nach dem Tod seiner Frau allein im Nachbarhaus von Susan. Der Missbrauch macht ihn als Figur zum Antagonisten. Zudem wird er auch im Gegensatz zu der kreativen Susan als äußerst pedantisch inszeniert, etwa wenn er sie mehrfach darauf hinweist, ihre Einfahrt von den Blättern zu befreien, da diese sonst auf sein Grundstück wehen würden. Als Polizeichef besitzt er einflussreiche Verbindungen und gilt als aufrechter Bürger der Gemeinde.

Zusammenfassend lässt sich folgendes festhalten: Obwohl Susan als Alleinerziehende das Familienoberhaupt und Vorbild für ihre Kinder sein sollte, nimmt Henry diesen Part ein, was mit seiner Intelligenz und der damit einhergehenden Reife zusammenhängt. In diesem Sinne ist er auch eine Art Partnerersatz, weil er auch die finanzielle Versorgung übernimmt. Im Nachbarhaus befindet sich eine von Missbrauch geprägte Familie, allerdings hat Christina nur sich selbst.

Wenn Autoritäten nichts unternehmen

Henry ist ein aufmerksamer Junge und so ist ihm Christinas Situation nicht entgangen. Zu Beginn von The Book of Henry werden seine Versuche deutlich, Autoritätspersonen und Verantwortliche auf den Missbrauch Christinas aufmerksam zu machen. Beispielsweise verlässt er nach einem Blick auf das Mädchen unvermittelt den Klassenraum und geht zur Direktorin, wo er sie mit „Scheiße verdammt Janice, wie lange soll das noch so weitergehen?“[24] anschreit. Er solle nicht wieder mit dem Thema anfangen, so die Direktorin.

Henry: Blutergüsse, Niedergeschlagenheit, schlechte schulische Leistungen. Wie wird ihr Zeugnis aussehen?
Direktorin: Du weißt, ich darf mir dir über die Noten deiner Mitschüler nicht reden.
Henry: Sie müssen ja keine förmliche Untersuchung einleiten, es reicht, wenn sie den Verdacht äußern! Das liegt eindeutig in Ihrer pädagogischen Verantwortung als Schulleiterin!
Direktorin: Ich hatte bereits erste Nachforschungen angestellt, die nichts ergeben haben.
Henry: Dann müssen Sie Ihre Nachforschungen eben intensivieren.
Direktorin: So einfach ist das nicht, Henry. Mister Sickleman ist der Polizeichef. Er ist ein aufrechter Bürger unserer Gemeinde.
Henry: Aber als aufrechter Bürger unserer Gemeinde hätte er doch …
Direktorin: Diese unbegründeten Anschuldigungen können ersthafte Konsequenzen nach sich ziehen.
Henry: Herrgott! Das ist doch… Haben Sie das hier vielleicht mal gelesen? (Hält ein Infoblatt über die Anzeichen von Kindesmissbrauch hoch, das im Regal liegt)
Direktorin: Weißt du, ich kenne Mister Sickleman schon länger als du auf der Erde bist.
Henry: Soll das jetzt ein Argument sein?
Direktorin: Ich werde jedenfalls ohne zwingende Beweise damit nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Henry: Schön! Regle ich das eben ohne Sie.[25]

Auch versucht Henry, als anonymer Anrufer beim Jugendamt, den Missbrauch zu melden. Er beobachtet anschließend, wie jemand von der Behörde mit Glenn Sickleman spricht, erkennt aber in dem Besucher den Chef der Institution, bei dem es sich um den Bruder des Polizeichefs handelt. Es scheint, als wären die Verantwortlichen und Autoritätspersonen, welche die Macht hätten, den Missbrauch zu stoppen, nicht daran interessiert, etwas dagegen zu unternehmen oder gerade an Untätigkeit interessiert, um ihren Ruf nicht zu gefährden. Dies hängt mit der Position von Glenn Sickleman zusammen. Der Status als Polizeichef macht ihn ohne Hinterfragen zu einem aufrechten Bürger der Gemeinschaft.

Überhaupt werden eben diese Worte im Zusammenhang mit der Missbrauchsmeldung erst durch Henry, später auch durch Susan[26] immer wieder von verschiedenen Verantwortlichen gebraucht, wenn es um die Anzeige geht. Das Wissen der außenstehenden Figuren unterscheidet sich immens von dem Wissen, das zunächst Henry und später auch Susan über den Polizeichef haben.

The Book of Henry als Mittel der Selbstjustiz

Da Henry mit den von Rechtswegen vorgegebenen Methoden nichts erreicht und ihm niemand Glauben schenkt, entwickelt er einen Plan, der den Tod von Glenn Sickleman vorsieht. Umsichtig leiht er sich Bücher über praktisches Vorgehen am Tatort aus, informiert sich über den Kauf von Munition und Waffen und hält alles in seinem roten Notizbuch fest. Bevor er den Plan allerdings ausführen kann, stirbt er an einem Hirntumor. Noch im Krankenhaus zeichnet er Sprachnachrichten für Susan auf, die nach seinem Tod den Plan für ihn umsetzen soll. Henrys Tod markiert den Übergang vom ersten Teil des Films zum zweiten, in dem er nur noch als Stimme aus dem Off über die Aufnahmen für Susan präsent ist.

Wenn sich niemand kümmert

Peter erzählt Susan nicht sofort von dem roten Notizbuch, wie Henry es ihm aufgetragen hat. Doch als er es schließlich entdeckt, gibt er es Susan, die ebenfalls zunächst das Jugendamt anrufen will. Es sind die formell richtigen Wege, die der Film präsentiert. Zunächst durch Henry, er sich an die Schulbehörde und das Jugendamt wendet, nun versucht Susan es in gleicher Weise.

Susan: Ich ruf das Jugendamt an. [Greift zum Telefon. Peter blättert in Henrys Notizbuch und zeigt auf einen Eintrag.]
Susan: Wieso es keine Option darstellt, in der Sache beim Jugendamt anzurufen. Aber es kann nicht sein, dass es da niemanden gibt, der sich da kümmert. Das kann nicht sein.
Peter: Er hat schon alles versucht. [Blättert in dem Buch]
Susan: Ach komm, Peter. Irgendwas hat er bestimmt nicht bedacht.
Peter: Henry soll etwas nicht bedacht haben?
Susan: Eine absurde Situation. Es muss einen anderen Weg geben, um Christina zu helfen.
[Peter blättert eine Seite auf, das Publikum kann mitlesen: WARUM ES KEINEN ANDEREN WEG GIBT, UM CHRISTINA ZU HELFEN.]
Susan: Warum es keinen anderen Weg gibt, Christina zu helfen. Ich rede über diese Angelegenheit nicht länger mit dir.
Peter: Wir müssen das machen. Das ist Henrys letzter Wunsch.
Susan: Wir werden auf keinen Fall den Polizeichef ermorden und damit basta![27]

Doch alle Versuche Susans, wenigstens weitere Ermittlungen zu erreichen, schlagen fehl. Als sie Sachbearbeiter eines Jugendamtes aus einer anderen Region einschalten will und um Hilfe bittet, wird sie mit Verweis auf die geltenden Regeln und Zuständigkeiten abgewiesen.

Indirekte Inszenierung des Missbrauchs

Kindesmissbrauch ist ein Thema, über das niemand gerne spricht. Auch zum Schutz der Kinderdarstellerin gilt es, sensibel mit einer derartigen Inszenierung umzugehen. Trevorrow hat sich bei der Darstellung durch Hitchcocks Das Fenster zum Hof inspirieren lassen (zumindest der Film, mit dem ich diese Darstellungsweise verbinde). So steht Henry beispielsweise im Dunkeln mit einem Fernglas am Fenster und beobachtet die Geschehnisse auf diese Weise. Der Missbrauch selbst wird nicht gezeigt, sondern nur die Reaktion an den schockierten Gesichtern von Henry und später auch Susan deutlich gemacht.[28]

Das Sehen des Missbrauchs überzeugt Susan, Henrys Plan zur Ermordung von Glenn Sickleman umzusetzen. „Ja, aber jetzt kümmere ich mich.“[29] Entschlossen führt sie sämtliche Anweisungen aus, die Henry in seinem Buch hinterlegt hat, kauft sich ein Scharfschützengewehr und übt, ist so ihrem toten Sohn wieder ein Stück näher.

Muttersein

Auch wenn Susan mit ihren Söhnen eine liebevolle Beziehung unterhält, zweifelt sie gerade diesbezüglich an sich. In dieser Hinsicht ist Henrys Tod für die Entwicklung ihrer Figur aus der Apathie heraus ins entschiedene Handeln notwendig.

Susan: Ich habe Angst. Ich weiß nicht wie … Ich weiß nicht, wie ich klarkommen soll ohne dich. Ich weiß nicht wie Muttersein geht.
Henry: Das hab ich dir nie beigebracht. Das konntest du schon immer perfekt.[30]

Es ist für die Handlung und die darin vorgeführte Übernahme von sozialer Verantwortung und die Option zur Selbstjustiz wichtig, dass Henry und Peter wissen, wie mütterliche Fürsorge aussieht. Dies muss für die Rezipienten deutlich werden. Auch, wenn die Rollen zwischen Henry und Susan bezüglich organisatorischer und finanzieller Angelegenheiten vertauscht sind und sie von ihm abhängig scheint, an mütterliche Fürsorge, Empathie und Verständnis mangelt es nicht. Zumindest nicht bis zu Henrys Tod. Denn danach steht Susan verständlicherweise kurzzeitig neben sich, lässt sich gehen und vernachlässigt Peters angemessene Ernährung.

Elterliche Verantwortung übernehmen

Doch langsam füllt sie die Rolle der Mutter umfänglicher aus, als vor Henrys Tod und löst sich von der Rolle der abhängigen und unselbstständigen Mutter, übernimmt Verantwortung. Das zeigt sich zum Beispiel, als Peter vor der Schulaufführung ausgestellte Bilder bekritzelt.

Peter: Henry fand sowas witzig.
Susan: Er war ja auch erst elf.
Peter: Er war ein Genie.
Susan: Aber er war nicht deine Mutter. [31]

Werte vermitteln und weitergeben

Eine pädagogische und moralische Implikation ist schon am Anfang des Films vorhanden, denn Susan schreibt Kinderbücher, die sie Henry und Peter vorliest:

Susan: Und so färbte er sein eigenes Fell in allen Farben des Regenbogens. Da wurden die anderen Eichhörnchen alle eifersüchtig, weil er so punkrockmäßig aussah. Und sie erkannten, dass echte Coolness nichts mit der Farbe eines Fells zutun hat, sondern damit, was in einem drinsteckt. […]
Henry: Tja, ist ganz nett geschrieben.
Susan: Hey! Versuch du erstmal, was zu schreiben und zu malen. Etwas mit einem Sinn dahinter. Es ist eine Metapher. Da hat wohl jemand nicht die Moral begriffen, dass auch blaue Eichhörnchen akzeptiert werden müssen.[32]

Susan schreibt und illustriert Kinderbücher, in die sie einen moralischen Sinn integriert. In dem kurzen Auszug geht es um Inklusion und um die Akzeptanz von sich äußerlich von der Masse unterscheidenden Tieren. Also hängt Henrys Einsatz für Christina und das dahinterstehende Bedürfnis, sich für Schwächere einzusetzen vielleicht gar nicht unbedingt mit einem Aspekt seiner Hochbegabung zusammen, sondern hat er diese Einstellung durch Susans Einfluss übernommen, vielleicht aus einer ihrer früheren Geschichten? Das zumindest halte ich für wahrscheinlich, denn es wird sich noch zeigen, dass der Film primär von Susan und ihrer Entwicklung handelt und nicht von Henry. Und in ihre Entwicklung ist das prosoziale Verhalten für Christina inbegriffen.

Kunst als Ausdrucksmittel für seelischen Schmerz

Wie Christinas Situation vor dem Tod ihrer Mutter aussah, wird nicht in The Book of Henry thematisiert. Es wird aber deutlich, dass sie alleine mit ihrer Situation fertigwerden muss und dass es ihr sehr schlecht geht. Beim Talentwettbewerb der Schule zeigt sich dann, wie sie ihre Situation verarbeitet, denn an ihrer Tanzdarbietung wird der Missbrauch durch ihre ausdrucksstarke Darbietung sichtbar.[33] War sie vorher ein stilles Mädchen, das teilnahmslos in der Ecke saß oder schüchtern lächelte, dann erkennen Rezipienten in ihrem expressiven Mienenspiel eine überraschende Verwandlung. Es ist diese künstlerische Darbietung, durch welche die Direktorin den Schmerz des Mädchens sieht und die Polizei alarmiert.

Verwobene Handlungslinien

Interessant ist, dass Trevorrow hier zwei völlig unterschiedliche Handlungsstränge miteinander verschlungen hat, wenn er Christinas Tanz mit der geplanten Ermordung Glenns verwebt. Zum einen ist Susan bereits kurz nach dem Beginn der Veranstaltung aufgebrochen, um den Plan endgültig in die Tat umzusetzen. Die Performance von Christina fällt nun zusammen mit Szenen, in denen Susan auf Glenn zielt. Beide Szenen sind musikalisch mit dem stimmungsvollen Klavierspiel aus Christinas Tanzvorstellung untermalt, die ununterbrochen weiterläuft, was die nicht zusammengehörigen Szenenwechsel thematisch vereint.

Doch Susan stößt eines von Henrys Experimenten an, sodass eine Kettenreaktion ausgelöst und Bilder von Henry und Peter an der Wand neben ihr ausgeklappt werden. Es ist dieser Moment, in dem ihr klar wird, was sie gerade im Begriff ist, zu tun. Während Henrys Stimme sie über die Tonaufnahme zum Schießen auffordert und Christina die letzten Sekunden ihres Tanzes vollendet, wird Susan klar: „Nein. Nein. Henry ist noch ein Kind.“[34] Die Montage endet für beide Figuren in einem Bild: einmal Christina in Nahaufnahme, den Kopf nach oben gestreckt, die Augen geschlossen, voller Erleichterung und auch Susan atmet erleichtert auf, neigt den Kopf nach oben und schließt erleichtert die Augen. Es ist dieser Gleichklang der Szenen, die verschiedene Optionen hinsichtlich der Interpretation mit Blick auf die Hauptthemen des Films ermöglichen.

Wie die Montage auslegen

Natürlich wird hier die Zugehörigkeit vorweggenommen, die am Ende durch die Adoption von Christina durch Susan stattfindet. Sichtbar ist aber vor allem Erleichterung. Diese ist bei Christina als ambivalent zu bewerten. Natürlich ist Kunst ein Mittel zum Ausdruck psychischer Befindlichkeiten und kann ein Instrument zur Bewahrung des individuellen Selbst sein, ein Rückzugsort, ein abgeschotteter Raum, in den der Missbrauch nicht gelangen kann und der nur Christina gehört. Doch in diesem Fall die Rolle der Kunst als Helferin überzustrapazieren, wäre unangemessen, denn es sollte erst gar nicht so weit kommen, das Verantwortliche die Augen schließen und nur über Kunst ins Handeln kommen, die letztlich die Manifestation der nicht aufgehaltenen Gewalt durch Missbrauch ist. Andererseits könnte man auch fragen, ob dies eine mögliche Funktion von Kunst ist – Menschen zum Handeln zu bewegen.

Susan ist erleichtert, weil sie die Unangemessenheit der Situation erkennt und nicht zur Mörderin wird.

Den Missbrauch ansprechen und Stellung beziehen

Als Susan zurück zur Talentshow fahren will, um Peters Auftritt nicht zu verpassen, begegnet sie Glenn und stellt ihn zur Rede.

Susan: Ich weiß, was Sie ihr antun. Behandlungen in der Erste-Hilfe-Station, Abwesenheit von der Schule, blaue Flecke, zahllose Anrufe beim Jugendamt, die alle unter den Teppich gekehrt wurden von ihrem Bruder. Henry hat alles dokumentiert und Sie haben nicht bemerkt, dass er sie beobachtet hat.
Glenn: Wem denken Sie, werden die glauben?
Susan: Ich weiß es nicht. Ich kann mir einen Skandal leisten. Wie ist es mit Ihnen?
Glenn: Das kostet mich ein Telefonat und die kommen Sie holen.
Susan: Was mit mir geschieht, ändert nichts daran, was Sie sind. Ich gehe zum FBI. Ich werde mich an die Presse wenden. Ich sorge dafür, dass Sie dem kleinen Mädchen nie wieder auch nur ein Haar krümmen. Und ich sorge dafür, dass Sie zur Rechenschaft gezogen werden. [Glenn will weggehen und dreht sich um] Sehen Sie mich an. Sehen Sie mich an! Ich will, dass Sie sehen, mit wem Sie es jetzt zutun kriegen![35]

Es geht hier nicht nur um das aktive Handeln und das damit einhergehende Einstehen für andere Menschen, die sich nicht wehren können, es geht auch um das Sichtbarmachen des Selbst und das überzeugte Einstehen für die eigenen Werte vor anderen. Hat Susan zu Beginn des Films kein Interesse daran, sich für andere einzusetzen, erkennt sie sich nun in ihrer Rolle als Mutter und erzieherisches Vorbild für ihre Kinder und steht für ihre Werte ein, die sie vorher nur in ihren Büchern verschriftlicht hat.

Glenn versucht noch seine Kontakte und Beziehungen spielen zu lassen, doch es ist zu spät. Er richtet sich selbst, bevor er festgenommen werden kann. Letztlich übernimmt Susan das Sorgerecht von Christina (auch eine Maßnahme, die von Henry geschickt organisiert wurde) und kann in der Familie bleiben, während Susan sich vollständig der Erziehung ihrer Kinder und dem Verfassen von Kinderbüchern widmen kann.

Wer man sein will

„Manchmal erinnert einen eine gute Geschichte daran, wer man eigentlich sein will. Vielleicht gibt es deshalb so viele. Geschichten über Gut und Böse, Geschichten über den Triumph des menschlichen Geistes, Geschichten über Leben und Sterben und wie man das eine trotz des anderen tun muss. Diese Geschichte hier handelt von dir [gemeint ist Susan] und mir und meinem Bruder und dem Mädchen von Nebenan. Aber es ist nicht mehr meine Geschichte. Es ist deine.“[36]

So lauten Henrys abschließenden Worte an Susan, die das Tape anschließend ins Feuer wirft und damit die letzten Beweise an die geplante Tat vernichtet. Bezüglich dieser letzten Botschaft bleiben aber Fragen. Denn Henry geht davon aus, dass seine Mutter Glenn erschossen hat. Wenn er von einer guten Geschichte spricht, dann impliziert dies den Mord an Glenn, der jedoch nicht von Susan ausgeführt wurde, weil sie sich vorher eines Besseren besinnen konnte. Aus ihrer Perspektive ist es also eine gute Geschichte, gerade weil sie NICHT Henrys Ratschläge umgesetzt hat.  

Die Frage ans Publikum stellen

Und es gibt eine weitere Perspektive, nämlich die des Publikums, das sich durch die Stimme aus dem Off direkt angesprochen fühlen könnte. Insofern wird hier eine wichtige Frage aufgeworfen, vor allem im Zusammenhang mit der Frage nach der Übernahme sozialer Verantwortung für Menschen, die sich nicht selbst wehren oder schützen können innerhalb einer Gemeinschaft. Dieses Thema habe ich bereits exemplarisch an Sara Pennypackers Mein Freund Pax erörtert. Dort hat die von mir als unterlassene Hilfestellung erkannte Situation Schamgefühle bei der betreffenden Figur ausgelöst.

Susans Geschichte

The Book of Henry erzählt also vor allem Susans Geschichte, die ihre in selbstverfassten Kinderbüchern transportierten Werte und gesellschaftlichen Ideale von dem abgegrenzten Raum der Familie auf diese Weise in den öffentlichen Raum der gesellschaftlichen Gemeinschaft ausdehnt. Zudem kommt sie aus ihrer infantilen Abhängigkeit gegenüber Henry heraus und beginnt, ihr Leben zu sortieren und Verantwortung für die Dinge zu übernehmen, die sie vorher Henry überlassen hat. Henrys hohe Intelligenz hat darüber hinaus die Funktion, ihn als sogar Erwachsenen überlegen darzustellen, damit die Ausweglosigkeit, aber auch Paradoxie von Christinas Situation im Vergleich mit dem Nicht-Handeln der tatsächlich Verantwortlichen die Tragik des Wegsehens verdeutlicht. Für Susan wird erst durch seinen Tod eine Wandlung hin zur Übernahme von Verantwortung forciert.

Das große Wegsehen

Würdenträger in Institutionen, Behörden und Unternehmen besitzen einen Ruf in der Öffentlichkeit, der sie, in den Worten des Films, zu aufrechten Bürger der Gemeinde macht. Ein akademischer Titel ist vielerorts gleichbedeutend mit der Annahme, man habe es beim Gegenüber mit eben solch einem aufrechten Menschen zu tun, jemandem also, der aufgrund seiner Position und damit verbundenen Pflichten ordnungsgemäß und vernünftig handelt, eben sozial und gesellschaftlich angemessen. Wenn nicht der akademische Grad oder sonstige Titel vorhanden sind, dann ist es die Position in einem Unternehmen oder einer Behörde und die mit dieser öffentlichen Rolle einhergehenden Zuschreibungen. Je einflussreicher die Position, desto größer der Einfluss und die damit einhergehende Machtausübung.

Häufig wird diese Art der Machtausübung nicht hinterfragt, weil die durch den erworbenen Grad oder Titel vorhandene Autorität mit spezifischen Rollenbildern besetzt ist, die einen möglichen Missbrauch ausschließen oder undenkbar machen, obwohl dem nicht so sein muss. Man würde beispielsweise einen katholischen Priester oder evangelischen Pfarrer nicht mit Kindesmissbrauch in Verbindung bringen, genauso wenig würde man davon ausgehen, dass Mitarbeiter eines Jugendamtes wissentlich Fälle von Kindesmissbrauch unterschlagen oder aber selbst involviert sind. Schockierend ist der Fall von Lügde, in den Behörden involviert waren und sämtliche Meldungen über Kindesmissbrauch, die bei Jugendämtern eingingen, nicht beachtet wurden.[37] Bei dem Fall tritt die sexuelle Komponente hinzu, in The Book of Henry wird nur physische Gewalt konkretisiert.

Und wieder leider aktuell

Insofern ist das Thema von The Book of Henry leider aktuell. Vor allem macht der Fall Lügde aufgrund der vernachlässigten Bereitschaft zur Aufklärung und einschreitenden Handlungen die fehlende Bereitschaft deutlich, genauer hinzusehen und nachzuhaken. Viele weitere Faktoren spielen sicher dabei eine Rolle, von der Belastung des Personals hin zu fehlender Besetzung von adäquaten Stellen, Zeitmangel, der Entpersonalisierung der Betreuung von Kindern, die als papierne Akten einfach abgelegt werden können bis hin zu möglicherwiese konkreten Entscheidungen aus der Führungsetage mit Blick auf bevorstehende Wahlen, sich doch besser aus gewissen Angelegenheiten herauszuhalten und so weiter. Eine intensivere Beschäftigung mit dem Fall habe ich an dieser Stelle auch gar nicht vorgesehen.

Aber gewisse Gemeinsamkeiten mit The Book of Henry sind vorhanden, etwa wenn es um die missachteten Meldungen beim Jugendamt geht. Im Übrigen kann die Thematik vom Kindesmissbrauch deduktiv ausgedehnt werden auf andere Thematiken, welche die schikanierende Behandlung oder direkten sowie indirekten Missbrauch von Menschen und das Nichtbeachten dieser Tatsachen einbeziehen. Dabei kann es sich um Ausländerfeindlichkeit handeln, um Altersdiskriminierung, sexualisierte Gewalt, Ausgrenzung von motorisch eingeschränkten Menschen, der Bildung von Vorurteilen und mehr.

Was also tun?

Selbstjustiz wird in The Book of Henry letztlich nicht durchgeführt, sondern es kommen die Verantwortlichen und Autoritätspersonen ins Handeln, weil sie endlich hinsehen und den Missbrauch aussprechen, ansprechen und konkret adressieren. Eben dies wird im Film auch als das Mittel zur Beseitigung herrschender Missstände als Option vorgeschlagen, die zum Erfolg führt. Neben dem Einsatz für die eigenen Werte in der Gemeinschaft wird aber gerade an Susans Figur deutlich, dass über die Erziehung die Werte transportiert werden, die Menschen als Erwachsene an ihre Kinder weitergeben. Die Relevanz einer umfassenden und wertschätzenden Erziehung sowie der Vermittlung von überzeugenden Werten und Normen und das Vorleben derselben wird verdeutlicht.

Der Film fragt, welche Werte und Normen Eltern ihren Kindern mitgeben wollen und wer sie für ihre Kinder sein können und wollen. Welche Rolle wird jemand für die eigenen Kinder haben und was wird diesen durch das Vorleben dieser Rolle mit auf den Weg für ihr späteres Leben gegeben? Es geht um das eigene Vermächtnis und zwar im eng begrenzten sozialen Raum der Familie sowie dem Raum der Gesellschaft und der eigenen Teilhabe an basalen menschlichen Bedürfnissen wie Sicherheit, Gemeinschaft und Toleranz.

Dazu abschließend die Worte Henrys aus einem Kurzvortrag zum Thema Vermächtnis:

„Ja klar, wir wollen alle Spuren hinterlassen, aber ist das nicht in Wirklichkeit nur die Ablenkung von einer Sinnkrise? […] Es ist nicht entscheidend, was wir in unseren Lebenslauf schreiben oder wie viel Geld auf unserem Bankkonto liegt. Es geht um die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen und was wir ihnen hinterlassen. Wir wissen nur eines sicher: Wir sind jetzt hier. Und wir haben keine Zeit zu verschenken. Tun wir also unser Bestes.“[38]

Quellen:

Film:

Trevorrow, Colin: The Book of Henry [Film]. United States: Sidney Kimmel Entertainment, Double Nickel Entertainment, 2017.

Verwendete Literatur:

Arnold, Frank: Kritik zu The Book of Henry. In: epd-film vom 18.09.2017, online unter: https://www.epd-film.de/filmkritiken/book-henry (zuletzt aufgerufen am 18.01.2024).

Apathie und Handlungsfähigkeit. In: JuraForum.de, zuletzt geändert am 26.06.2023, online unter: https://www.juraforum.de/lexikon/apathisch#apathie-und-handlungsfaehigkeit (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024).

Camilleri, Ricky: Colin Trevorrow Speaks On His Film, „The Book Of Henry“ vom 06. Juni 2017, online unter: https://www.youtube.com/watch?v=zhamC4vzCq0, (zuletzt aufgerufen am 17.01.2024).

Eder, Jens: Die Figur im Film. Grundlagen der Figurenanalyse. Marburg 2008.

Ferber, Dorthe: Lügde: Alle haben weggesehen. In: zdf heute vom 16. November 2022, online unter: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/kindesmissbrauch-luegde-landtag-aufarbeitung-100.html (zuletzt aufgerufen am 20.01.2024).

Frey, Dieter/Niesta Kayser, Daniela: Zivilcourage. In: Dorsch. Lexikon der Psychologie. Zuletzt geändert am 2.12.2022, online unter: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/zivilcourage (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024).

Germann-Tillmann, Theres/ René Treier/ Joder, Karin und Vroomen-Marell, Renée (Hg.): Hochbegabung und Hochsensibilität. Grundlagen, Erfahrungswissen, Fallbeispiele. Mit einem Geleitwort von Ulrike Kubetzki. Mit Abbildungen von Nathalie Bromberger. Stuttgart 2021.

Kleist, Heinrich von: Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. Herausgegeben von Ralf Kellermann und Eva-Maria Scholz (Reclam XL | Text und Kontext | Nr. 19243).

Missbrauch in Lügde: Ausschuss bereitet Abschlussbericht vor. In: NRD vom 24. Januar 2022, online unter: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Missbrauch-in-Luegde-Ausschuss-bereitet-Abschlussbericht-vor,luegde700.html  (zuletzt aufgerufen am 20.01.2024)

Peper, Martin: Apathie. In: Dorsch. Lexikon der Psychologie. Hg. von Markus Antonius Wirtz, zuletzt geändert am 19. 05.2016, online unter: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/apathie (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024.

Perez, Rodrigo: Colin Trevorrow Talks The ‘Book of Henry’ & going From Blockbusters To Indie Films Again. In: The Playlist vom 5. Mai 2016, online unter: https://theplaylist.net/interview-colin-trevorrow-talks-book-henry-going-blockbusters-indie-films-20160505/ (zuletzt aufgerufen am 17.01.2023).

Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2020. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, online unter: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/296468/politikverdrossenheit/ (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024).

Selbstjustiz. In: Die Kriminalpolizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei, online unter: https://www.kriminalpolizei.de/service/praevention-kompakt.html?tx_dpnglossary_glossary%5Baction%5D=show&tx_dpnglossary_glossary%5Bcontroller%5D=Term&tx_dpnglossary_glossary%5Bterm%5D=231&cHash=e00d2619c4119c73171adf612a673718  (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024).


[1] Trevorrow, Colin: The Book of Henry [Film]. United States: Sidney Kimmel Entertainment, Double Nickel Entertainment, 2017, 00:26:57-00:27:55. [2] Frey, Dieter/Niesta Kayser, Daniela: Zivilcourage. In: Dorsch. Lexikon der Psychologie. Zuletzt geändert am 2.12.2022, online unter: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/zivilcourage (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024). [3] Ebd. [4] Ebd. [5] Selbstjustiz. In: Die Kriminalpolizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei, online unter: https://www.kriminalpolizei.de/service/praevention-kompakt.html?tx_dpnglossary_glossary%5Baction%5D=show&tx_dpnglossary_glossary%5Bcontroller%5D=Term&tx_dpnglossary_glossary%5Bterm%5D=231&cHash=e00d2619c4119c73171adf612a673718  (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024). [6] Ebd. [7] Kleist, Heinrich von: Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. Herausgegeben von Ralf Kellermann und Eva-Maria Scholz (Reclam XL | Text und Kontext | Nr. 19243), S. 3. [8] Germann-Tillmann, Theres/ René Treier/ Joder, Karin und Vroomen-Marell, Renée (Hg.): Hochbegabung und Hochsensibilität. Grundlagen, Erfahrungswissen, Fallbeispiele. Mit einem Geleitwort von Ulrike Kubetzki. Mit Abbildungen von Nathalie Bromberger. Stuttgart 2021, S. 1. [9] Ebd., S. 2. [10] Ebd., S. 194. [11] Peper, Martin: Apathie. In: Dorsch. Lexikon der Psychologie. Hg. von Markus Antonius Wirtz, zuletzt geändert am 19. 05.2016, online unter: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/apathie (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024. [12] Ebd. [13] Apathie und Handlungsfähigkeit. In: JuraForum.de, zuletzt geändert am 26.06.2023, online unter: https://www.juraforum.de/lexikon/apathisch#apathie-und-handlungsfaehigkeit (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024). [14] Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2020. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, online unter: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/296468/politikverdrossenheit/ (zuletzt aufgerufen am 16.01.2024). [15] Camilleri, Ricky: Colin Trevorrow Speaks On His Film, „The Book Of Henry“ vom 06. Juni 2017, online unter: https://www.youtube.com/watch?v=zhamC4vzCq0, (zuletzt aufgerufen am 17.01.2024). [16] Ebd., 03:00-03:28. [17] Ebd., 03:28-03:44. [18] Ebd., 04:49-05:07. [19] Perez, Rodrigo: Colin Trevorrow Talks The ‘Book of Henry’ & going From Blockbusters To Indie Films Again. In: The Playlist vom 5. Mai 2016, online unter: https://theplaylist.net/interview-colin-trevorrow-talks-book-henry-going-blockbusters-indie-films-20160505/ (zuletzt aufgerufen am 17.01.2023). [20] Arnold, Frank: Kritik zu The Book of Henry. In: epd-film vom 18.09.2017, online unter: https://www.epd-film.de/filmkritiken/book-henry (zuletzt aufgerufen am 18.01.2024). [21] Dehnhardt, Patrick: Überraschend gut: The book of henry. In: Gießener Allgemeine vom 28. März 2019, online unter: https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/hungen-ort848765/ueberraschend-gut-book-henry-11961904.html (zuletzt aufgerufen am 18.01.2023). [22] Eder, Jens: Die Figur im Film. Grundlagen der Figurenanalyse. Marburg 2008, S. 12. [23] Ebd., S. 14. [24] Trevorrow: The Book of Henry [Film], 00:21:00-00:21:02. [25] Ebd., 00:21:08-00:21:54. [26] Ebd., 01:02:20-1;02:23. „… Sie wollen ein aufrechtes Mitglied der Gesellschaft nicht belästigen?“ [27] Ebd., 1:01:33-1:02:11. [28] Ebd., 1:04:20-1:05:05. 29] Ebd., 04:05:44-01:05:52. [30] Ebd., 00:48:59-0:49:20. [31] Ebd., 01:20:18-1:20:30. [32] Ebd., 0:08:51-0:09:31. [33] Ebd., 01:26:53-01:30:33. [34] Ebd., 1:29:56-01:30:10. [35] Ebd., 1:30:48-1:32:36. [36] Ebd., 1:38:40-1:39:26. [37] Einführend nachzulesen etwa hier: Missbrauch in Lügde: Ausschuss bereitet Abschlussbericht vor. In: NRD vom 24. Januar 2022, online unter: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Missbrauch-in-Luegde-Ausschuss-bereitet-Abschlussbericht-vor,luegde700.html  (zuletzt aufgerufen am 20.01.2024) und Ferber, Dorthe: Lügde: Alle haben weggesehen. In: zdf heute vom 16. November 2022, online unter: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/kindesmissbrauch-luegde-landtag-aufarbeitung-100.html (zuletzt aufgerufen am 20.01.2024). [38] Ebd., 00:04:16-00:04:52.

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