Judenfeindliche Stereotype und Vorurteile in der Geschichte und Literatur

Judenfeindliche Stereotype und Vorurteile sind seit Jahrhunderten im kulturellen Gedächtnis verankert, werden im kommunikativen Miteinander mündlich tradiert und durch Verschriftlichung wiederum fixiert. Viele der heute noch kursierenden stereotypischen Eigenschaften stammen bereits aus der Antike, existierten auch im Mittelalter und der Frühen Neuzeit und sind heute immer noch im modernen Sprachgebrauch vorhanden. Folgend soll ein kleiner historischer Einblick auf die Beziehung zwischen Christen und Juden geworfen werden, dazu einige Beispiele für judenfeindliche Stereotype und Vorurteile im Mittelalter und es folgen auch exemplarische literarische Beispiele.

Christen und Juden im Mittelalter – Judenfeindliche Stereotype und Vorurteile entstehen

Jüdische Kolonien sind im heutigen Deutschland am Ausgang der Antike unter anderem in den Städten Trier, Mainz, Worms und Köln nachgewiesen. Zu dieser Zeit besaßen freie Juden das Bürgerrecht und ihr Glaube war anerkannt. Diese Gleichberechtigung von Christen und Juden änderte sich, als das römische Reich nach dem 4. Jahrhundert christlich wurde. Juden wurden nun als Ungläubige oder Heiden angesehen. Immer mehr Beschlüsse wurden erlassen, die eine Unterordnung der jüdischen Minderheit unter die christliche Mehrheitsbevölkerung forcierten. Ab dem 8. Jahrhundert standen Juden unter königlichem Schutz und waren als Ärzte sowie Händler geachtet. Aufgrund ihrer profitablen Handelsbeziehungen im Mittelmeerraum erreichten jüdische Seefahrer und Händler eine Art Monopol, wobei auch die herrschende Obrigkeit davon profitierte. Diese erteilte den Juden gesonderte Privilegien. Nicht wenige Juden erlangten so erheblichen Wohlstand, was den Neid und Missgunst der christlichen Zeitgenossen mit sich brachte und eben auch zur Etablierung für judenfeindliche Stereotype und Vorurteile.

Ab dem 9. Jahrhundert wurde die soziale Integration der Juden weiter gehemmt. Im Gegensatz zu Christen durften sie kein Land erwerben und konnten sich demnach nur in Städten niederlassen. Der Zugang zu den Handwerkszünften, bestehend aus christlichen Bruderschaften, war den Juden ebenfalls untersagt. Ihnen blieben die von Christen geächteten Berufe, wie etwa die Kreditvergabe, denn Christen durften nach kirchlichem Recht bis ins Spätmittelalter keine Zinsen nehmen. Auch in diesem Bereich wurden Juden erfolgreich und zogen wiederum den Neid ihrer christlichen Zeitgenossen auf sich. Das Stereotyp vom raffgierigen, geizigen Juden entstand. Im 11. Jahrhundert lebte im heutigen Deutschland eine jüdische Minderheitsgesellschaft mit etwa 200.000 Juden in den bereits genannten süddeutschen Städten inmitten der christlichen Mehrheitsbevölkerung. Kontakte im Berufs- und Privatleben zwischen Christen und Juden gehörten zum normalen Alltag. Und doch hielten sich Vorurteile, Stereotype, bestimmte Bilder, die über allen soziokulturellen Wandel hinweg transportiert wurden. Die im judenfeindlichen Motivkomplex mitschwingenden Bilder sind umfangreich: „Beschuldigungen wegen Ritualmorden, Hostienschändungen, Brunnenvergiftungen, Kannibalismus, Gier nach Geld und Gut, Wuchervorwürfe, Stilisierung der Juden als verstockte, blinde Diener des Teufels in seinem Kampf gegen Christus sowie die Identifikation der Juden mit den jeweiligen Feinden im Kontext finsterer Verschwörungen.“[1] Judenfeindliche Stereotype und Vorurteile bedienen also bereits seit der Antike ein breites Spektrum an verschiedensten Zuschreiben, die situativ und funktional genutzt werden konnten.

Kurze Einführung: Stereotype

„Der Begriff des Stereotyps (griech.: stereos – starr, hart, fest und typos – feste Norm, charakteristisches Gepräge) wurde bereits 1922 vom Journalisten Walter Lippmann in die Sozialwissenschaften eingeführt, der damit die ‘Bilder in unseren Köpfen’ beschrieb, die sich als schablonisierte und schematisierte Vorstellungsinhalte zwischen unsere Außenwelt und unser Bewußtsein schieben.“[2] Eben diese verfestigten Bilder aus den Köpfen finden sich auch in der Literatur, im Film und in der Kunst wieder. Laut Jens Eder, der sich intensiv mit der Konzeption von Figuren beschäftigt hat, erscheinen „Stereotype als Übereinkünfte, dabei vermitteln sie selbst erst den größten Teil der Meinung über Andere. Die gewohnten Stereotype einer Kultur können in einer anderen als fremdartige, seltsame oder exotische Konstrukte erscheinen.“[3]

Kategorisieren lassen sich Stereotype laut Eder in drei Hinsichten. Ästhetisch sind sie, weil sie trivial sind und keinen Erkenntnis- und Erlebnisgewinn bringen. Da sie Langeweile auslösen können sie ebenfalls aus einer wirkungsbezogenen Perspektive kritisiert werden. Zuletzt können Stereotype unangemessene Denkmuster verbreiten, dann ist ideologische Kritik angebracht.[4] Insofern haben Stereotype teilweise problematische Wirkungen für die Einschätzung, Bewertung und emotionale Einstellung zu sozialen Gruppen und haben damit negative gesellschaftliche Konsequenzen. „Als «Stereotyp-Effekte» ergeben sich etwa systematische Urteilsverzerrungen. Stereotypisierte Personen werden grundsätzlich extremer beurteilt. Unterschiede zwischen Mitgliedern einer Gruppe (Schwarze, Frauen usw.) werden minimiert, die Unterschiede zwischen den Gruppen maximiert. Dabei werden der eigenen Gruppe eher positive, den anderen eher negative Eigenschaften zugeschrieben.“[5]

Funktion der Bildung von Stereotypen und Vorurteilen

„Würde man eine geschichtliche Abhandlung über die Bemühungen Vorurteile und Stereotype abzubauen schreiben“, so Thomas Alexander, „käme man sicher zu dem Ergebnis, dass dies trotz aller wissenschaftlich, psychologischer und pädagogischer Bemühungen eine Herkulesarbeit ist, die bisher offensichtlich von niemanden geleistet wurde. Stereotype und Vorurteile sind offenbar unausrottbare Bestandteile des menschlichen Zusammenlebens und schon dies müsste eigentlich zu denken geben!“[6] Stereotype und Vorurteile haben also anthropologisch Anteil an der Conditio humana. Thomas Alexander macht im interkulturellen Kontext folgende wichtige Funktionen von Vorurteilen im sozialen Kontext aus:

1. Orientierung

Vorurteile ermöglichen eine präzise und schnelle Orientierung in einer komplexen Welt, sie erlauben schnelle Kategorisierungen und Bewertungen von Menschen und Sachverhalten. Salopp formuliert – man weiß woran man ist. Menschen wollen die Kontrolle behalten und handlungsfähig bleiben. Jemanden nach einem Vorurteil zu beurteilen, ungeachtet dessen individueller Selbstdarstellung, gibt Sicherheit.

2. Anpassung

Vorurteile ermöglichen eine schnelle Anpassung an die jeweiligen sozialen Lebensbedingungen, vorherrschenden Meinungen und Normen. Man erreicht mit Hilfe von Vorurteilen ein hohes Maß an sozialen Belohnungen, Zuwendungen, Anerkennung und damit einhergehend eine Minimierung von Bestrafungen wie Ausgrenzung oder Diffamierung.

3. Abwehr

Vorurteile dienen der Abwehr von Schuldgefühlen und innerpsychischen Konflikten. Sie erhalten das positive Selbstbild, meist auch entgegen der tatsächlichen Begebenheiten. Die mir Abwehr einhergehende Abwertung einzelner Personen sowie ganzer Personengruppen erlauben die Aufrechterhaltung des eigenen positiven Selbstbildes auf Kosten anderer.

4. Selbstdarstellung

Vorurteile, die sozial geteilte oder sozial erwünschte Eigenschaften beinhalten, dienen der Selbstdarstellung vor der sozialen Umwelt sowie der Ausbildung eines positiven Eindrucks gegenüber anderen Personen. Mit Vorurteilen kann man sich als Wissender und als kompetent präsentierten, wenn die Zuhörer diese Einstellungen teilen. Man erntet Anerkennung.

5. Abgrenzung und Identität

Vorurteile, die man mit anderen teilt, fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl. Durch feste Markierungen der eigenen Identität im Konsens mit anderen entsteht eine klare Abgrenzung gegenüber dem, was als anders oder fremd erlebt wird. Dies schafft ein positives Wir-Gefühl. Mag diese Form der identitätsschaffenden Abgrenzung auch wieder auf die Kosten anderer einzelner oder ganzer Gruppen gehen, so schafft sie dennoch Einigkeit. Es handelt sich auch um ein Phänomen, dass unter dem Begriff ‘Masse’ literarisch diskutiert wurde.

6. Steuerung und Rechtfertigung

Vorurteile ermöglichen die Verhaltenssteuerung bestimmter Personen, das kann unbewusst oder auch bewusst geschehen. Vorurteile lassen sich instrumentalisieren [wie es ja beispielhaft im nationalsozialistischen Deutschland geschehen ist, wie es in der Politik betrieben wird – eigentlich überall ist diese Steuerung zu finden]. Eigene Verhaltensweisen lassen sich im Nachhinein rechtfertigen.[7]

    Viele der genannten Funktionen hängen zusammen, greifen ineinander und bedingen sich gegenseitig.

    Zusammenfassend kann festgehalten werden: Vorurteile dienen im hohen Maße zur Befriedigung zentraler Bedürfnisse im menschlichen Zusammenleben, daher sind sie auch so veränderungsresistent. Oftmals sind sie sogar unbewusst und automatisiert.

    Und was ist mit literarischen Figuren und Stereotypen?

    Auch Jens Eder erkennt die narrative Funktion von Stereotypen und Vorurteilen für Individuen und die Gesellschaft im Allgemeinen, die sich auch in literarischen Werken und Filmen finden lassen. Literarische Figuren stellen Vorurteile stereotypisch dar, weil sie vom jeweiligen Autor erschaffen wurden und dieser sein Wissen in die literarischen Werke einfließen lässt. In diesem Sinne gibt gerade Literatur aufschlussreiche Erkenntnisse über die zeitgenössischen Vorurteile und Stereotype sowie einer etwaigen Transformation derselben wieder, die anhand unterschiedlichster Aspekte untersucht werden können.

    „Eine Figur ist typisiert, wenn ihre Eigenschaftskonstellation einem mentalen Prototyp im Gedächtnis der Zuschauer weitgehend entspricht; sie ist individuell, wenn dies nicht der Fall ist und sie sich der Vorstellung von einem einzigartigen menschlichen Individuum annähert. Eine typisierte Figur kann durchaus komplex sein und sich verändern, entscheidend sind ihr Schematismus und ihre einfache Verständlichkeit. Es gibt inhaltliche und strukturelle, soziale und mediale Figurentypen, darunter jeweils zahlreiche Spielarten: unter den Medientypen etwa die der Film-, Genre- und Erzähltradition sowie des Starsystems, unter den Sozialtypen solche für Rollen, Gruppen, Nationalitäten, Temperamente, Körper usw. Zudem ist zu unterscheiden zwischen Stereotypen, Archetypen und funktionellen Typen. Stereotype Figuren entsprechen übergeneralisierenden, ideologischen Vorstellungen über Mitglieder sozialer Gruppen. Die Eigenschaftskonstellationen archetypischer Figuren sind transhistorisch und transkulturell verbreitet. Funktionale Typen sind Figuren, die typisiert angelegt sind, um bestimmte dramaturgische Aufgaben besser erfüllen zu können.“[8]

    Jens Eder beschreibt die Entwicklung von universalen Grundstrukturen, die zur Erschaffung von Figuren beitragen. Er führt an, dass Gedächtnisinhalte oft in Form assoziativer Begriffssysteme oder Merkmalslisten modelliert sind. „Dabei sind einzelne gespeicherte Informationen jedoch zu komplexeren Strukturen verbunden: zu Schemata, Prototypen und Exempla. Schemata sind allgemeine Wissensstrukturen über Merkmalskonstellationen von Menschen, Dingen oder Ereignisabläufen. Sie bilden ein offenes, nach Wahrscheinlichkeit geordnetes Muster von Merkmalsalternativen.“[9] Rezipienten verfügen durch ihre Erziehung und die dadurch gewonnenen Wissensinhalte in einem bestimmten gesellschaftlichen Milieu über spezifische Schemata von bestimmten Gruppen von Menschen (Großmutter, Pirat, Barkeeper usw.). Laut Jens Eder stellt ein Prototyp den Standardfall eines Schemas dar. Das bedeutet, er trägt die individuell zugeordnete Konstellation von Merkmalen von bestimmten Menschen, Situationen oder Gruppen.[10] Mit diesen Prototypen können Rezipienten subjektiv Erfahrungen verbinden und sie verstehen auch, was gemeint ist, weil alle aus derselben Quelle, nämlich dem kulturellen Gedächtnis schöpfen.

    Welche Judenfeindliche Stereotype und Vorurteile gibt es?

    „Entsprechende Typisierungen sind in hohem Maße funktional, denn sie rufen bei Rezipienten schnell einschlägige Wissensbestände ab, was den vom Text erforderten Charakterisierungsaufwand reduziert. Die Typisierung einer Figur kann sich u. a. dem Genre oder auch unserem Alltag (oder zumindest unserer Welt) entnommenen Kategorisierungen verdanken. Sehr geläufige Fälle einer vom Genre abhängigen Typisierung finden sich etwa in Detektivromanen, in denen sich Kriminelle und Ermittler gegenüberstehen, oder in der Liebesgeschichte, in der die Liebenden trotz allerlei Verwicklungen schließlich zueinanderfinden. Figurenkonzeptionen können sich auch alltagsweltlichen Stereotypisierungen verdanken und beispielsweise Rollenstereotype (die Hausfrau, die Femme fatale, der zerstreute Professor) oder kulturelle, gesellschaftliche
    oder gender-bezogene Stereotype (die Arbeitslose, der Macho) reproduzieren.“ [11]
    Im Rahmen des Antisjudaimus gibt es konkrete stereotypische Eigenschaften, die sich auf jüdische Frauen und Männer erstrecken, es gibt aber auch allgemein für beide Geschlechter gültige Stereotype. So gelten Juden allgemein als starrsinnig, vor allem in ihren Glaubensansichten. Unter anderem waren Juden heimliche Verschwörer, Ritualmörder, Brunnenvergifter, Ausbeuter, Wucherer, Parasiten, Weltbeherrscher – viele dieser typisierenden und schemahaften Bilder finden sich immer noch tradiert in der Literatur, in der Kunst, in Filmen und Serien wieder. Tatsächlich auch im Alltagsjargon, sind dieser negativen Stereotype sogar in Sprichwörter und den bekannten Sprachgebrauch übergesiedelt. Doch zurück zu den historischen Ereignissen.

    Neuartige Gewaltausschreitungen gegen Juden durch die mittelalterlichen Kreuzzüge

    Papst Urban II. beschuldigte in seiner Kreuzzugsrede von 1095 die Moslems Christen abgeschlachtet zu haben und rief zu den Waffen.[12] Der bekannte Ausruf „Gott will es!“ war für viele neben der angebotenen Vergebung der Sünden und ewiges Leben eine Attraktion und Motivation genug, sich der allgemeinen Verteufelung der Juden anzuschließen und gegen sie vorzugehen.[13] Übrigens wurde Papst Urban II. 1881 in den Kanon der Seligen aufgenommen bzw. er wurde heiliggesprochen.[14] Neben dem bewaffneten Kreuzfahrerheer begaben sich auch riesige Volkshorden auf den Weg, bestehend aus Bauern und Verbrechern, die sich das Geld für die Teilnahme am Kreuzzug nicht leisten konnten. In diesem Zusammenhang entstanden die sogenannten Pogrome als gewalttätige Ausschreitungen gegen die jüdische Minderheit, die bis zu dem damaligen Zeitpunkt in ihrer Form noch nicht aufgetreten waren. Die Kreuzzugshorden fielen über die jüdischen Gemeinden der Städte her, wobei die Feinde Gottes im eigenen Land bekämpft werden sollten (wenn schon nicht die Möglichkeit bestand, ins Heilige Land zu ziehen). Auch wollten Einzelne das erbeutete Vermögen der Juden für die Teilnahme am Kreuzzug nutzen, um sich dann die Teilnahme erkaufen zu können. Insgesamt sollen beim Ersten Kreuzzug im heutigen Deutschland etwa 12.000 Juden bei den Pogromen umgekommen sein, darunter Männer, Frauen und Kinder. Auch bei den folgenden Kreuzzügen kam es zu Gewaltausschreitungen. Die weltliche Obrigkeit stellte die Juden unter ihren persönlichen Schutz und erließ diverse Bestimmungen, die diese allerdings nicht vor Übergriffen bewahrten.

    Die Juden betreffende Beschlüsse des IV. Laterankonzil von 1215

    Mit etwa 1.300 Teilnehmern war das durch Papst Innozenz III. einberufene Vierte Laterankonzil von 1215 das größte Konzil der Christenheit. Von den 71 Beschlüssen betrafen vier direkt die Juden. Im 67. Dekret wird den Juden verboten, Wucherzinsen von Christen zu verlangen und sie sollten den sogenannten Kirchenzehnten vom Landbesitz zurückerstatten. In den Quellen finden sich nachweislich keine Belege über Wucherzinsen seitens der Juden. Das bereits bestehende Vorurteil des geldgierigen, geizigen Juden findet also in diesem Dekret seine Entsprechung und verfestigte sich weiter.

    Das 68. Dekret betraf die äußere Kennzeichnung der Juden zur Unterscheidung von Christen durch spezielle Kleidung. Aufgrund des alltäglichen Kontakts in verschiedenen Bereichen ergaben sich intime Kontakte aus denen Nachkommen hervorgingen. Das Dekret sollte daher sexuelle Beziehungen zwischen Christen und Juden unterbinden. Auch wurden hier die Unterschiede der religiösen Traditionen deutlich. Ostern war für die Christen im Mittelalter der höchste Feiertag. Mit einer siebenwöchigen Fastenzeit gingen Passionsspiele einher (sie sind auch heute noch vielerorts üblich und traditionell) und viele Menschen trugen Trauerkleidung. In die Zeit von März bis April fiel aber auch das Passah-Fest der Juden, an dem der jüdische Auszug aus der ägyptischen Sklaverei durch Gottes Hilfe gefeiert wurde. Im Zuge dieser Feierlichkeiten wurde ein ungesäuertes Brot zubereitet und traditionell ein Opferlamm geschlachtet. Das Lamm steht in der christlichen Abendmahlsliturgie für die Verkörperung Jesus Christus, der die Schuld der Menschen durch seine Kreuzigung am Karfreitag auf sich nimmt. Die Feierlichkeiten der Juden mögen der kirchlichen Obrigkeit als blasphemische Handlung negativ aufgefallen sein, so dass im 68. Dekret die vermeintliche Verspottung des Christentums durch Juden verboten wurde.

    Das 69. Dekret untersagte den Juden die Ausführung von öffentlichen Ämtern. Dies unterstützte die Abdrängung in Berufe des Kreditwesens. Das 70. Dekret verbot getauften Juden eine Rückkehr in die alte Glaubensgemeinschaft. Dieser Beschluss war verbunden mit der Zwangstaufe, die viele Juden aufgrund des Kreuzfahrermottos ‘Tod oder Taufe’ über sich ergehen lassen mussten. Das nicht direkt die Juden betreffende 71. Kreuzzugsdekret forderte den Schuldenerlass gegenüber allen Kreuzfahrern für die Dauer des Kreuzzuges.

    Auf dem Vierten Laterankonzil wurde erstmals das Dogma der Transsubstantiation schriftlich fixiert. Es beschreibt die Wandlung von Brot und Wein bei der heiligen Messe in die Realpräsenz des Leibes und Blutes Jesus Christus. Die eucharistischen Streitigkeiten setzten bereits im 9. Jahrhundert ein. Die im Dogma der Transsubstantiation inhärente Wesenswandlung war für viele Christen schwer greifbar, was zu Glaubenszweifeln führte. Hier kommen judenfeindliche Stereotype ins Spiel, die sich die Kirche im Sinne einer Instrumentalisierung für ihren Glauben zunutze machen konnte, also den Glauben der Laien festigen, allerdings auf Kosten der jüdischen Bevölkerung.

    Der Schuldvorwurf des Gottesmordes und die Ritualmordlegende

    Seit dem 2. Jahrhundert war der Schuldvorwurf des Gottesmordes ein Stereotyp der Judenfeindlichkeit, der im Mittelalter als Rechtfertigung zur Diskriminierung der jüdischen Minderheit eingesetzt wurde. Es geht dabei um eine angeblich unaufhebbare Kollektivschuld der Juden an der Kreuzigung Jesus Christus. Dies wurde auch in der Ritualmordlegende aufgerufen, die meist nach dem folgenden Strukturschema narrativ in Szene gesetzt wurde: Bei einem vermeintlichen Ritualmord entführen Juden meist um die Osterzeit ein Christenkind und ermorden es aus Christenhass oder Hass gegen Jesus Christus in ritueller Form: Sie matern das Kind, indem sie an ihm die Passion Christi nachstellen und ihm Blut entnehmen. Dieses verarbeiten sie in dem zum Passah-Fest zubereiteten Brot, um sich von ihrer Kollektivschuld am Mord Christus zu reinigen. Es vermischen sich hier der archaische Glaube von Blut als Heilmittel, christliche Elemente sowie Halbwissen über jüdische Traditionen.

    Der erste Fall eines angeblichen Ritualmordes stammte aus Norwich in England im Jahre 1144. Ein Junge namens William wurde angeblich von Juden aus der bereits genannten Motivation entführt und gemartert. Beweise für ein tatsächliches Verbrechen gab es nicht. Um 1150 verfasste der Benediktinermönch Thomas von Monmouth eine Hagiographie über den angeblich von den Juden getöteten Jungen: Diese ermordeten den Jungen durch blasphemische Marter und ließen den Leichnam verschwinden. Doch die Tat blieb nicht geheim, denn es ereigneten sich am Grab Williams Lichtzeichen und Wunder. Die Juden wurden so als Täter überführt und mit dem Tod bestraft. Der Entstehung dieser Ritualmordlegende lagen materielle Motive zugrunde. Der neue Heilige der Kirche, William, sorgte für die Entstehung eines Pilgerortes und damit auch für eine neue Einnahmequelle. Diese Methode übernahmen auch andere Kirchen, so dass es sich bei dem Verfassen einer ausgeschmückten Heiligenvita nicht um einen Einzelfall handelte. Auch schuf Thomas von Monmouth einen Präzedenzfall, der sich in Westeuropa verbreitete und dafür sorgte, dass beim Verschwinden von Christenkindern oder deren unerklärlichen Tod die Juden verantwortlich gemacht wurden. Dabei steht fest: Einen von Juden verübten Ritualmord hat es nie gegeben. Doch hatte die Kirche ein Interesse an der Verbreitung dieser Erzählungen. „Gerade Prediger der Bettelorden, vor allem Dominikaner, verbreiteten die Fabel vom Ritualmord ganz gezielt im Volk und verbanden in ihrer Propaganda den Haß gegen das Judentum mit der Blutmystik, die im Volksglauben weit verbreitet war. Hier kommt dem Blutzapfen eine wichtige Aufgabe zu. Auch die Transsubstantiationslehre wurde von den Dominikanern in besonderem Maße gepflegt.“[15]

    In Deutschland wurde der erste Fall einer Ritualmordlegende in Fulda im Jahre 1235 aufgezeichnet. Die Tat und die darauffolgende Beschuldigung führten zur Ermordung von über 30 Juden. Der angebliche Ritualmord beschäftigte auch Kaiser Friedrich II., der zur Aufklärung sogar ein Hofgerichtsverfahren abhielt. Zu diesem Zweck ließ er eine Expertenkommission bestehend aus getauften Juden zusammenkommen, die seiner Ansicht nach aufgrund ihres Wechsels zum Christentum keine Geheimnisse des Judentums zurückhalten würden. Es wurde der offenkundige Widerspruch festgestellt, dass den Juden die Befleckung mit Blut, Tier- wie auch Menschenblut, laut Bibel und Talmud untersagt war, sie also derartige Taten gar nicht mit ihrem Glauben in Einklang bringen konnten. Kaiser Friedrich II. sprach in seinem Urteil die beschuldigten Juden von Fulda von allen Anklagen des Ritualmords frei sowie auch alle Juden im gesamten römischen Reich.[16]

    Hostienschändung als Rechtfertigung für weitere Gewalt gegen Juden

    Die Hostienfrevellegende kann als Erweiterung der Ritualmordlegende angesehen werden.  Das sogenannte Hostienwunder wurde verbreitet, um den Glauben der Christen an die Wesensverwandlung zu stärken oder um Christen zu strafen, die geweihte Hostien aus Kirchen entwendeten.[17] Im Mittelalter entstand ein mitunter durch die Kirche selbst forcierter Hostienkult. Hostien wurden bei Prozessionen unter anderem zur Abwehr von Naturkatastrophen oder Kriegsgefahr mitgeführt. Auch in der Bevölkerung wurden sie für profane Dinge wie Reichtum, Gesundheit oder Liebe genutzt. Bald nahmen Diebstähle aus Kirchen Überhand und die Kirche sanktioniert diese Handlungen mit schweren Strafen wie Exkommunikation oder Tod. In der judenfreien Version des Hostienwunders waren es ruchlose Christen, Ketzer und Diebe, die eine Hostie stahlen und dann dem Hostienwunder durch die Verwandlung in Fleisch oder das Christuskind beiwohnten. Durch das Wunder sollten die Diebe und Ketzer zum rechten, christlichen Glauben zurückfinden.[18]

    Die erste judenfeindliche Version der Hostienfrevellegende stammt aus Paris 1290. Schon die Überlieferungen weichen in vielen Versionen voneinander ab, enthalten im Kern jedoch dieselben Elemente: Ein Jude schändet eine Hostie, worauf sich diese dann in Fleisch verwandelt oder anfängt zu bluten. Der Jude konvertiert aufgrund dieses Wunders entweder zum Christentum oder er bleibt in seiner religiösen Tradition verhaftet und erhält die Todesstrafe. Ist es vorher der Ketzer oder christliche Dieb, der bekehrt oder belehrt werden sollt, sind es nun die ungläubigen Juden, die durch das Wunder der Transsubstantiation den Glauben wechselten.[19] Der Grundgedanke der judenfreien wie auch der judenfeindlichen Hostienfrevellegende lag in der Bekehrung der ruchlosen Christen und Ketzer, denen auch das schwer vorstellbare Dogma der Transsubstantiation nähergebracht werden sollten.

    Ein anschauliches Beispiel für judenfeindliche Stereotype und Vorurteile im zeitgenössischen Gedankengut, welches im 13. Jahrhundert im heutigen Deutschland besonders im niederen Klerus und unteren Bildungsschichten kursierte, sind die um 1300 verfassten Denkwürdigen Geschichten des Dominikanerpriors Rudolf von Schlettstadt. Von den insgesamt 56 Erzählungen kommen in 20 auch Juden vor, wobei hier sämtliche Vorurteile gegen Juden vorhanden sind.[20] Dem Dominikanerorden oblag die Verbreitung der Transsubstantiationslehre und auch das Bekehren der Ungläubigen durch Predigen. Die Erzählungen Schlettstadts sind in einem volkssprachlichen Latein verfasst, das auf ein wenig gebildetes Publikum abzielt und moralisierend das dominikanische Gedankengut transportieren sollte. Schlettstadt selbst war überzeugt davon, dass die Juden Christen für Blut töten, weiß allerdings auch nicht, wofür genau. Das zeigt, dass Schlettstadt, den man auch als eher laienhaften Prediger bezeichnen kann, nur oberflächliches Wissen über jüdische Bräuche und Religion besaß, dass er ungeprüft weitergab. Er ist damit Repräsentant für den Teil der laienhaften Bevölkerung, der den tradierten Lügen über Juden Glauben geschenkt hat.[21]

    Der Name Rintfleisch geht auf den Namen des Anführers zurück, wobei dieser laut Quellen wahrscheinlich sogar als Metzger tätig war.[22] Als eine Art Kreuzzugswanderprediger scharte er Landleute und Bauern um sich. Die Judenschläger begannen in Röttingen und drangen in 130 andere Städte, vor allem in Franken, ein und ermordeten Juden. Als Rechtfertigung dienten ihnen dabei angebliche Beweise zur Hostienschändung, die seltsamerweise erst nach der Ermordung der Juden in deren Häusern gefunden wurden.[23] Inwiefern die Obrigkeiten die Rintfleischhorden stillschweigend gewähren ließen oder sich ihnen entgegenstellten ist unterschiedlich überliefert. Christen, die sich dem Mob entgegenstellten, wurden ebenfalls Opfer. Insgesamt fielen den Judenschlägern etwa 5.000 Juden zum Opfer. Die Quellenlage zum Verbleib Rintfleischs ist undurchsichtig. König Albrecht I. ließ den Aufrührer vielleicht verbannen, wobei es auch Quellen gibt, die eine Festnahme oder Tod durch Erhängen erwähnen. Auch eine Strafzahlung von den die Judenmorde betreffenden Städten an den König wird erwähnt.

    Judenfeindliche Stereotype und Vorurteile in der Literatur

    Sebastian Brant – Das Narrenschiff (1494)

    Wie erwähnt halten sich die Vorurteile gegen Juden und entsprechende Stereotype im kulturellen Gedächtnis und verfestigen sich noch durch Verschriftlichung. Sie verändern sich also mit der Zeit kaum, werden dem zeitgenössischen Kontext angepasst. Und weil Sebastian Brant in seinem Narrenschiff von 1494 wirklich niemanden diskriminiert, Männer, Frauen, Kinder, Esel, Narren, Gelehrte, Geistliche, Handwerker, Eltern und sowieso jeden Menschen in seine Narrenparade aufgenommen hat, darf natürlich auch eine Erwähnung des Juden mit seinen stereotypischen Attributen nicht fehlen: wucher vnd furkouff[24] heißt das Kapitel und wird eingeleitet mit folgendem Merkspruch:

    Die wůcherer füren wild gewärb
    Den armen synt sie ruch / vnd härb
    Nitt achtens / das all weltt verdärb[25]

    Das Narrenschiff von 1494 von dem Juristen und Verleger Sebastian Brant ist für seine spiegelbildliche Metaphorik und sprichwörtliche Alltagstauglichkeit weltbekannt. Zur Mahnung, Erkenntnis und Reflexion - das Narrenschiff ist voller Narren - kein Mensch kann sich entrinnen!

    Bild: Sebastian Brant: Das Narrenschiff. Verleger Johann Bergmann von Olpe. Basel 1494. Signatur Ink.394.4 SLUB Dresden, S. 254. Online unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-db-id3095394715 (zuletzt aufgerufen am 09-06-2024).

    Neuhochdeutsche Übersetzung

    Die Wuchrer treiben wild widerrechtlich Gewerbe,
    Den Armen sind sie rauh und herbe,
    Ohn Mitleid, ob die Welt verderbe.

    Man findet das Narrenschiff leicht im Internet, etwa bei Zeno und es gibt auch das Portal Narragonien digital.

    Dem solt man griffen zů der huben
    Vnd jm die zäcken wol ab kluben
    Vnd ruppfen die fluckfäder vß
    Der hynder sich koufft jnn syn huß
    Alls wyn / vnd korn jm gantzen land
    Vnd vörchtet weder sünd noch schand
    Do mit eyn arm man nützet fynd
    Vnd hungers sterb mit wib / vnd kynd
    Do durch so hat man yetz vil dür
    Vnd ist / dann värnyg / böser hür
    Nůn galt der wyn kum zehen pfundt
    In eym monat es dar zů kundt
    Das er yetz gyltet dryssig gern /
    Alls gschicht / mit weyssen / rocken / kern /
    Ich will vom übernütz nit schriben
    Den man mit zynß / vnd gült důt triben
    Mit lyhen / blätschkouff / vnd mit borgen
    Manchē eyn pfundt / gewynt eyn morgē
    Me dann es thůn eyn jor lang soltt
    Man lyhet eym yetz müntz vmb goltt /
    Für zehen schribt man eylff jnns bůch
    Gar lydlich wer der juden gesůch
    Aber sie mögen nit me bliben
    Die krysten juden / sie vertriben
    Mit juden spieß die selben rennen
    Ich kenn vil die ich nit will nennen
    Die triben doch wild kouffmanschatz
    Vnd schwygt dar zů all reht / vnd gsatz /
    Ir vil sich gen dem hagel neygen
    Die lachend / vff den ryffen zeygen
    Doch gschicht dar gegen ouch gar dick
    Das mancher henckt sich an eyn strick /
    Wer rich will syn / mit schad der gmeyn
    Der ist eyn narr / doch nit alleyn /
    Sebastian Brant: Das Narrenschiff, 93. 1-34.

    Neuhochdeutsche Übersetzung

    Dem soll man greifen an die Hauben
    Und ihm die Zecken wohl abklauben
    Und rupfen die Schwungfedern aus,
    Wer kauft auf Vorrat in sein Haus
    So Wein wie Korn im ganzen Land
    Und fürchtet weder Sünd noch Schand,
    Damit ein armer Mann nichts finde
    Und Hungers sterb‘ mit Weib und Kinde.
    Drum ist es jetzo auch so teuer,
    Viel schlimmer als früher ist es heuer;
    Für Wein man kaum zehn Pfund jüngst nahm,
    In einem Monat es dahin kam,
    Daß man jetzt dreißig zahlet gern
    Gleichwie für Weizen, Roggen, Kern
    Vom Wucherzins will ich nichts schreiben,
    Den sie mit Geld und Gült
    Mit Leihen, Ramschkauf und mit Borgen.
    Manchem gewinnt an einem Morgen
    Ein Pfund mehr, als im Jahr es sollt.
    Man leiht jetzt Münze 
    Für Zehn schreibt man dann Elf ins Buch.
    Der Juden Zins war leidlich genug,
    Aber sie können nicht mehr bleiben [Ende des 15. und Anfang des 16. Jh. kam es in vielen Städten zur Austreibung der Juden]
    Die Christenjuden sie vertreiben,
    Die mit dem Judenspieß selbst rennen.
    Ich kenne viel und könnt sie nennen,
    Die treiben Handel wild und schlecht [wild kouffmanschatz, d. h. widerrechtlichen Handel]
    Und dazu schweigt Gesetz und Recht.
    Gar viele sich dem Hagel neigen [Hagel wird mit Freuden begrüßt, weil dadurch die Getreidepreise steigen; ebenso den Frostreif, weil der Wein teuer wird]
    Die lachend auf den Reif hinzeigen.
    Doch oft dann das Geschick es lenkt,
    Daß mancher sich am Strick erhängt;
    Wer, andern schadend, reich will sein,
    Der ist ein Narr – doch nicht allein.

    William Shakespeare – Der Kaufmann von Venedig (1600)

    Berühmt ist wohl die Darstellung von Juden in Shakespeares Kaufmann von Venedig (The Merchant of Venice), das als Komödie mit tragischen und dramatischen Elementen um 1596 bis 1598 verfasst und 1600 erstmals in London aufgeführt wurde. Antonio ist der Kaufmann von Venedig, nach ihm ist das Stück benannt. Er leiht sich Geld von seinem Freund Bassanio, indem er einen Vertrag mit Shylock, dem jüdischen Geldverleiher abschließt. Shylock verlangt ein Pfund seines eigenen Fleisches als Sicherheit für das Darlehen. Shylock hat mit Jessica eine Tochter, die zuletzt mit dem Christen Lorenzo durchbrennt. Es gibt noch die reiche Erbin Portia, die zur Brautwerbung ein Lotteriesystem eingerichtet hat und Bewerber um ihre Hand konkurrieren lässt. Da Antonio das Geld an Shylock nicht zurückzahlen kann, kommt es zum Gerichtsverfahren, in welchem Portia sich als Anwalt verkleidet und für Antonio argumentiert. Shylock dürfe kein Blut vergießen, wenn er das Pfund Fleisch annimmt. Letztlich verliert Shylock der Fall, verliert einen großen Anteil seines Vermögens und wird zudem noch gezwungen zum Christentum zu konvertieren. Letztlich geht es also um die Einverleibung des Fremden, das hier durch die jüdischen Figuren gekennzeichnet ist. Jessica, Shylocks Tochter, entfleucht immerhin auch mit einem christlichen Mann. Dazu nun ein beispielhafter Auszug, den interessanterweise auch Walter Scott in Ivanhoe als pointiertes Zitat als Einleitung für ein Kapitel nutzt, in dem er seine jüdischen Figuren einführt.

    Paula Wojcik, die sich mit der Produktion von antisemitischen Stereotypischen und einem dekonstruierenden Umgang mit diesen auseinandergesetzt hat, fasst zusammen:

    „Shakespeares Shylock gehört zu den umstrittenen jüdischen Figuren der Literatur. Als skrupelloser Wucherer, der auf seinem Recht besteht, das grausame Pfand – ein Pfund Fleisch vom Körper seines Schuldigers – abzufordern, und in diesem ethisch fragwürdigen Ansinnen von der eigenen Tochter hintergangen wird, ist er bis heute eine vielzitierte Figur, die zahlreiche antisemitische Klischees in sich vereint: Er ist gierig, skrupellos, verstockt und für den Christen gefährlich. Zugleich ist er auch immer wieder als Gallionsfigur des Judentums ausgerufen worden: Im Gegensatz zu der philosemitisch gedeuteten, assimilierten Figur von Lessings Nathan steht er zu und besteht auf seiner jüdischen Identität.“[26]

    Beispieldialog aus Der Kaufmann von Venedig

    Dazu gleich mehr nach diesem Dialog zwischen Shylock und Salarino, der ein guter Freund von Antonio und Bassanio ist.

    Shylock: Da hab ich einen andern schlimmen Handel: ein Bankerottierer, ein Verschwender, der sich kaum auf dem Rialto darf blicken lassen; ein Bettler, der so schmuck auf den Markt zu kommen pflegte! Er sehe sich vor mit seinem Schein! Er hat mich immer Wucherer genannt – er sehe sich vor mit seinem Schein! – er verlieh immer Geld aus christlicher Liebe, – er sehe sich vor mit seinem Schein!
    Salarino. Nun, ich bin sicher, wenn er verfällt, so wirst du sein Fleisch nicht nehmen: wozu wär es gut?
    Shylock. Fische mit zu ködern. Sättigt es sonst niemanden, so sättigt es doch meine Rache. Er hat mich beschimpft, mir ’ne halbe Million gehindert; meinen Verlust belacht, meinen Gewinn bespottet, mein Volk geschmäht, meinen Handel gekreuzt, meine Freunde verleitet, meine Feinde gehetzt. Und was hat er für Grund! Ich bin ein Jude. Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muß seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache. Die Bosheit, die ihr mich lehrt, die will ich ausüben, und es muß schlimm hergehen, oder ich will es meinen Meistern zuvortun. Ein Bedienter kommt.

    William Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig, III, 1, 38-65.

    Walter Scott – Ivanhoe (1819)

    Exemplarisch habe ich mich mit dem Stereotyp der jüdischen Frau bereits in einer Auseinandersetzung mit Ivanhoe von Walter Scott beschäftigt. Scotts Werk erschien 1819 und ist insofern im Rahmen dieser Thematik besonders interessant, weil nämlich Vater und Tochter das gesamte Spektrum für judenfeindliche Stereotype und Vorurteile abdecken. Die Juden kommen bei Scott nicht allzu gut weg, wie folgende Textpassage zeigt:

    „Die Könige der Normannen und die unabhängigen Adeligen, die ihrem Beispiel in jedem Akt der Tyrannei folgten, wandten gegen dieses hingebungsvolle Volk eine Art der Verfolgung an, die regelmäßiger, eigennütziger und berechneter war als gewöhnlich. Die Geschichte erzählt von König John, dass er einen reichen Juden in einem seiner Königschlösser gefangen hielt und ihm täglich einen Zahn ausziehen ließ bis der unglückliche Israelit endlich, als seine Kiefer fast zahnlos waren, einwilligte eine große Summe zu zahlen, die der Tyrann von ihm erpressen wollte. Das wenige Bargeld, das im Land kursierte, war größtenteils im Besitz dieses verfolgten Volkes, und der Adel trug keine Bedenken, dem Beispiel seines Herrschers zu folgen und es ihnen durch jede Art des Drucks, ja sogar durch Anwendung der Folter zu entreißen. Doch der passive Mut, den die Gewinnsucht bei den Juden hervorrief, versetzte sie in die Lage, die der großen Profite zu trotzen, die sie in einem von Natur aus so reichen Land wie England zu erzielen vermochten. Ungeachtet jeder Art der Entmutigung und des bereits erwähnten Steueramtes, das einzig den Zwecke hatte, sie zu plündern und ins Elend zu stürzen, vermochten die Juden ungeheure Summen zu sammeln und zu vermehren, die sie durch Wechsel untereinander in Umlauf zu setzen wussten. Diese Erfindung, die der Handel, wie man sagt, ihnen verdankt, versetzte sie in die Lage, ihr Vermögen von einem Ort zum andern zu überweisen, wenn sie sin einem and mit Verfolgung bedroht wurden und ihr Besitz in einem anderen sicher war.
    Da die Hartnäckigkeit und der Geit der Juden so gewissermaßen dem Fanatismus und der Tyrannei ihrer Peiniger entgegengesetzt waren, schienen sie im Verhältnis zu der Verfolgung zuzunehmen, der sie unterworfen waren, und der ungeheure Reichtum, den sie sich im Handel erwarben, brachte sie zwar häufig in Gefahr, wurde aber zu anderen Zeiten dazu eingesetzt, ihren Einfluss auszudehnen und ein gewisses Maß an Schutz zu sichern Unter solchen Verhältnissen waren sie wachsam, argwöhnisch, und furchtsam geworden, aber gleichzeitig auch hartnäckig, unbeugsam und sehr geschickt daran, den Gefahren aus dem Weg zu gehen, die sie bedrohten.[27]

    Merkmale von Scotts jüdischen Figuren

    Das ist jetzt ein längerer Abschnitt geworden, aber er beinhaltet enorm viele zeitgenössische Vorurteile, die über den Autor, also Walter Scott, in den Text eingeflossen sind und darüber hinaus außerdem im kulturellen Gedächtnis tradiert worden sein müssen.

    Das beginnt schon bei den Namen, heißen die Figuren recht biblisch Isaac und Rebecca, wobei Isaac auch noch Wucherer ist, also Geldverleiher und damit prädestiniert für den Stereotyp des geizigen Juden, der gut rechnen kann und sich nur in die eigene Tasche wirtschaften will. Seine verführerische Tochter Rebecca ist überaus schön, doch starrsinnig bezüglich ihres Glaubens, kennt sich zudem noch mit der Heilkunst aus und hält die Traditionen des Landes in Ehren und ist auch an ihrer Kleidung als fremd gekennzeichnet. So muss Isaac einen hohen gelben viereckigen Hut tragen, damit man seinesgleichen von den Christen unterscheiden kann.[28] An Rebecca zeigen sich die bei Isaac offenkundig an seinem Verhalten und seinen Reden dargestellten stereotypischen Eigenschaften indirekt. Sie trägt auf einem Turnier einen „Turban aus gelber Seide“ an dem eine „Straußenfeder“ an einer „mit Brillanten besetzten Agraffe“ befestigt ist. und allgemein „orientalische Kleidung“[29] Um den Hals trägt sie ein sehr wertvolles „Diamanthalsband“ – ein Zeichen des dem Juden zugeschriebenen Reichtums sowie in direkt dem Geiz – und ihr Kleid wird von „goldenen mit Perlen besetzten Haken“[30] zusammengehalten. An den jüfischen Figuren in Scotts Werk sind also sämtliche jJudenfeindliche Stereotype und Vorurteile enthalten, die dem Autor geläufig waren und die dieser auf Basis seines eigenen Wissens hat in die Darstellung einfließen lassen.

    Heinrich Mann – Der Untertan (1918)

    Und auch Heinrich Manns Der Untertan, der zunächst ab 1914 in Auszügen in der Zeitschrift Simplicissimus veröffentlicht wurde und letztlich dann 1918 herausgegeben, stellt im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaftskritik die antisemitischen Tendenzen der Zeit wieder. Natürlich sind auch hier judenfeindliche Stereotype und Vorurteile vorhanden. Herr von Barnim ist eine Nebenfigur in Manns Roman, die dazu dient, bestimmte Aspekte der Gesellschaft und insbesondere die Beziehungen zwischen den verschiedenen sozialen Schichten im Kaiserreich zu beleuchten.

    Dazu gehört auch die Darstellung zeitgenössischer antisemitischer Strömungen, die als Judenfeindliche Stereotype und Vorurteile im Werk vorhanden sind:

    „In seiner kalten, altmodischen Junggesellenwohnung hielt Herr von Barnim ihm ein Privatissimum. Sein politisches Ziel war eine ständische Volksvertretung, wie im glücklichen Mittelalter: Ritter, Geistliche, Gewerbetreibende, Handwerker. Das Handwerk mußte, der Kaiser hatte es mit Recht gefordert, wieder auf die Höhe kommen, wie vor dem Dreißigjährigen Krieg. Die Innungen hatten Gottesfurcht und Sittlichkeit zu pflegen. Diederich äußerte sein wärmstes Einverständnis. Es entsprach seinen Trieben, als eingetragenes Mitglied eines Standes, einer Berufsklasse, nicht persönlich, sondern korporativ im Leben Fuß zu fassen. Er sah sich schon als Abgeordneter der Papierbranche. Die jüdischen Mitbürger freilich schloß Herr von Barnim von seiner Ordnung der Dinge aus; waren sie doch das Prinzip der Unordnung und Auflösung, des Durcheinanderwerfens, der Respektlosigkeit: das Prinzip des Bösen selbst. Sein frommes Gesicht zog sich zusammen vom Haß, und Diederich fühlte ihn mit.“[31]

    Heinrich Mann – ein luzider Schriftsteller

    Hellsichtig war Mann durchaus, lässt er dem Protagonisten Diederich Heßling aus einer Menschenmenge zuschreien: „Es kommt anders! Jetzt geht es gegen die Juden!“[32]

    In der Tat sollte sich diese Feststellung einige Jahre später bewahrheiten, nachdem die Vergasungsmethoden zunächst an den eigenen Landsleuten im Rahmen der Euthanasie getestet wurden – an Kranken und Behinderten. Diese Thematik fällt ineinander und wird auch schon von den Figuren in Manns Roman angesprochen. „Dagegen wollte er eine spartanische Zucht der Rasse. Blödsinnige und Sittlichkeitsverbrecher waren durch einen chirurgischen Eingriff an der Fortpflanzung zu verhindern.“[33]

    Ich habe vor, mich noch eingehender mit Der Untertan zu beschäftigen. Es ist ein Gruselkabinett bürgerlicher Scheinheiligkeit, ein Panoptikum gesellschaftlicher Absurdität, das allen Ernstes die zeitgenössische Wirklichkeit porträtiert und auf die Spitze treibt, damit auch der letzte Ungläubige genauer hinsehen kann. Doch zunächst bleiben wir im Rahmen dieses Themas.

    Es sind nur einige ausgewählte Beispiel, die aber doch schon die Bandbreite der zeitlichen Tradierung von antisemitischen Stereotypen aufzeigen. Ich bin sicher, es finden sich etliche weitere und jedem wird das ein oder andere selbst bekannt sein.

    Fazit

    Das Stereotyp des geizigen, geldgierigen und unbelehrbaren Juden sowie auch sein weibliches Pendant, die schöne, verführerische Jüdin, hält sich bis heute über die Jahrhunderte hinweg in der kulturellen Überlieferung. Die Inszenierung der Judenfeindlichkeit zu bestimmten Zeiten kann interessante Ergebnisse zu historischen, soziologischen, psychologischen und literarischen Forschungsfragen bezüglich der jeweiligen Umstände und Gesellschaftsgruppen liefern, wobei auch interkulturelle Aspekte mit einbezogen werden sollten.

    Eckdaten judenfeindliche Stereotype und Vorurteile zusammengefasst

    Christen und Juden im Mittelalter

    • Aufrufe zum Kreuzzug als Anstoß für Ausschreitungen gegen Juden im eigenen Land
    • Pogrom: gewalttätige Aktion gegen Menschen, die einer Minderheit angehören
    • Viertes Laterankonzil 1215 durch Papst Innozenz III
    • 67. Canon: Zinsverbot, Wucherfrage
    • 68. Canon: Kleidung zur Abgrenzung
    • 69. Canon: Verbot Ausübung öffentlicher Ämter
    • 70. Canon: Getaufte Juden durfte nicht in die alte Glaubensgemeinschaft zurückkehren
    • Dogma der Transsubstantiation (lat. Wesenswandlung): Brot und Wein werden bei der heiligen Messe zu realem Leib und Blut Jesus Christus

    Ritualmordlegende

    • Motiv vom Juden als Christusmörder seit der Spätantike
    • Nach Antike erstmals 1144 Norwich, England – materielle Interessen
    • Motive: Blutmagie, Opfer ist unschuldiges Kind, Nachahmung Passion Jesus, Schuldbeweis der Juden durch Wunder
    • Erste Quelle in Deutschland: Fulda 1235 – etwa 32 Juden sterben
    • Gerichtsverfahren Friedrich II. mit Untersuchungsverfahren und Freispruch der beschuldigten Juden und aller Juden im römischen Reich.

    Hostienfrevellegende

    • Erweiterung der Ritualmordlegende: Hostie ersetzt Mensch
    • Hostie: in katholischer und teilweise auch evangelischer Tradition verwendetes geweihtes Brot
    • Hostienkult: Hostie wird für Abwendung von Schaden genutzt
      • Auch für profane Dinge (Reichtum, Gesundheit, Liebe …)
    • à Diebstähle von Hostien aus Kirchen durch Christen – Sakrileg, Beschuldigung von Juden
    • Materielles Motiv für Wunderhostien – Entstehung Wallfahrtsort für Einnahmen, Kirchenbau etc.
    • Hostienfrevel: Schändung der Hostie (mit Messer, Nägeln, Schere, kochendem Wasser usw.)

    Historiae memorabiles des Rudolf von Schlettstadt (franz. Sélestat, Elsaß)

    • Dominikanerprior
    • Aufzeichnung um 1300, 56 Geschichten, 20 behandeln Juden
    • Dominikanerorden seit 1216 anerkannt, besondere Nähe zur Abendmahlsproblematik, mit Ketzerinquisition beauftragt
    •  „Denkwürdige Geschichten“, Verbreitung Interessen des Dominikanerordens, antijüdische Tendenzen, Verbreitung Transsubstantiationslehre
    • Verfasst für ungebildetes und leichtgläubiges Publikum

    Rintfleischverfolgungen

    • 1298 im süddeutschen Raum – Franken, Beginn in Röttingen
    • 130 Ortschaften betroffen (Nürnberg, Würzburg u. a.), etwa 5000 Opfer
    • Anführer Rintfleisch, arme Landleute und Städter
    • Auslöser Berichte über Hostienschändungen
    • Rechtfertigung der Ermordung von Juden durch nachträgliches Finden von Beweisen
    • Obrigkeiten teilweise involviert, Hilfe durch Obrigkeiten wird auf Bestechung zurückgeführt

    Verwendete Literatur für judenfeindliche Stereotype und Vorurteile

    Quellen

    Mann, Heinrich: Der Untertan. Frankfurt am Main 1996.

    Scott, Walter: Ivanhoe. Historischer Roman. Herausgegeben und auf der Grundlage zeitgenössischer Übersetzungen neu bearbeitet von Günter Jürgensmeier. München 2009.

    Brant, Sebastian: Das Narrenschiff, Nach der Erstausgabe (Basel 1494) mit den Zusätzen der Ausgaben von 1495 und 1499 sowie den Holzschnitten der deutschen Originalausgaben. Herausgegeben von Manfred Lemmer. Vierte, erweiterte Auflage. Tübingen 2004 (Neudrucke deutscher Literaturwerke. Neue Folge 5).

    Shakespeare, William: Der Kaufmann von Venedig. In: William Shakespeare. Dramen. Nach der Schlegel-Tieck-Ausgabe letzter Hand herausgegeben von Dietrich Klose. Nachwort von Peter von Matt, S. 219-318.

    Sekundärliteratur

    Czermak, Gerhard: Christen gegen Juden. Geschichte einer Verfolgung. Von der Antike bis zum Holocaust, von 1945 bis heute, Hamburg 1997.

    Diestelkamp, Bernhard: Der Vorwurf des Ritualmords gegen Juden vor dem Hofgericht Kaiser Friedrichs II. im Jahr 1236, in: Simon, Dieter (Hg.): Religiöse Devianz. Untersuchungen zu sozialen, rechtlichen und theologischen Reaktionen auf religiöse Abweichungen im westlichen und östlichen Mittelalter (Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 48), Frankfurt am Main 1990, S. 19-39.

    Eder, Jens: Die Figur im Film. Grundlagen der Figurenanalyse. Marburg 2008, S. 89.

    Erb, Rainer: Die Ritualmordlegende: Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, in: Buttaroni, Susanna; Musial, Stanislaw (Hg.): Ritualmord. Legenden in der europäischen Geschichte, Wien [u. a.] 2003, S. 11-20.

    Grabmeyer, Johannes: Rudolf von Schlettstadt und das aschkenasische Judentum um 1300. In: Aschkenas, 4/2 (1994), S. 301-336, hier S. 307.

    Kindt, Tom und Köppe, Tilmann: Erzähltheorie. Eine Einführung. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. Stuttgart 2022.

    Lotter, Friedrich: Das Judenbild im volkstümlichen Erzählgut dominikanischer Exempelliteratur um 1300: Die „Historiae memoriabiles“ des Rudolf von Schlettstadt. In: Jenal, Georg (Hg.): Herrschaft, Kirche, Kultur. Beiträge zur Geschichte des Mittelalters (Monographien zur Geschichte des Mittelalters 37), Stuttgart 1993, S. 431-445.

    Lotter, Friedrich: Hostienfrevelvorwurf und Blutwunderfälschung bei den Judenverfolgungen von 1298 („Rintfleisch“) und 1336-1339 („Armleder“). In: Fälschungen im Mittelalter, Bd. 5: Fingierte Briefe. Frömmigkeit und Fälschung. Realienfälschung (MGH, Schriften 33), Hannover 1988, S. 533-583.

    Signori, Gabriela: Das 13. Jahrhundert. Einführung in die Geschichte des spätmittelalterlichen Europas, Stuttgart 2007.

    Six-Materna, Iris und Six, Bernd: Stereotype. Essay. In: Lexikon der Psychologie. Online unter: https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/stereotype/14836 (zuletzt abgerufen am 08.06.2024).

    Thomas, Alexander: Die Bedeutung von Vorurteil und Stereotyp im interkulturellen Handeln. In: interculture journal, 5/2 (2006), S. 3-20.

    Wojcik, Paula: Das Stereotyp als Metapher. Zur Demontage des Antisemitismus in der
    Gegenwartsliteratur. Bielefeld 2013.


    [1] Erb, Rainer: Die Ritualmordlegende: Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, in: Buttaroni, Susanna; Musial, Stanislaw (Hg.): Ritualmord. Legenden in der europäischen Geschichte, Wien [u. a.] 2003, S. 11-20, hier S. 11. [2] Six-Materna, Iris und Six, Bernd: Stereotype. Essay. In: Lexikon der Psychologie. Online unter: https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/stereotype/14836 (zuletzt abgerufen am 08.06.2024). [3] Eder, Jens: Die Figur im Film. Grundlagen der Figurenanalyse. Marburg 2008, S. 380. [4] Ebd. [5] Ebd. [6] Thomas, Alexander: Die Bedeutung von Vorurteil und Stereotyp im interkulturellen Handeln. In: interculture journal, 5/2 (2006), S. 3-20, hier S. 4. [7] Ebd., S. 4-6. [8] Eder: Die Figur im Film, S. 398. [9] Ebd., S. 89. [10] Ebd., S. 90. [11] Kindt, Tom/Köppe, Tilmann: Erzähltheorie. Eine Einführung. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. Stuttgart 2022, S. 106. [12] Czermak, Gerhard: Christen gegen Juden. Geschichte einer Verfolgung. Von der Antike bis zum Holocaust, von 1945 bis heute, Hamburg 1997, S. 58. [13] Ebd., S. 59. [14] Ebd., S. 61. [15] Grabmeyer, Johannes: Rudolf von Schlettstadt und das aschkenasische Judentum um 1300, in: Aschkenas, 4/2 (1994), S. 301-336, hier S. 307. [16] Diestelkamp, Bernhard: Der Vorwurf des Ritualmords gegen Juden vor dem Hofgericht Kaiser Friedrichs II. im Jahr 1236, in: Simon, Dieter (Hg.): Religiöse Devianz. Untersuchungen zu sozialen, rechtlichen und theologischen Reaktionen auf religiöse Abweichungen im westlichen und östlichen Mittelalter (Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 48), Frankfurt am Main 1990, S. 19-39, hier S. 22. [17] Erb, Rainer: Die Ritualmordlegende: Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, in: Buttaroni, Susanna; Musial, Stanislaw (Hg.): Ritualmord. Legenden in der europäischen Geschichte, Wien [u. a.] 2003, S. 11-20, hier S. 12. [18] Lotter, Friedrich: Das Judenbild im volkstümlichen Erzählgut dominikanischer Exempelliteratur um 1300: Die „Historiae memoriabiles“ des Rudolf von Schlettstadt, in: Jenal, Georg (Hg.): Herrschaft, Kirche, Kultur. Beiträge zur Geschichte des Mittelalters (Monographien zur Geschichte des Mittelalters 37), Stuttgart 1993, S. 431-445, hir S. 439-440. [19] Lotter, Friedrich: Hostienfrevelvorwurf und Blutwunderfälschung bei den Judenverfolgungen von 1298 („Rintfleisch“) und 1336-1339 („Armleder“), in: Fälschungen im Mittelalter, Bd. 5: Fingierte Briefe. Frömmigkeit und Fälschung. Realienfälschung (MGH, Schriften 33), Hannover 1988, S. 533-583, hier. S 536-537. [20] Signori, Gabriela: Das 13. Jahrhundert. Einführung in die Geschichte des spätmittelalterlichen Europas, Stuttgart 2007, S. 58-59. [21] Grabmeyer: Rudolf von Schlettstadt und das aschkenasische Judentum um 1300, S. 305. [22] Lotter: Hostienfrevelvorwurf und Blutwunderfälschung bei den Judenverfolgungen von 1298 („Rintfleisch“) und 1336-1339 („Armleder“), S. 555. [23] Ebd., S. 553. [24] Brant, Sebastian: Narrenschiff, Nach der Erstausgabe (Basel 1494) mit den Zusätzen der Ausgaben von 1495 und 1499 sowie den Holzschnitten der deutschen Originalausgaben. Herausgegeben von Manfred Lemmer. Vierte, erweiterte Auflage. Tübingen 2004 (Neudrucke deutscher Literaturwerke. Neue Folge 5), S. 245. [25] Ebd. [26] Wojcik, Paula: Das Stereotyp als Metapher. Zur Demontage des Antisemitismus in der Gegenwartsliteratur. Bielefeld 2013, S. 11. [27] Scott, Walter: Ivanhoe. Historischer Roman. Herausgegeben und auf der Grundlage zeitgenössischer Übersetzungen neu bearbeitet von Günter Jürgensmeier. München 2009, S. 80-81. [28] Ebd., S. 57. [29] Ebd., S. 97. [30] Ebd. [31] Mann, Heinrich: Der Untertan. Frankfurt am Main 1996, S. 56-57. [32] Ebd., S. 60. [33] Ebd., S. 385.

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