Schlagwort: Kolonialismus

Wer steht hinter Literarische Gedankenexperimente?

Hinter den literarischen Gedankenexperimenten stehe ich – eine Literaturwissenschaftlerin, die in Texten entdeckt, was andere übersehen.

Nach meinem Studium der Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt auf mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur fasziniert mich bis heute, wie Geschichten über Jahrhunderte hinweg wirken und uns prägen. Was als wissenschaftliche Neugier begann, ist zu einer Leidenschaft geworden: Ich erkenne Muster in unterschiedlichen Erzählungen, analysiere Figuren undsuche nach verborgenen Verbindungen – das sind meine Gedankenexperimente. Dabei interessiert mich nicht nur, was Autorinnen und Autoren geschrieben haben, sondern auch das, was zwischen den Zeilen steht und wie es mit unserer heutigen Welt in Resonanz tritt.

Derzeit arbeite ich an drei Projekten: einer Studie zur historischen Figurennarratologie in der frühneuzeitlichen Novellistik, einem medienhistorischen Vergleich zweier Widmungsbriefe sowie einem Beitrag zur Intermedialität auf Basis unveröffentlichter Quellen.
Mehr über meine Interessen gibt es unter Über mich.

  • Weser, Wal und Warenfetisch: Flanerie durch Zeitschichten Bremens

    Der Regen hat nachgelassen. Ein feuchter Schleier liegt über der Stadt, die Steine des Domplatzes glänzen wie poliert. Touristen haben sich unter die Arkaden des Rathauses geflüchtet, kleine Menscheninseln, die sich um die eigene Achse drehen, während Smartphones die Fassade des UNESCO-Welterbes einfangen. Ich stehe abseits, höre das Klappern von Absätzen auf nassem Pflaster, das…

  • Mohamed Amjahid: Alles nur Einzelfälle? Das System hinter der Polizeigewalt

    Auf das Buch von Mohamed Amjahid mit dem Titel Alles nur Einzelfälle bin ich durch eine Lesung aufmerksam geworden, bei der auch Asal Dardan mit Traumaland zugegen war. Die beiden Werke haben Berührungspunkte. Wo Amjahids Buch strukturellen Machtmissbrauch durch die Polizei als Institution mit seinen komplexen Auswirkungen sichtbar macht, weist Dardan auf Knotenpunkte der Gewalt…

  • Das Geschenk – Gaea Schoeters‘ Politsatire über 20.000 Elefanten in Berlin

    Gaea Schoeters‘ Roman Das Geschenk erschien 2025 und nimmt ein reales politisches Ereignis zum Anlass für ein kurioses Gedankenexperiment: Im April 2024 kündigte Botswanas Präsident Mokgweetsi Masisi 20.000 Elefanten als „Geschenk“ für Deutschland an. Es handelte sich dabei weder um schlechte PR noch um einen zu spät gezündeten Aprilscherz, sondern um Protest auf die Pläne…

  • Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger – vielstimmige Prosa mit Sogwirkung

    7. Dezember | Dorothee Elmiger hat mit Die Holländerinnen in diesem Jahr sowohl den Deutschen Buchpreis, den Bayerischen Buchpreis als auch den Schweizer Buchpreis gewonnen. Aus diesem Grund stelle ich das Werk auch im literarischen Adventskalender vor. Dabei liest sich das Buch nicht einfach so nebenbei. Es verlangt Aufmerksamkeit, belohnt jedoch mit einer dichten, vielstimmigen…

  • Kristine Bilkaus Halbinsel: Hammershøis Ästhetik der Klimakrise

    Kristine Bilkaus Roman Halbinsel, erschienen 2025, ist auf den ersten Blick eine Generationengeschichte mit Fokus auf die Mutter-Tochter-Beziehung an der Ostseeküste – doch scheint hinter der stimmungsvollen Fassade ein Abgrund zu lauern. Ähnlich den Gemälden des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi, dessen atmosphärische Präsenz den gesamten Roman durchzieht, ist das Entscheidende oft nicht sichtbar, aber dennoch übermächtig…

  • Emily Brontës Sturmhöhe: Heimsuchung, Gespenster, Vergebung

    Emily Brontës Sturmhöhe (Originaltitel: Wuthering Heights) ist so anders, als die Romane der Zeit. Wer Sturmhöhe in eine Reihe mit Jane Eyre von ihrer Schwester Charlotte oder mit Jane Austens Stolz und Vorurteil stellt, der wird enttäuscht. Rache, Wildheit, Kritik an der gesellschaftlichen Scheinheiligkeit und dem Verstecken hinter religiösen Traditionen und Gepflogenheiten, Heimsuchungen unterschiedlichster Natur,…

  • Buffy – Kulturelle Diskurse, Thanksgiving und Kolonialismus

    Was haben die Serie Buffy – im Bann der Dämonen, der französische Philosoph Michel Foucault, die Kolonialisierung Nordamerikas und Thanksgiving gemeinsam? Mehr als man auf den ersten Blick denken würde. Doch eines nach dem anderen. Bei Thanksgiving handelt es sich um einen traditionellen Feiertag in den Vereinigten Staaten und Kanada, der auf das Jahr 1621…

  • Ted Lasso – Fußball, Optimismus, aus Literatur lernen

    Als Ted Lasso seinen Spielern Bücher schenkt, wirkt das zunächst wie eine weitere Marotte dieses unerschütterlichen Optimisten. Doch die Szene ist mehr als ein Gag. Sie behauptet etwas Radikales: dass Literatur Menschen verändern kann – nicht abstrakt, sondern konkret. Nicht als Bildungsornament, sondern als Handlungsmotor. In einer Serie, die vom Profifußball handelt, wird ausgerechnet das…

  • Zitiert: Candide oder Der Optimismus – Voltaire

    Candide oder Der Optimismus von dem französischen Philosophen, Schriftsteller und Aufklärer Voltaire (1964 – 1778) wurde 1759 zunächst anonym veröffentlicht, wobei die Verfasserschaft nicht lange geheimblieb. Kurze Zeit darauf wanderte das Buch auf den Index der verbotenen Bücher der katholischen Kirche. Zum Einstieg ein Zitat, das sinnstiftend das gesamte Buch trägt, zudem noch in den…

  • Lene Albrecht bricht Tabus und erzählt von Scham und Identität

    Lene Albrecht erzählt in ihrem Roman Weiße Flecken von der Spurensuche nach den eigenen Vorfahren in einer postkolonialen Welt, die geprägt ist von latentem Rassismus, Vorurteilen, Kolonialismus und Kapitalismus und den damit verbundenen Geschichten vieler Menschen – auch der eigenen – dem Erinnern und dem Verdrängen und darüber hinaus mit Scham. Einer Emotion, die kollektiv,…