Literatur und Widersprüchlichkeiten?

Dieser Beitrag entstand 2019 in einer Vorlesung zur älteren deutschen Literatur während des Studiums der Germanistik.
Ich bin der Ansicht, dass Institutionen, die maßgeblich das sogenannte forschende Lehren bei ihren Lehrveranstaltungen anwenden, kein Recht haben, Studierende, deren Ideen sie im Rahmen des synergetischen Effekts übernehmen, auch noch zu diskriminieren, in irgendeiner Form fertigzumachen, anzuschreien, zu beleidigen und so zu tun, als seien sie von alleine auf die Beiträge gekommen, die nachher in ihrer Forschungsliteratur ihnen Anerkennung einbringen. Das gilt für Seminararbeiten und es gilt auch für Abschlussarbeiten und Dissertationen.

Widersprüche in der Literatur

Was ist eigentlich ein Widerspruch? Es handelt sich dabei um etwas, einen Fakt, Wissen, eine Tatsache, die aus sich heraus widersprüchlich, also unvereinbar ist. Jemand, der lebt, kann nicht gleichzeitig tot sein. Tatsächlich könnte über diese These breit diskutiert werden, immerhin gibt es Vampire, Zombies, Geister, Heimsuchungen durch Verflossene, Verstorbene und anderweitige psychische Ungeklärtheiten sowie die in Kunst, Literatur und allgemeiner mündlicher und schriftlicher Tradition erfolgte und meist zweckgebundene Erinnerung. Für die folgenden Überlegungen sollen derartig differenzierte Betrachtungen jedoch ersteinmal ausgelassen werden. Unvereinbar scheint auch die Tatsache eines Wechsels der menschlichen Hautfarbe ohne chemische Zusätze oder krankheitsbedingte Anlagen.

‘Kudrun’ und der ambivalente Siegfried

Doch in der ‘Kudrun’ wird genau das möglich. Dort wechselt der dunkelhäutige Siegfried von Mohrland die Farbe, oder besser gesagt, die Seite – und das nicht nur machtpolitisch. Er wird letzten Endes in die diplomatische Heiratspolitik der weiblichen Hauptfigur Kudrun eingebunden und darf die Schwester ihres Angetrauten Herwig ehelichen. Das muss ordentlich begossen werden! Aber nicht nur mit Bier, sondern auch mit Weihwasser. Vor Gott gereinigt erhält Siegfried von Mohrland dann eine helle Haut und der göttliche Segen überträgt christliches Leuchten auf seine Haare. Erst dann stellt er vernünftiges Heiratsmaterial dar. Ein Wechsel der Hautfarbe sollte aufgrund alteritärer, sich mit dem Fremden auseinandersetzenden Erzählstrategien nicht als Fehler, etwa durch Vergessen, abgetan werden. Hier wird mit der Taufhandlung einfach etwas allgemein Bekanntes ausgelassen. Dementsprechend handelt es sich um elliptisches Erzählen, das auf dem Prinzip der Alterität beruht.

Doch warum heißt Siegfried von Mohrland eigentlich Siegfried? Wer denkt bei diesem Namen nicht an das Nibelungenlied, den immens großen Hort, den finster-treuen Hagen (der in dem Gründungsvater der Heggelingen einen Greifen-tötenden Namensvetter besitzt) oder wenigstens an einen Drachen. Dem zeitgenössischen Publikum der ‘Kudrun’ dürfte der Name Siegfried geläufig gewesen sein. Eventuell konnten mit dem nibelungischen Siegfried verbundene Eigenschaften oder Funktionen auch mit der Figur des Siegfried von Mohrland verknüpft werden. Denn die Siegfrieds haben durchaus etwas gemeinsam:

Siegfried – Ein Name, wie viele Assoziationen?

Wie der Herrscher von Mohrland ist auch der Siegfried des ‘Nibelungenlieds’ ein starker Verbündeter, dessen Macht und Kampfkraft in einen Familienverband durch Aussicht auf Heirat integriert wird. Daher ergibt die zunächst unpassende Namensvergabe bei genauerer Betrachtung Sinn. Denn der dunkelhäutige Siegfried ist zwar Heide, aber auch höfisch: Er turniert ritterlich und schaut dabei recht prächtig aus. Der Siegfried aus dem ‘Nibelungenlied’ ist zwar nicht dunkelhäutig, aber er hat quasi eine „dunkle“ Vergangenheit, die sich als Widerspruch in seiner Jugendgeschichte manifestiert. So wird Siegfried im ‘Nibelungenlied’ auch als höfischer Ritter dargestellt, ordentlich am Hof aufgewachsen und entsprechend erzogen. Aber er ist auch der archaische Held, der in seiner Jugend den Drachen tötete, den Hort und das Schwert Balmung erlangte. Wie soll er das gemacht haben? Beim Reitunterricht ausgebüxt, in aller Eile das Pergament aus der Seidenstrumpfhose gerollt und die dëgen-to-go-Liste abgearbeitet? Wohl kaum.

Hybridisierung verschiedener Motive

Es handelt sich hier um unterschiedliche Motive verschiedener Traditionen sowie eine aus der Verschriftlichung hervorgegangen Hybridisierung. Siegfrieds Heldenjungend abseits des Hofs stammt aus den nordischen Traditionen, von denen bestimmte Erinnerungskerne im ‘Nibelungenlied’ wiederzufinden sind. Diese betreffen bei Siegfried unter anderem das Wissen um die Drachentötung, die Hornhaut, den Hort, das Schwert Balmung oder auch die Tarnkappe. Allerdings ist der archaische Held Siegfried als derber Rohling neben den minnedienenden Rittern der höfischen Romane um 1200 nicht mehr zeitgemäß. Seine Einführung als höfischer Prinz, der Kriemhild aufgrund ihrer Schönheit schon aus der Ferne liebt, ist daher ein Zugeständnis an zeitgenössische literarische Bedingungen. Unter anderem finden sich in der Minnebeziehung zwischen Siegfried und Kriemhild mit der Naturpoetik auch Elemente des Minnesangs wieder. Die Jugendgeschichte Siegfrieds ist daher ein Beispiel für Hybridisierung durch die höfischen Romane seiner Zeit wie etwa den Iwein oder Erec.

Siegfrieds heroische Jugend ist auch final bedingt. Alle in seiner Jugend erworbenen Requisiten werden im Hinblick auf sein Ende sowie den blutig-schwelenden Untergang benötigt. Das Schwert Balmung wird von Kriemhilds Hand geführt Hagens Tod sein, die fast perfekte Hornhaut wird für den Verrat benötigt, nur mit Hilfe der Tarnkappe kann Siegfried Brünhild unterwerfen, kann Brünhild sich betrogen fühlen und so weiter und so weiter. In diesem Sinne kann Siegfrieds Jugendgeschichte auch als paradigmatisch bezeichnet werden, da je nach Gebrauch ein Aspekt aktualisiert wird.

Mit Heldentum verknüpft

Siegfrieds Heldentum, das mit den heroischen Taten seiner archaischen Jugend verknüpft ist, steht metonymisch für Macht. Und neben der Macht, die ihn als Helden den Drachen besiegen und die Hornhaut erwerben ließ, hat er auch den sagenhaft großen Hort erworben, den niemals versiegenden Schatz der Nibelungen. Und auch jener Hort wird final benötigt, wird auch Requisit des Verrats. Dass der Hort nicht versiegen kann, und selbst nach dem Versenken im Rhein immer noch Reste der Reste vom Rest übrig sind, hängt mit seiner metonymischen Bedeutung als Machtprinzip zusammen. Den Hort hat Siegfried Kriemhild als Morgengabe vermacht. Und dennoch wird ihr der Hort einfach weggenommen sowie auch die immer noch auftauchenden Reste. Das ist Unrecht – interessiert jedoch keinen Mann. Wehren kann Kriemhild sich alleine nicht. Sie braucht einen Mann, den sie in Etzel findet, heiratet und ihre Rache vollstreckt, dies allerdings unter Aufbietung des eigenen Lebens.

Kriemhild – blutrünstiges Weib oder Rächerin im Recht?

Ganz unschuldig ist sie demnach am Blutbad nicht. In der ‘Klage’ wird die Schuld an der Katastrophe thematisiert, Kriemhild teilweise entlastet. Dazu trägt besonders ihre triuwe zu Siegfried bei, die hier ihre private Liebesbeziehung zum Toten andeutet. Der Begriff der triuwe steht im Nibelungenlied mitunter für die Vasallentreue, insbesondere die von Hagen, die dort allerdings auch widersprüchlich ausgelegt werden kann. Zunächst erscheint er dort als Siegfried-Mörder, später wird er Anführer und Trost der Nibelungen. Obwohl alle Handlungen Hagens auf den Untergang der Burgunden und sogar seinen eigenen ausgerichtet sind, wird er als Inbegriff der Vasallentreue angesehen. Seine Handlungen stehen nicht im Einklang mit der Bewertung durch den Erzähler. Eine lineare Stringenz bezüglich einer psychologischen Plausibilität ist nicht erkennbar, wobei dies auch eine eher moderne Interpretationsgrundlage wäre.

Es scheint, dass die positive Bewertung auf zwei stoffgeschichtlich getrennte Teile zurückzuführen ist, wie Siegfrieds Tod und den Burgundenuntergang, wobei die verschiedenen Wertungen aus jeweils einer Tradition stammen. Der ursprüngliche Burgundenuntergang enthält die verräterische Einladung durch Atli, der den Hort als Machtmittel erlangen will. Die positive Wertung Hagens hängt demnach mit den Burgunden als Opfer von Atlis Goldgier zusammen. Sie sind Opfer des Verrats und bewahren dennoch ihre Überlegenheit. Im ‘Nibelungenlied’ sind Siegfried und Kriemhild im ersten Teil Opfer und Hagen wird als Täter entsprechend negativ bewertet. Doch im zweiten Teil verschiebt sich die Wertung, es erfolgt eine Umkehr der Sympathien. Opfer sind an Etzels Hof die Burgunden und Hagen, wohingegen Kriemhild negativ bewertet wird. Dabei bleibt Hagen der Mörder von Held Siegfried und Kriemhild bleibt die Liebende des Drachentöters. Die unvereinbaren Wertungen sind dementsprechend auf die zwei stoffgeschichtlich getrennten Teile zurückzuführen.

Oder: Kriemhild – einfach nur intellektuell beschränkt?

 In der ‘Klage’ wird die Eskalation des Konflikts Hagen und den Burgunden zur Last gelegt. Doch kommt ein misogyner Topos ins Spiel: Da die dem Mann intellektuell unterlegene Frau als mit beschränktem Verstand gesegnet angesehen war, schien es logisch Kriemhilds Verhalten auf die den Frauen eigene intellektuelle Beschränktheit zurückzuführen. Aus moderner Perspektive wird sie im Grunde nicht entlastet, sondern für unzurechnungsfähig erklärt. Sie sei einfach nicht schlau genug gewesen, sich gegen die strategisch überlegenen Männer durchzusetzen.

Dabei wird übersehen: Sie heiratet Etzel, sie verhält sich jahrelang vorbildlich und übertrifft sogar seine erste Frau Helche, sie zeugt einen Sohn und plant letztlich die verräterische Einladung. Das alles erfordert strategisches Geschick, vorausplanendes Denken und Geduld, heißt: So dumm kann Kriemhild gar nicht sein. Dies zeigt sie bereits im ‘Nibelungenlied’, wenn sie ganz machtpolitische Strategin, ihren Erbanteil fordert. Die auf der intellektuellen Inferiorität beruhende Entlastung Kriemhilds ist auch eher die Ausnahme.

Grundsätzlich besteht eine Tendenz zur Abwertung: Sie ist die Brudermörderin, sie überschreitet der Frau gesetzte Grenzen und ist die blutrünstige Teufelin.

Dietrich und der Rosengarten zur Worm

Dies zeigt sich beispielsweise auch im ‘Rosengarten zu Worms’, einem Werk, dass der aventiurehaften Dietrichepik zugehört und chronologisch vor der Heirat von Kriemhild und Siegfried anzusiedeln ist. Kriemhild ist hier Hüterin eines Rosengartens. Von Dietrich hat sie wahrscheinlich schon aus Sagen und Geschichten gehört, die sie als kleines Mädchen in Worms aufgeschnappt hat. Denn Dietrich ist ein Held. Und wahren Helden eilt ihr Ruf durch Zeit und Raum voraus. Schon in seiner Jugend hat der Berner Wunder und Taten vollbracht, die weithin bekannt sind. Hagen würde Dietrich immer und überall erkennen, genauso wie er Siegfried erkannt hat, ohne ihn je gesehen zu haben. Denn Hagen weiß so einiges. Und Helden erkennt man, weil sie Helden sind.

Einen Hort hat Dietrich aber nicht erbeutet. Und manch ein Rezipient und Dichter wird sich gefragt haben: Wer ist eigentlich der stärkste Held im ganzen Land? Ist es Dietrich mit dem Feueratem? Ist es Siegfried mit der Hornhaut? Und weil Kriemhild als Frau sowieso nicht ganz bei Trost ist und gerne Männer bluten sieht, legt ihr der Verfasser die Idee nahe, ihre zwölf, den Rosengarten bewachenden Recken inklusive ihrem Verlobten Siegfried gegen die Berner antreten zu lassen. Kriemhilds intellektuelle Inferiorität zeigt sich dann auch an der wenig erstrebenswert scheinenden Belohnung: Es winken Rosenkranz und Kuss. Dass Dietrich erst einmal wütend wird, als er die Einladung erhält, erscheint unter diesen Umständen nicht widersprüchlich.

Für Kuss und Rosenkranz

Aber die Herausforderung wird angenommen. Bei den Kämpfen sind die Berner klar überlegen. Alles läuft auf den Endkampf zwischen Dietrich gegen Siegfried hinaus. Eigentlich muss Dietrich sich keine Sorgen machen, er kann mit seinem Feueratem Bäume verbrennen und Hornhäute schmelzen, kann Siegfried mit links auch von vorne besiegen, ohne dass dieser sich von hinten als lebende Zielscheibe ermorden lassen müsste. Und dennoch zaudert er. Er ist bescheiden, der Herr Dietrich. Aber auch sehr jähzornig. Den guten Hildebrand schlägt er fast tot, als dieser ihn wegen seiner Kampfesunlust verspottet. Allerdings braucht Dietrich den Ansporn, damit er zu Höchstform aufläuft.

So unterliegt Dietrich in Fassung A zunächst, weil er nicht kämpfen will. Erst als er glaubt, Hildebrand sei aufgrund eines Schlages durch seine Hand verstorben, wird er zornig. Sein Zorn kanalisiert sich auf Siegfried, er speit Feuer, sodass der Xantener mächtig ins Schwitzen kommt und seine Hornhaut schmilzt. In Fassung D glaubt Dietrich Hildebrand bereits vor dem Kampf tot. Er wird zornig, weil ihn seine Leute aufwiegeln. Und in Fassung C sowie Fassung P addieren sich die Motive der Scheinmeldung und des Feueratems, was widersprüchlich scheint. Der zornige Dietrich erfährt von dem scheinbaren Tod seines Gefährten und wird noch zorniger, obwohl ihm der Tod Hildebrands schon bekannt ist.

Das Publikum unterhalten

Ein Widerspruch, der hier aufgrund der mündlichen Tradierung und die Konzentration auf die Einzelszene entstanden sein könnte. Vielleicht hat der Vortragende beim Erzählen improvisiert und wollte den Zorn Dietrichs besonders effektvoll darstellen. Vielleicht hatte der Erzähler auch schlicht vergessen, dass Dietrich bereits vom Tod Hildebrands wusste. In der Mündlichkeit fallen derartige Widersprüche weniger auf. Dem Erzähler oblag es, das Publikum zu unterhalten. Vielleicht wurde er durch die Addition der Motive mit Aufmerksamkeit belohnt. Die Darstellung von Kampfszenen erforderte eventuell Ganzkörpereinsätze, besondere Mimik und spezielle Gesten, welche die Spannung und Dramatik beim Vortrag unterstreichen sollten. Wie genau das ausgesehen haben könnte, bleibt der Fantasie überlassen.

Hildebrand ist demnach ein wertvolles Mitglied in Dietrichs Gefolge und stets hilfsbereit. Eine andere stets hilfsbereite Figur ist Hildeburg aus der ‘Kudrun’, die bereits mit dem Gründervater der Heggelingen, Hagen, auf der Greifeninsel festsaß. Hildeburg bleibt Zeit ihres Lebens am Hof der Heggelingen, ist die Vertraute von Hilde und später auch von deren Tochter Kudrun. Sie ist in jeder Generation dieselbe Figur. Kommt an ihr vielleicht ein Prinzip der Alterslosigkeit zum Tragen? Hat der Dichter nicht nachgerechnet? Auf jeden Fall wird Hildeburgs Treue durch ihren langjährigen Dienst offenbar, für den sie am Ende belohnt wird: Die hilfsbereite Hildeburg heiratet den höfischen Hartmut, dem eigentlich daran gelegen war, sich durch Ehe mit Kudrun hoch zu heiraten. Standesgemäß kommt er als Heiratskandidat dafür allerdings gar nicht infrage.

Mit Heirat bestraft?

Als Gefangener wird ihm letzten Endes ein Angebot unterbreitet, das er nicht ablehnen kann. Freie Entscheidungsgewalt besitzt Hartmut als Gefangener demnach nicht mehr, egal wie höfisch er ist. Er wird in die diplomatische Heiratspolitik Kudruns eingebunden, indem er Hildeburg heiraten soll. Aber Hildeburg ist nicht mehr jung, betrachtet man ihren langjährigen Dienst für die Heggelingen-Sippe und sieht hierin keinen rechnerischen Fehler, sondern Kalkül. Sie wäre bei Kudruns Heiratsvorschlag schätzungsweise fünfzig Jahre alt. Für Hildeburg mag die Heirat eine Belohnung sein.

Für Hartmut sieht die Sache anders aus. Er wäre der einzige männliche Nachfolger seines Hauses. Da seine Schwester Ortrun den Bruder Kudruns heiratet, wird seine Linie sozusagen von den Heggelingen okkupiert. Dass Hildeburg sich bezüglich der Verbindung mit Hartmut selbst sorgt, ist berechtigt. Es ist fraglich, ob sie noch männliche Nachkommen zeugen wird. Kudrun betreibt eine Heiratspolitik, die auf die Erweiterung und die Erhaltung des Machtbereichs der Heggelingen ausgerichtet ist. So gesehen wäre die Moral von er Geschicht:

Mit Gewalt empor kommt der niedere Adel nicht! Die feudal-adeligen Herrscherhäuser mit eigenem Gründungsmythos dulden aus diesem Blickwinkel betrachtet keine Emporkömmlinge. Und das bleibt dank Kudruns Heiratspolitik auch so. Über Hartmuts Schicksal erfährt das Publikum dann auch nichts mehr. Unter diesem Aspekt ist die Figur der Hildeburg nicht widersprüchlich, sondern ihre scheinbare Alterslosigkeit beruht auf Prinzipien der Alterität, welche auf gesellschaftlichen Normen basiert.

Beschluss

Mit den genannten Beispielen sind nur einige Aspekte von Widersprüchen in der Heldenepik aufgezeigt worden. Betrachtet man Widersprüche unter bestimmten Fragestellungen eingehender, lösen sich scheinbare Unvereinbarkeiten mit Bezug auf alteritäre Prinzipien der zeitgenössischen Normen und Gesetze sowie im Hinblick auf bestimmte Erzählstrategien und Vortragsmuster. Eine Analyse vermeintlicher Widersprüche sowie die Untersuchung der Prinzipien, die solche scheinbaren Widersprüche möglich machen, kann sich daher äußerst spannend gestalten.

Verwendete Literatur

Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Nach der Handschrift B hg. von Ursula Schulze. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse. Stuttgart 2011.
Das Nibelungenlied und die Klage. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text, Übersetzung und Kommentar. Hg. von Joachim Heinzle. Berlin 2015 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch).
Dietrichs Flucht. Textgeschichtliche Ausgabe. Hg. von Elisabeth Lienert/Gertrud Beck. Tübingen 2003 (Texte und Studien zur mittelhochdeutschen Heldenepik 1).
Kudrun. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch. Hg., übers. und komm. von Uta Störmer-Caysa. Stuttgart 2010.
Rosengarten. Hg. von Elisabeth Lienert [u. a.]. 3 Teilbde. Berlin/München/Boston 2015.

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