Schlagwort: Figuren

Wer steht hinter Literarische Gedankenexperimente?

Hinter den literarischen Gedankenexperimenten stehe ich – eine Literaturwissenschaftlerin, die in Texten entdeckt, was andere übersehen.

Nach meinem Studium der Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt auf mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur fasziniert mich bis heute, wie Geschichten über Jahrhunderte hinweg wirken und uns prägen. Was als wissenschaftliche Neugier begann, ist zu einer Leidenschaft geworden: Ich erkenne Muster in unterschiedlichen Erzählungen, analysiere Figuren undsuche nach verborgenen Verbindungen – das sind meine Gedankenexperimente. Dabei interessiert mich nicht nur, was Autorinnen und Autoren geschrieben haben, sondern auch das, was zwischen den Zeilen steht und wie es mit unserer heutigen Welt in Resonanz tritt.

Derzeit arbeite ich an drei Projekten: einer Studie zur historischen Figurennarratologie in der frühneuzeitlichen Novellistik, einem medienhistorischen Vergleich zweier Widmungsbriefe sowie einem Beitrag zur Intermedialität auf Basis unveröffentlichter Quellen.
Mehr über meine Interessen gibt es unter Über mich.

  • Kimiko und die Bibliothek in The Boys – Wenn Paratexte zur Sprache werden

    Es ist eine der unwahrscheinlichsten Kommunikationssituationen in der jüngeren Seriengeschichte. In der Anti-Superhelden-Serie The Boys, Staffel 4, Episode 6 (39:28-40:26) verständigt sich die aus Trauma verstummte Kimiko mittels Buchtitel und rettet damit ihren Begleiter MM aka Mother’s Milk. Dieser Beitrag knüpft an meine Beiträge zu Ted Lasso sowie zu Rilkes Panther in Zeit des Erwachens…

  • Vernetztes Erzählen: Zwei Skizzen zu Figuren, kleinen Formen und ihrer Funktion in Veit Warbecks Die schöne Magelone

    Erstveröffentlicht in: Germanisch-Romanische Monatsschrift 74 (2024), H. 3, S. 265-282. [Verfügbar unter: https://grm.winter-verlag.de/article/GRM/2024/3/4] Verlagsversion. Dieser Text ist die akzeptierte Manuskriptversion. Archiviert im Repositorium der SuUB Bremen, DOI: https://doi.org/10.26092/elib/6027 Abstract: The analysis is dedicated to the concept of characters within premodern literature related to small literary forms and their role in the narrative order within the…

  • Fiktiv, aber wahr: Was Guy Ritchie’s The Covenant über echte Schicksale erzählt

    Ahmed gibt es nicht. Aber seine Geschichte ist real. Guy Ritchie’s The Covenant (2023)[1] erzählt die Geschichte von US-Sergeant John Kinley (Jake Gyllenhaal), der 2018 mit seiner Einheit in Afghanistan (gefilmt wurde in Spanien) stationiert ist, um das Land nach Waffenlagern der Taliban zu durchsuchen. In diesem Beitrag analysiere ich Guy Ritchie’s Werk als filmisches Mittel,…

  • Wind River: Figuren als Ankläger realer Reservatsgewalt

    Wind River[1] ist ein Independent-Film der jüngeren Vergangenheit von Taylor Sheridan, der sich genretechnisch als Mischung aus Drama und Krimi präsentiert. Die Handlung spielt im gleichnamigen Wind-River-Reservat[2], das im US-Bundesstaat Wyoming liegt. Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) findet auf der Jagd nach Pumas die Leiche einer jungen amerikanischen Ureinwohnerin[3] im Schnee. Der Fund erinnert ihn…

  • Der Zauberer von Oz: Conditio humana im blinden Fleck der Figuren

    Der Zauberer von Oz bzw. The Wonderful Wizard of Oz von Lyman Frank Baum ist ein bekanntes amerikanisches Märchen und hat in den USA so in etwa denselben Stellenwert wie hierzulande die Märchen der Gebrüder Grimm. Zumindest das für den Film The Wizard of Oz (1939) komponierte Lied Over the Rainbow oder Somewhere Over the…

  • Kristine Bilkaus Halbinsel: Hammershøis Ästhetik der Klimakrise

    Kristine Bilkaus Roman Halbinsel, erschienen 2025, ist auf den ersten Blick eine Generationengeschichte mit Fokus auf die Mutter-Tochter-Beziehung an der Ostseeküste – doch scheint hinter der stimmungsvollen Fassade ein Abgrund zu lauern. Ähnlich den Gemälden des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi, dessen atmosphärische Präsenz den gesamten Roman durchzieht, ist das Entscheidende oft nicht sichtbar, aber dennoch übermächtig…

  • Funktionale Intertextualität und Wissenstradierung im zeitgenössischen Kontext am Beispiel jüdischer Figuren und Stereotype in ausgewählter Literatur

    Abstract Antijüdische Stereotype und Vorurteile sind tief in Kultur und Gesellschaft verwurzelt und finden sich seit der Antike in Literatur, Kunst und Alltag. Literarische Werke greifen diese tradierte Bildsprache auf, gestalten sie neu oder transformieren sie, wobei sowohl historische als auch zeitgenössische Werke einbezogen werden. Der Text beleuchtet, wie jüdische Figuren verschiedenartig inszeniert werden, welche…

  • Martina Clavadetscher – Die Schrecken der anderen: Erzähltheorie, Figuren und Realität

    Martina Clavadetscher ist mit Die Schrecken der anderen ein herausragendes Erzählwerk gelungen, das sich mit erzähltheoretischen Kriterien untersuchen lässt und mit einer besonderen Intention verbunden ist: „Aus der näheren Geschichte wie Zweiter Weltkrieg in der Schweiz hört man sehr wenig, obwohl es da natürlich auch sehr viel zu erzählen gäbe. Das sind die unliebsamen Geschichten.…

  • Wolfram von Eschenbach: Parzival – Mittelalterlicher Gralsroman heute noch aktuell

    Ein Meisterwerk ist Parzival, eines der bedeutendsten Werke höfischer Literatur des Mittelalters, verfasst von Wolfram von Eschenbach um 1200-1210. Ich würde meine Liebe für die mittelalterliche Literatur verhehlen, wenn ich nicht mindestens eines dieser großartigen Werke unterbrächte. Das Nibelungenlied habe ich schon in meinem Beitrag zur strukturellen Gewalt gegen Frauen behandelt (eine Abwandlung meiner Bachelorarbeit),…

  • Emily Brontës Sturmhöhe: Heimsuchung, Gespenster, Vergebung

    Emily Brontës Sturmhöhe (Originaltitel: Wuthering Heights) ist so anders, als die Romane der Zeit. Wer Sturmhöhe in eine Reihe mit Jane Eyre von ihrer Schwester Charlotte oder mit Jane Austens Stolz und Vorurteil stellt, der wird enttäuscht. Rache, Wildheit, Kritik an der gesellschaftlichen Scheinheiligkeit und dem Verstecken hinter religiösen Traditionen und Gepflogenheiten, Heimsuchungen unterschiedlichster Natur,…

  • Buffy – Kulturelle Diskurse, Thanksgiving und Kolonialismus

    Was haben die Serie Buffy – im Bann der Dämonen, der französische Philosoph Michel Foucault, die Kolonialisierung Nordamerikas und Thanksgiving gemeinsam? Mehr als man auf den ersten Blick denken würde. Doch eines nach dem anderen. Bei Thanksgiving handelt es sich um einen traditionellen Feiertag in den Vereinigten Staaten und Kanada, der auf das Jahr 1621…

  • Catch 22 – Joseph Heller – Absurdität der Conditio humana

    Catch 22 von Joseph Heller ist eines meiner Lieblingsbücher. Nicht so, wie Michael Endes Die unendliche Geschichte, aus der man zu jeder Zeit in jedem Lebensalter neue Erkenntnisse über das Leben gewinnen kann. Nicht so, wie Jane Austens Stolz und Vorurteil, das ich manchmal lese, weil ich irgendwo doch Romantikerin bin. Nicht so, wie Chimamanda…

  • Ted Lasso – Fußball, Optimismus, aus Literatur lernen

    Als Ted Lasso seinen Spielern Bücher schenkt, wirkt das zunächst wie eine weitere Marotte dieses unerschütterlichen Optimisten. Doch die Szene ist mehr als ein Gag. Sie behauptet etwas Radikales: dass Literatur Menschen verändern kann – nicht abstrakt, sondern konkret. Nicht als Bildungsornament, sondern als Handlungsmotor. In einer Serie, die vom Profifußball handelt, wird ausgerechnet das…

  • To Kill a Mockingbird: Harper Lees unbequeme Wahrheiten über Rassismus

    To Kill a Mockingbird von Harper Lee erschien 1930, ins Deutsche übersetzt wurde der Titel mit Wer die Nachtigall stört. Das Buch wurde 1961 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, dem wichtigsten US-amerikanischen Medienpreis für Literatur, Journalismus und Musik. Auch die Verfilmung mit Gregory Peck in der Rolle des Atticus Finch von 1962 erhielt drei Oscars. Die…

  • Der Zauberer von Oz analysiert: Figuren, Farben, Allegorien

    „There’s no place like home“ oder „We’re not in Kansas anymore“ – kaum eine Geschichte hat unsere Kultur so durchdrungen wie L. Frank Baums The Wonderful Wizard of Oz (1900). Hinter dem bunten Kinderbuchklassiker, das in den USA denselben Stellenwert hat wie bei uns die Grimms, steckt mehr als Hexen und sprechende Tiere: Es spiegelt unsere tiefsten Selbstzweifel,…

  • Literarische Figurenrätsel – Aristoteles & Co in der Kneipe

    Aristoteles geht in die Kneipe. Wird es ein Symposium geben?

  • Catch‑22 (Joseph Heller) – Analyse des Patriotismus im ersten Kapitel

    In diesem Beitrag wird das erste Kapitel von Joseph Hellers Roman Catch 22 unter die Lupe genommen, mit besonderem Fokus auf die Darstellung von Patriotismus, den absurden Mechanismen bürokratischer Hierarchien und den satirischen Elementen, die Heller nutzt, um gesellschaftliche Normen, militärische Kontrolle und stereotype Rollen kritisch zu beleuchten. Anhand zentraler Figuren, intertextueller Bezüge und humorvoller…