Peter Hilles Untergehende Weisheit – Satire um 1900

Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2025

„Peter Hille ist tot, es ist ihm nie zum Bewußtsein gekommen, wie sehr er sich in seinem „Cabaret“ prostituierte, ebensowenig wie das wohl seine kleine Zigeunergemeinde bemerkte. Bei dieser aber kann sich Berlin, die Reichshauptstadt bedanken, daß ihr der Schimpf erspart blieb, einen ihrer allerbesten Dichter in ihren Mauern verhungern zu sehen.“[1]

Hanns Heinz Ewers hat recht! In seinem Überblick der Berliner Kabarett-Szene um 1900 vermerkte er EindrĂŒcke seines Besuches im Cabaret zum Peter Hille, in welchem der „hochbegabte, völlig zerfahrene Dichter“[2] seit Ende 1902 im Hinterzimmer des Restaurant zum Vesuv neben von ihm ausgesuchten Freunden eigene StĂŒcke vortrug.[3] Peter Hille befindet sich Zeit seines Lebens an den RĂ€ndern des modernen Literaturbetriebs – er kennt alle und alle kennen ihn, aber er bleibt doch Außenseiter. Durch sein von gesellschaftlichen ZwĂ€ngen losgelöstes, kompromissloses KĂŒnstlerdasein erscheint er als Personifikation der BohĂšme. Bereits zu Lebzeiten idealisieren ihn Zeitgenossen, erheben ihn zu einer Figur im Kampf gegen den zeitgenössischen Literaturbetrieb und beschönigen seine Ă€rmliche Lebenssituation. Doch man tritt Hille auch mit Verachtung und UnverstĂ€ndnis entgegen.[4]

Inhaltsverzeichnis

Vorhaben fĂŒr die Analyse von Peter Hilles Untergehende Weisheit im Kontext

Folgend soll anhand Peter Hilles Satire Untergehende Weisheit (ich bezeichne das Werk hier als satirischen Text, wobei diese deterministische Perspektive zur Diskussion gestellt werden kann) aufgezeigt werden, dass der Dichter sich auf kĂŒnstlerische Weise literarisch prĂ€zis-luzide zur Krisenstimmung der Moderne und ihren vielfĂ€ltigen Symptomatiken innerhalb zeitgenössischer Diskurse Ă€ußert.

ZunĂ€chst wird auf den Umbruch der traditionellen Literaturgattungen um die Jahrhundertwende im Zusammenhang mit Hilles ƒvre hingewiesen, wobei diese auch mit der Dynamisierung vieler Lebensbereiche und der daraus resultierenden Ambivalenz zwischen Fortschrittsglauben und Ohnmachtserfahrung zusammenhĂ€ngt. DiesbezĂŒglich erwĂ€hnt wird die mögliche Sinnstiftung im Zeichen der Krise durch sogenannte Weltanschauungsliteratur, wobei das Schlagwort ‘Weltanschauung’ und dessen Funktion eingehend erlĂ€utert wird. Im zeitgenössischen Kontext wird zudem auf die sich in Deutschland und Berlin entwickelnde Kabarett-Szene eingegangen sowie Hilles Stellenwert und Ambitionen in diesem kĂŒnstlerischen Umfeld aufgezeigt. Im Anschluss daran wird Untergehende Weisheit explizit unter BerĂŒcksichtigung einschlĂ€giger philosophischer und naturwissenschaftlicher Werke sowie sinnstiftungsgebender weltanschaulicher Literatur untersucht und im Hinblick auf die zuvor aufgefĂŒhrten historischen Kontexte bewertet. Hilles Text wird fĂŒr die Untersuchung in drei Abschnitte unterteilt und die den entsprechenden Abschnitten zugrundeliegenden Thematiken jeweils einzeln beurteilt. Danach wird versucht, einen möglichen Gesamtzusammenhang der einzelnen Abschnitte und damit einhergehende Interpretationsarten aufzuzeigen. Zuletzt wird der dargestellte Humor in den zeitgenössischen Rahmen des Kabaretts eingeordnet und der Text mit Peter Hilles Lebenswerk und dem Stellenwert von Humor darin in Beziehung gesetzt.

Methodisches Vorgehen bei der Analyse von Untergehende Weisheit

Methodisch rekurriert diese Hausarbeit auf einen Beitrag von Dirk Göttsche, in dem dieser davon ausgeht, dass „die IndividualitĂ€t des Werkes nur in den Horizonten der (Gattungs-, Epochen- und Kultur-) Geschichte greifbar [ist], aus denen heraus sie sich im Text konstituiert; [und] andererseits die allgemeinen Begriffe und Erkenntnisinteressen der Literaturwissenschaft nur im Rekurs auf die Werke zu rechtfertigen [sind], deren Ă€sthetische Struktur sie gleichwohl nicht erschöpfen.“[5] Als zugrundeliegende Methodik soll daher die hermeneutische Dialektik angewandt werden. Die Dialektik als „die Lehre der Wahrheitsbedingungen von Aussagen und Darstellung der Eigenschaften oder Funktionen von Begriffen mit dem Ziel eines korrekten Schlußverfahrens“[6] in Verbindung mit der Hermeneutik als „Theorie des Lesens, Verstehens und Interpretierens von Texten“[7] eignet sich fĂŒr die Untersuchung von Hilles Satire hinsichtlich eines bestimmten zeitgenössischen Kontextes sowie der verwendeten Ă€sthetischen Stilmittel. Insbesondere die philosophische Hermeneutik ist hier signifikant, da sie Deutung und LektĂŒre in den â€žĂŒbergreifenden und maßgebenden Zusammenhang des Textes [setzt, wobei] jedes Erkennen an unhintergehbare Voraussetzungen in der (kollektiven und individuellen) Welt des Erkennenden gebunden [ist].“[8] Ein allumfassendes Erkennen aller dem Text zugehörigen ZusammenhĂ€nge bleibt demnach fĂŒr die Rezipienten auch aus verschiedenen historischen Blickwinkeln stets unabgeschlossen.[9] Der Text konkretisiert sich damit als Ă€sthetisches Objekt und kann mit seiner spezifischen Ästhetik auf historische Fragestellungen sowie epochale oder gattungshistorische Zuordnungen bezogen werden.[10]

Peter Hilles Untergehende Weisheit ist daher Ă€sthetischer Ausdruck im historischen Kontext und zugleich Exempel fĂŒr den literarischen Umgang mit zeitgenössisch-relevanten gesellschaftlichen Fragestellungen.

Vielgestaltige literaturhistorische UmbrĂŒche in der deutschen Moderne

Informationen ĂŒber die Kleine Prosa der Jahrhundertwende

Seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert steht die Entwicklung neuer Formen von Kurzprosa fĂŒr ein Medium, an dem sich die immer schneller voranschreitende Entwicklung von Wissen, Gesellschaft und der Lebenswelt literarisch reflektiert darstellt. [11] Allgemein ist die Zeit von etwa 1880 bis 1930 unter dem Begriff ‘Moderne’ mit sich unterschiedlich ausbildenden kĂŒnstlerischen und literarischen Stilrichtungen zusammengefasst, welche von sozialen, gesellschaftlichen, politischen und technischen UmbrĂŒchen gekennzeichnet sind. In der Literatur zeigt sich dies unter anderem an einer Umgestaltung der traditionellen Gattungsformen.[12] Die freirhythmische Dichtung erlebt einen Aufschwung, auf charakteristische Merkmale wie Strophe, Reim und Metrum wird verzichtet.[13] Hilles literarisches Schaffen steht exemplarisch inmitten dieser Umformung. Der Dichter empfindet den traditionellen Formenkanon als antiquiert, das zeigt seine Bevorzugung fĂŒr kurze Prosaformen, die seine Werke neben der Aphoristik durchziehen.[14] Seine Kritik an der Dichtungstradition darf aber nicht als Absage an die bestehenden literarischen Formen verstanden werden, sondern als Ansicht, diesen gegenwĂ€rtig keine allzu große GĂŒltigkeit mehr beizumessen.

Das historisch neuartige Gattungsmuster des Prosagedichts ist keine deutsche Erfindung. Es erfĂ€hrt zunĂ€chst in Frankreich der 1850er und 60er durch Charles Baudelaires Werk ‘Petit poĂšmes en prose’ Beachtung und stellt sich dort gegen die ĂŒblichen literarischen Verfahrensweisen der Verslyrik. In Deutschland findet die Rezeption des Prosagedichtes nicht direkt ĂŒber Baudelaire, sondern ĂŒber Nachahmer und hauptsĂ€chlich ĂŒber Texte von Ivan Turgenjew statt, der sich selbst von dem Franzosen inspirieren lĂ€sst.[15] Eine breite Übersetzung der Werke Baudelaires findet in Deutschland erst um 1902 statt.[16] Hille ĂŒbersetzt wahrscheinlich als einer der ersten Texte nach Art des Prosagedichts von Baudelaire, lernt dessen Stil in der Originalsprache und frĂŒher als andere deutsche Schriftsteller kennen.[17] Bei ihm findet er „das Muster einer allegorischen Kurzprosa stark variabler LĂ€nge und Sprachweise“[18], in Turgenjews Werken bewundert er die moralistisch-didaktisch anmutenden ZĂŒge und dessen „Welterkenntniß verbunden mit poetischer Tiefe.“[19]

Im Hinblick auf Untergehende Weisheit ist in diesem Zusammenhang die Charakteristik des erkundenden beobachtenden Denkens, des reflektierenden Denkens als Ausdrucksform der Kleinen Prosa signifikant.[20] Formen der Kleinen Prosa besitzen eine AffinitĂ€t zum Augenblick, sie stellen ein Zeitempfinden bei gleichzeitiger visueller Wahrnehmung dar.[21] Es kommt ebenfalls zu einer MerkmalsĂŒberfĂŒhrung der Gattungen untereinander. Verschiedene stilistische und Ă€sthetische Verfahren werden miteinander kombiniert und verschieden modelliert, was einer Art Experimentiercharakter entspricht. „[Texte der Kleinen Prosa] haben damit die Chance (aber auch die Verpflichtung), ihre eigene Poetik in der Auseinandersetzung mit moderner Wirklichkeitserfahrung und den sozial- und mediengeschichtlichen Bedingungen literarischer Produktion immer wieder neu hervorzubringen.“[22] Ebenjene Funktion ĂŒbernimmt auch Hilles Satire.

Zur Wahrnehmungskrise und Weltanschauung um 1900 in Deutschland

„Auf die Geschichte angewandt, ist ‘Krise’ seit etwa 1780 Ausdruck einer neuen Zeiterfahrung, Faktor und Indikator eines epochalen Umbruchs [wobei] der Ausdruck [
] so vielschichtig und unklar [bleibt] wie die Emotionen, die sich an ihn hĂ€ngen.“[23] Die Moderne ist geprĂ€gt von Bewegtheit in sĂ€mtlichen Lebensbereichen von der Wissenschaft, der Kunst bis hin zur Politik. Damit einher geht eine von vielen Menschen als ambivalent empfundene UnĂŒbersichtlichkeit, die Verunsicherung und Ohnmacht auslöst, zugleich aber auch Optimismus im Glauben an Erneuerung und Fortschritt.[24] Die stetige Weiterentwicklung und der damit einhergehende Erkenntnisfortschritt der Naturwissenschaften forciert das Entstehen neuer Wirklichkeitseinsichten.[25] Die Forderung nach Sinngebung in Zeiten der Verunsicherung ist groß. Weltanschauungsliteratur als Mittel zur Sinnstiftung ist daher als Symptom der soeben beschriebenen Wahrnehmungskrise zu deuten.[26]

Den Begriff ‘Weltanschauung’ verwendet zuerst Immanuel Kant in seiner ‘Kritik der Urteilskraft’. Dort beschreibt er den Begriff als „die TotalitĂ€t der sinnlichen Erfahrung. Kant spricht daher von der W[eltanschauung] »als bloßer Erscheinung«.“[27] Der Begriff ‘Weltanschauung’ selbst ist paradox. Er stellt sich als Eindeutiges allumfassend dar, kann aber nur subjektiv sein: Das Ganze der Welt kann nicht in Anschauung gebracht werden, der Verfasser kann unmöglich alles ĂŒberblicken.[28]

Was ist eigentlich Weltanschauungsliteratur um 1900?

Unter Weltanschauungsliteratur lassen sich meist lĂ€ngere Texte zusammenfassen, welche die „â€șWeltanschauungâ€č des Verfassers argumentativ dar[
]stellen. In aller Regel verbinden sich dabei breite Darlegungen wissenschaftlicher Ergebnisse mit waghalsigen Hypothesen, metaphysischen Theoriefragmenten, autobiographischen Mitteilungen, persönlichen Glaubensbekenntnissen, ethischen Handlungsanweisungen, zeitpolitischen Diagnosen und gesellschaftlichen Ordnungsmodellen.“[29] Wie auch die Philosophie besitzen die einzelnen Weltanschauungen eine Leitidee, wobei bekanntes Wissen unter vielfĂ€ltigen Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven gedeutet wird.[30]

Den Naturwissenschaften wird inmitten der zeitgenössischen Umbruchssituation der Moderne enorme Skepsis entgegengebracht. Die Forschungsergebnisse der sich ausbildenden Einzelwissenschaften finden untereinander keinen Anschluss und können trotz fortschreitender Technisierung keine Sicherheit liefern. Sinnstiftung im Zeichen der Krise ĂŒbernimmt daher die Weltanschauungsliteratur, wobei Naturwissenschaftler Ergebnisse aus ihren Forschungen in leicht verstĂ€ndlichen BeitrĂ€gen fĂŒr die Masse publizieren und diese unter anderem in VortrĂ€gen verbreiten. Auch veröffentlichen sie Weltanschauungsliteratur, in denen nicht allein naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse dargestellt werden, sondern nicht durch die dort vorgestellten Ergebnisse geklĂ€rte ZusammenhĂ€nge durch RĂŒckgriff auf bekanntes philosophisches Gedankengut plausibel gemacht wird.[31]

Damit einher geht auch die Krise des Ich, welche sich unter den vielfĂ€ltigen AusprĂ€gungen der Krisenstimmung der Moderne verschlagworten lĂ€sst. Die Dynamisierung sĂ€mtlicher Bereiche der Lebenswelt wirkt auf die visuellen und akustischen EindrĂŒcke der menschlichen Sinne, die unter der Flut der neuen Empfindungsreize ambivalent betrachtet werden. Die Naturwissenschaften beschĂ€ftigen sich intensiv mit der Funktionsweise der Wahrnehmung der Sinnesempfindungen im Zusammenhang mit dem Bewussten und dem Unbewussten. Die Krise wird begleitet von der Einsicht in die Begrenztheit des Bewusstseins und dessen WahrnehmungsfĂ€higkeit und betrifft die Wahrnehmung der Umwelt als auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers und damit gleichfalls die unbewussten psychischen VorgĂ€nge.[32] Die Literatur der Jahrhundertwende nimmt diese Bestrebungen auch im Rahmen einer möglichen Sinnstiftung auf und verwertet sie inhaltlich und Ă€sthetisch, nutzt unter anderem bestimmte wissenschaftliche Begrifflichkeiten.[33] Dies ist auch in Hilles Untergehende Weisheit der Fall.

Literaturhistorie: Tingeltangel um 1900 in Deutschland

Das Kabarett in Berlin

Im Französischen wird der Begriff cabaret fĂŒr eine Speiseplatte mit fĂ€cherartig angeordneten SchĂŒsselchen verwendet. Noble Restaurants verwenden anderes Geschirr, wĂ€hrend die cabarets nur in niederen Etablissements genutzt werden.[34] Aus dem Pariser Kabarett ĂŒbernehmen deutsche KĂŒnstler die zwanglose Vortragsform der Rezeption bei Bier und Wein.[35] Diese Art von Unterhaltung zeigt eine Grenze unter den verschiedenen Gesellschaftsschichten auf. Neben der von der adeligen Obrigkeit befĂŒrworteten ReprĂ€sentationskultur feiert sich das einflusslose BĂŒrgertum mit seinen anzĂŒglichen, frechen Veranstaltungen selbst.[36] In MĂŒnchen formieren sich die Elf Scharfrichter, in Berlin grĂŒndet Ernst von Wolzogen um 1900 das Überbrettl mit seiner politischen Kunst als Angriff auf die wilhelminische Macht.[37] Allerdings erreicht das Kabarett nicht die politisch einflussreichen Kreise und schafft sich in dieser Hinsicht keine bedeutsame EinflusssphĂ€re, wie es in Frankreich der Fall ist.[38]

Was ist das Cabaret zum Peter Hille?

„Heute Abend 8/œ bei Dalbelli, Königin Augustastraße 19 bei der Potsdamer BrĂŒcke der zweite Abend „Blauer Montag zum Peter Hille“.
Motto:
Der blauen Blume fromm geweiht,
Nicht Plebejerslustbarkeit.“[39]

Unter dem Begriff Plebejerslustbarkeit fasst Hille einen fĂŒr ihn oberflĂ€chlichen und einfachen Humor auf, wie es damals in den Berliner Überbrettls dargeboten wurde.[40] Dem gegenĂŒbergestellt will Hille sein eigenes Kabarett der Blauen Blume gewidmet wissen. Als Symbol der Romantik ist die Farbe Blau „als Bezeichnung einer Idee [bekannt] und wird zum Ausdruck der Einbildungskraft des Subjekts.[41] Die Blaue Blume als Symbol der Romantik, bekannt aus Novalis ‘Heinrich von Ofterdingen’ ist „untrennbar mit dem dichter[ischen] Wort verbunden [, wobei die Farbe Blau] stets als eine aus dem jeweiligen Anschauungsmoment zu entwickelnde gedacht [ist, wobei in] ihr NĂ€he und Ferne, Erinnern und Vergessen sowie Sagbares und Unsagbares vereint [sind].“[42] Hilles Motto unterstreicht seine Intention sich mit seinem Kabarett von dem flachen, zwielichtigen Humor der Überbrettls abzusetzen. Die Vortragsabende in Hilles Kabarett finden an sechsundzwanzig Abenden von Dezember 1902 bis Ende Juli 1903 statt.[43]

Dabei sieht er in der aus Frankreich ĂŒbernommenen Kleinkunst durchaus Potenzial. „Das Überbrettl den Dichtern!“[44] schreibt er in einem Essay. Das Überbrettl sei in der von Wolzogen prĂ€sentierten Form noch „unvollendet.“[45] Hilles Forderung nach neuen Impulsen fĂŒr die Kunst der Überbrettls im Sinne eines radikalen Individualismus richtet sich gegen traditionelle Darstellungsformen und steht damit im Kontext der Umbruchs- und Krisensituationen der Jahrhundertwende.[46] Sein Kabarett soll eine vorbehaltlose Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst sein, die deftigen Zoten des Überbrettls will er nicht in seinem Programm sehen, keine seichte Unterhaltung soll die TiefgrĂŒndigkeit seiner vorgetragenen Werke stören.[47] Zu den in seinem Kabarett Mitwirkenden gehören unter vielen anderen Else Lasker-SchĂŒler und Erich MĂŒhsam.[48]

Ob Peter Hille sein Werk Untergehende Weisheit tatsĂ€chlich in einem der vielen Kabaretts in Berlin oder sogar in seinem eigenen Cabaret vorgetragen hat ist unklar.[49] Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Hilles Text als Satire vor Publikum vorgetragen wurde, eignet es sich in Form und Inhalt entsprechend fĂŒr das Kabarett. Die Satire stellt nicht nur im Rahmen des Kabaretts „Angriffsliteratur mit einem Spektrum vom scherzhaften Spott bis zur pathetischen SchĂ€rfe dar.“[50] Es wird noch darauf eingegangen, inwiefern Hilles Humor in den historischen Kontext sowie die Ă€sthetisch-literarische Gestaltung einzuordnen ist.

Untergang, Weisheit und Krise in Peter Hilles Untergehende Weisheit

Apologie der Vorgehensweise bei der Analyse

Hilles Text wird fĂŒr die Untersuchung in seiner Gesamtheit abgebildet, um dann (in der Tat schrittweise das Vorgehen des Esels imitierend) das Werk in den beschriebenen Kontext der Krise um 1900 unter Hinzunahme weiterer zeitgenössischer Diskurse und verwendeter literarischer Stilmittel einzuordnen. Die Zeilenangaben sind fĂŒr die Untersuchung dem Text nachtrĂ€glich hinzugefĂŒgt worden. Zum einen soll dies die anschließende Auslegung stĂŒtzen und Argumente untermauern, zum anderen dient dies der anschaulichen Unterteilung in drei Abschnitte: Die Zeilen 1 bis 9 beziehen sich auf die Art der Denkweise und das Vorankommen des Esels, die Zeilen 10 bis 16 sollen unter dem Schlagwort Weltanschauung beobachtet werden und die Zeilen 17 bis 20 werden als Fazit beziehungsweise Pointe des Werkes unter Betrachtung der Begriffe wissenschaftliche Vorsicht und Ding an sich untersucht.

Untergehende Weisheit

1. Ein Esel dachte. Das kommt vor. Denken ist Gehen. Oben wie unten.

2. Und bedauerte. Der Gedanke war grĂ¶ĂŸer als er.

3. Und er bedauerte, daß das nicht blieb.

4. Eine wilde Stille, taub, betÀubend, dröhnend, schneidend.

5. Er konnte doch nicht gehen.

6. Der dumme Treiber.

7. Seine Gedanken hatten ja den Ausgang nicht gefunden. Der war die Hauptsache. Hatte er den gefunden, so ging er sowieso weiter. Da die Menschen das nicht begreifen, daß ein Esel denken muß.

8. Das ist doch natĂŒrlich.

9. Die wissen also gar nicht, was ein Gedanke ist.

10. Der Esel hatte eine Weltanschauung. Und die war entstanden vom Kohlenkeller bis zum nÀchsten Kunden.

11. Die lautete: Es gibt zwei Dinge. Das eine ist gut fĂŒr’s Maul: es sticht aber ist saftig. Ganz wie eine famose Zote.

12. Ferner ein Ding, das ist ganz sinnlos und weiß nichts, als immer unvernĂŒnftig daraufzudreschen. Als hĂ€tte man seinen RĂŒcken gestohlen.

13. Und dann gibt es Dinge, die haben Beine wie wir. Aber die beißen und machen einen ganz unvernĂŒnftigen LĂ€rm.

14. Jedenfalls sind sie toll.

15. Und dann die mit den zwei Beinen. Die sind ja vielleicht noch schlimmer. Erstens denken sie nicht. Und zweitens stören sie uns, wenn wir gerade im tiefsten Nachdenken sind. Stören uns mit dem Ding Nummer 2.

16. DafĂŒr aber geben sie uns das Ding Nummer 1 zu fressen. Freilich nicht genug. Und wen wir uns selbst was suchen wollen, so wollen sie auch das nicht, und schlagen mir nichts, dir nichts, zu.

17. Warum sind sie so und dann auf einmal wieder so – daß kein Esel daraus klug werden kann?

18. Das ist die Welt, soweit wir mit ihn in unmittelbare BerĂŒhrung kommen. Von den anderen zwei- und vierbeinigen Dingern und von den Dingen, die sonst noch so sinnlos in der Welt herumtreiben können wir nichts aussagen.

19. Vielleicht bestehen sie auch nur in der Einbildung.

20. In wissenschaftlicher Vorsicht wollen wir sie das ‘Das Ding an sich’ nennen.“[51]

Denken und gehen – Esel und Denken in Peter Hilles Untergehende Weisheit

Der Aufbau per Zeile bestÀtigt das Àsthetische Charakteristikum Hilles im Rahmen der Umgestaltung literarischer Gattungsnormen zur Kleinen Prosa sowie dem erkundenden und reflexiven Denken. Eine Darstellung im Druck wÀre besonders auffÀllig. Aber auch beim Vortrag gibt es durch Sprechpausen oder den Einsatz besonderer Gestik Möglichkeiten den schrittweise anmutenden Zeilenaufbau entsprechend darzustellen. Im zeitgenössischen Kontext besitzt der signifikante Aufbau von Hilles Text eine weitere Funktion: Es wird hier mit literarischen Mitteln ein Experiment in Gedanken nachgestaltet.

„Es ist kein Zweifel, dass das Gedankenexperiment die grĂ¶ĂŸten Umwandlungen in unserm Denken einleitet, und die bedeutendsten Forschungswege eröffnet.“[52] Der österreichische Physiker, Historiker, Psychologe und Physiologie Ernst Mach befĂŒrwortet das Experimentieren in Gedanken als Mittel der Wissenschaftspraxis und weist ihm zudem auch eine VorlĂ€ufigkeit im Sinne eines ergebnisoffenen Experimentierens zu.[53] Machs Vorgehen stellt eine wissenschaftliche Skizze dar, einen Entwurf. Dies findet Anklang bei vielen Autoren der Jahrhundertwende, die ihre Werke ebenfalls unter der dargestellten VorlĂ€ufigkeit als Skizze u. Ă€. betiteln, zu denen ebenfalls Peter Hille gehört.[54] Das gedankenexperimentelle Vorgehen des Österreichers ist auch auf Hilles Text Untergehende Weisheit anwendbar, wie die zugefĂŒgten Zeilenangaben mit jeweilig fortschreitenden Erkenntnissen des Esels verdeutlichen. Es kann davon ausgegangen werden, dass Peter Hille Machs ‘Gedankenexperiment’ bekannt gewesen ist. Hille dĂŒrfte dieses Experimentieren in Gedanken gefallen haben, zieht man eine seiner vielen Aufzeichnungen hinzu, wo es heißt: „Vollendung ist BeschrĂ€nkung.“[55] Dieser Satz lĂ€sst sich auch anderweitig mit Hilles Werk verbinden.

Schreiten als Experimentieren in Gedanken in Hilles Untergehende Weisheit

Neben der gedankenexperimentellen Vorgehensweise gleicht der Aufbau auch der seit der Neuzeit verbreiteten Legende, des peripatetischen, beim Philosophieren umherwandelnden Gehens „zur Kennzeichnung der aristotelischen orientierten Philosophie.“[56] Der Beginn des Textes ist diesbezĂŒglich einschlĂ€gig: „Ein Esel dachte. Das kommt vor. Denken ist Gehen.“[57] Hille vereint philosophisches und naturwissenschaftliches Vorgehen veranschaulichend an der Denkweise des Esels.

Nun erhĂ€lt so ein Esel ĂŒber die Jahrhunderte „manch[
] treffende Beinamen, z. b. langohr, [
], der geile, ĂŒbermĂŒtige [
] lasttrĂ€ger“[58] und gilt darĂŒber hinaus „nicht nur arm und gering, sondern auch dumm, faul, trĂ€ge, plump [
]“[59]. Dass Hille mit seinem Esel einen dummen Esel meint, steht mit Blick auf seinen ‘Hymnus an die Dummheit’ außer Frage. Hier ist der Esel das „Lieblingsthier“[60], der dort angerufenen Göttin der Dummheit. Peter Hille setzt sich mit dem Hymnus mehr als zwanzig Jahre auseinander und aktualisiert den Text immer wieder in Anlehnung an zeitgenössische Ereignisse, so dass letztlich mehrere Lesarten entstehen. Dies stĂŒtzt die Einordnung des Esels als Emblemtier der Dummheit.[61]

Laut Mach eignet sich gerade das Paradoxe zum Experimentieren in Gedanken. Durch das Paradoxe könne ein Problem am besten erkundet werden, wobei die sich im Paradoxon widersprechenden Elemente den Prozess des Gedankenexperiments auslösen wĂŒrden.“[62] Paradox wĂ€re in Hilles Text der dumme Esel als peripatetisch-philosophischer und gleichzeitig naturwissenschaftlicher Denker, der unter grĂ¶ĂŸter Anstrengung seines eseligen Bewusstseins nur schrittweise vorankommt.

Was bedeutet der Begriff Trieb in Peter Hilles Untergehende Weisheit?

Zeile 2 und 3 weisen dann im Stil von Machs gedankenexperimenteller Vorgehensweise die VorlĂ€ufigkeit der Gedanken auf, wobei der Esel dies bedauert. „Eine wilde Stille, taub, betĂ€ubend, dröhnend, schneidend“[63] kennzeichnet im Anschluss an die bereits gewonnene Erkenntnis, dass kein Gedanke je gehalten werden kann, eine Stille im bereits gewonnenen Denkfortschritt des Esels. „Er konnte doch nicht gehen.“[64] Alles Denken, aller Fortschritt – bringt ja doch nichts, wenn man eben nicht denken kann. Trotzdem bleibt der Esel „[d]er dumme Treiber.“[65] Hier zieht Hille eventuell einen Vergleich zum Menschen, der durch Denken Erkenntnis gewinnen bzw. durch sein Denken „den Ausgang“[66] aus der Unwissenheit finden will, ihn aber aufgrund seines beschrĂ€nkten Bewusstseins nicht oder leider niemals wirklich finden kann.

Der Begriff Trieb bezeichnet seit dem 18. Jahrhundert einen Fachausdruck der Philosophie als einen inneren Antrieb oder Drang.[67] Nach Kants ‘Kritik der reinen Vernunft’ ist „die menschliche Vernunft [
] durch eigenes BedĂŒrfnis [nach Erkenntnis] getrieben“.[68] 7. „Seine Gedanken hatten ja den Ausgang nicht gefunden. Der war die Hauptsache. Hatte er den gefunden, so ging er sowieso weiter. Daß die Menschen das nicht begreifen, daß ein Esel denken muß. 8. Das ist doch so natĂŒrlich.“[69] Hilles Esel wohnt wie dem Menschen ein natĂŒrlicher Trieb nach Erkenntnis inne. Allerdings weiß der Esel, dass es Menschen gibt. Das Tier stellt hier fest, dass die Menschen nicht wissen, „was ein Gedanke ist.“[70] Hier kann auf das benannte Paradoxon bezĂŒglich Machs Gedankenexperiment einerseits und dem Philosophen als vermeintlichem schrittweisen AufklĂ€rer rekurriert werden sowie auf die Tatsache, dass der von den Menschen als dumm benannte Esel die Menschen entsprechend als gedankenlos und damit als dumm bezeichnet.

Esel und Weltanschauung im Zusammenspiel bei Peter Hille

Dass Hille mit Untergehende Weisheit keine lustige Anekdote ĂŒber einen dummen Esel zum Besten gibt, dĂŒrfte den Rezipienten spĂ€testens ab Zeile 10 klar sein, wenn es heißt: „Der Esel hatte eine Weltanschauung. Und die war entstanden vom Kohlenkeller bis zum nĂ€chsten Kunden.“[71] Mit seiner Weltanschauung ist der Esel um 1900 nicht allein,  Weltanschauungsliteratur feiert gerade um die Jahrhundertwende Konjunktur.[72] Wissenschaftliche Fachgelehrte, die tradiertes Wissen nach streng genormten Verfahrensweisen erforschen werden zu Weltanschauungsschriftsteller, die unter Hinzunahme literarisch-Ă€sthetischer Mittel entsprechende Literatur verfassen und zugleich auch empirische Maßnahmen der zeitgenössischen Wissenschaften prĂ€sentieren.[73] Die vielfĂ€ltigen Ausformungen dieser Art von Literatur haben starken Geltungsanspruch. Die Texte sind meist umfangreich und beinhalten gewagte, wenn nicht gar radikale Thesen, wobei sich diese fragmentarisch auf unterschiedliche Theorien der zeitgenössischen Wissenschaften begrĂŒndet sehen wollen.[74] Die vielen opponierenden Anschauungen grĂŒnden sich auf die subjektive Lebenserfahrung und EindrĂŒcke ihrer Verfasser. Eine gemeinsame, allen Weltanschauungsliteraturen zugrundeliegende Funktion ist das Spenden von Trost im Zerfall der Werte, das Setzen fester Grenzen in der Ohnmachtserfahrung der Krise um die Jahrhundertwende.[75]

In der Philosophie wird unter ‘Weltanschauung’ nach Kant in seiner ‘Kritik der Urteilskraft’ ein Vermögen angenommen, das in der Lage ist, ein reines Gedankending als Noumenon „das Unendliche der Sinnenwelt in der reinen intellektuellen GrĂ¶ĂŸenschĂ€tzung unter einem Begriffe ganz zusammen[zufassen].“[76] Dieses Vermögen kann sich nach Kant also nicht allein auf sinnlicher Wahrnehmung begrĂŒnden. Dem Begriff Weltanschauung entspricht auch keine Sache, aus ihm können keine SchlĂŒsse ĂŒber die sich im Universum befindlichen Dinge abgeleitet werden.[77] In diesem Sinne besitzt das Vermögen eine Weltanschauung zu denken „in theoretischer Absicht zum Behuf des Erkenntnisvermögens“[78] keine Bedeutung.[79] Allerdings wird bei Hilles Esel ein Reflexionsprozess angestoßen (Ă€hnlich dem bei Mach angesprochenen Gedankenexperiment), wonach das bei Kant benannte Vermögen das Universum als Ganzes die „Schranken der Sinnlichkeit [
] zu ĂŒberschreiten sich vermögend fĂŒhlt.“[80]

Ernst Mach und das Gedankenexperiment im Zusammenhang mit Peter Hilles Untergehende Weisheit

 â€žDas Ich ist unrettbar“[81] lautet Ernst Machs Diagnose gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Er bezeichnet sich selbst als Naturforscher und nicht als Philosophen.[82] Das Bewusstsein sei eine Einheit, die scheinbare Kluft zwischen den Ergebnissen der Einzelwissenschaften sei in der jeweiligen Perspektive des Betrachters zu finden, woraus dann der Zusammenhang der Welt zu erklĂ€ren sei.[83] Laut dem Österreicher besteht kein Gegensatz zwischen Subjekt und Objekt, sondern die Erscheinung der Wirklichkeit kommt im sinnlich gegebenen zusammen.[84] Dadurch fielen GegensĂ€tze wie Ich und Welt weg. Das Reale sei einzig das affiziert wahrnehmbare, die Wirklichkeit zeige sich durch Empfindungen. Der Wissenschaft kommt in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, den Zusammenhang der aufkommenden PhĂ€nomene zu beschreiben.[85] Den Begriff Weltanschauung verwendet Mach als etwas Allumfassendes, wobei seine Ansicht einen rigorosen Monismus darstellt, „der den Anspruch erhebt, entscheidende Kategorien abendlĂ€ndischen Denkens und WeltverstĂ€ndnisses als Fiktion entlarvt zu haben.“[86]

Der metaphysische Zusammenhang fĂ€llt mit dieser Art zu denken weg, den Naturwissenschaften allein obliegt so die ErklĂ€rung der Welt. Da die konkreten metaphysischen ErklĂ€rungen wegfallen, ergibt sich die bereits erwĂ€hnte Unabgeschlossenheit des Ergebnisses wie bei dem von Mach erwĂ€hnten Gedankenexperiment.[87] Auch geht er davon aus, dass Tiere ebenso wie Menschen zum Experimentieren in Gedanken neigen, weil ihnen diese Eigenschaft von Natur aus angeboren sei.[88] „Sowohl wenn wir von der Beobachtung fremder Menschen oder Thierleiber auf deren Empfindungen schliessen, als auch, wenn wir den Einfluss des eigenen Leibes auf unsere Empfindungen untersuchen, mĂŒssen wir eine beobachtete Thatsache durch An a l o g i e ergĂ€nzen.“[89] Diese Aussage ist auf Hilles Text ĂŒbertragbar: Dem dummen Esel wird dort die FĂ€higkeit zugesprochen, aufgrund von Empfindungen in Gedanken experimentieren bzw. philosophieren zu können.

Versuch einer Deutung im Kontext bei Untergehende Weisheit von Peter Hille

Unter BerĂŒcksichtigung der zeitgenössischen Texte soll nun ein Deutungsversuch unternommen werden, der ob der zugrundeliegenden Methodik unvollstĂ€ndig bleiben wird – wiederum ganz im Rahmen von Hilles Text und dem Vorankommen des Esels. Leiteten die Zeilen 1 bis 9 das Vorgehen des Esels im Hinblick auf naturwissenschaftliche und philosophische Vorgehensweisen ein, so nehmen die Zeilen 10 bis 17 explizit Bezug auf den Boom der zeitgenössischen Weltanschauungsliteratur mit ihren sich gegenseitig widersprechenden Anschauungen. Besonders deutlich ist der Bezug auf Machs naturwissenschaftlichen Text festzustellen.

Der Esel kennt „zwei Dinge“[90], das eine schmeckt gut, das andere tut weh. Seine Welt besteht aus Empfindungen, die er als angenehm und unangenehm wahrnimmt. Der Esel kennt aber noch andere Dinge „die haben Beine wie wir.“[91] Diese Dinge nimmt der Esel ebenfalls ĂŒber seine Empfindungen wahr, da die anderen vierbeinigen Dinge ihn „beißen“[92] und „unvernĂŒnftigen LĂ€rm“[93] machen – sie verursachen also physischen Schmerz am Körper und in den Ohren. Eine Steigerung erfĂ€hrt diese unangenehme Erfahrung noch durch „die mit den zwei Beinen.“[94] Diese sorgen fĂŒr die dem Esel bereits aus Zeile 11 bekannten Dinge, die er als gut und schlecht wahrnimmt. Die Peitsche stört den Esel, wenn er „gerade im tiefsten Nachdenken“[95] ist. DafĂŒr bekommt er aber etwas Leckeres zum Fressen, selbst suchen darf er sich aber nichts, dann gibt es wieder die Peitsche.[96] „Warum sind sie so und dann auf einmal wieder so – daß kein Esel daraus klug werden kann?“[97] Der Esel versteht das alles nicht: Er geht und will denken, wird aber unterbrochen von Dingen, die seiner Ansicht nach nicht denken.[98] Gemeint ist hier der Mensch, der den Esel als Arbeitstier antreibt, ihn aber grundsĂ€tzlich auch behindert. Das ist fĂŒr den Esel paradox. Gleichermaßen muss dies auch den Rezipienten als paradox erscheinen.

Wir Esel – Das wir als Initiator zum selbstreflexiven Verlachen in Untergehende Weisheit

Im letzten Abschnitt mit den Zeilen 18 bis 20 kommt der Esel zu einer Schlussfolgerung. „Das ist die Welt, soweit wir mit ihn in unmittelbare BerĂŒhrung kommen.“ Er weiß, es gibt neben den ihm bekannten Dingen weitere Dinge. Die kennt er nicht.[99] Auch „von den Dingen, die sonst noch so sinnlos in der Welt herumtreiben können wir nichts aussagen“[100], konstatiert der Esel und bezieht mit dem wir alle Rezipienten in seine Schlussfolgerung ein. Das wir stellt in diesem Zusammenhang ein Stilmittel dar, welches von den Weltanschauungsverfassern in ihren Texten als Überzeugungsstrategie und direkt die Rezipienten ansprechendes Sprachelement genutzt wird. Auch Kant nutzt zur Ansprache seiner Leser das sympathisierende wir.

Der Esel ist der Ansicht, er bilde sich Existenz der Dinge nur ein.[101] „In wissenschaftlicher Vorsicht wollen wir sie das ‘Das Ding an sich’ nennen“[102] schließt er aus seiner Unkenntnis. Mit wissenschaftlicher Vorsicht und Das Ding an sich werden Begrifflichkeiten der naturwissenschaftlichen und philosophischen SphĂ€re in einem Satz benannt. Beide mĂŒnden in einer VorlĂ€ufigkeit der möglichen Erkenntnisse aus Sicht eines begrenzten Bewusstseins, in diesem Fall aus Sicht des Esels.

Esel und Ding an sich in Peter Hilles Untergehende Weisheit

Das Ding an sich ist „ein philosophischer Terminus, der seine PrĂ€gung v. a. durch Kant [in seiner ‘Kritik der reinen Vernunft’] erhalten hat.“[103] Die Grundeinsicht von Kant besteht darin, „dass alle unsere Erkenntnis durch unser Erkennen bestimmt ist, [wobei mit Erkenntnis] das Wissen von sinnlich Wahrnehmbarem gemeint“[104] ist und diese durch die Art des Denkens bestimmt ist. „Die Erscheinung ist Erscheinung von etwas, [
] das dem Bewusstsein erscheint“[105], und dies wird von Kant als Ding an sich bezeichnet: als unbekanntes Etwas, „ein Etwas = x, wovon wir gar nichts wissen, noch ĂŒberhaupt (nach der jetzigen Einrichtung unseres Verstandes) wissen können.“[106] Nach Kant lĂ€sst sich das Ding an sich nicht erkennen, aber denken mĂŒsse man es können, wobei das es das Bewusstsein affiziere.[107] Die Einsicht in die Begrenztheit des Bewusstseins trennt das naive Bewusstsein vom philosophischen und kann auf angenehme oder unangenehme Empfindungen verweisen, die durch das wahrnehmen allein nicht zu Ă€ndern sind.[108] Erscheinung und Ding an sich sind demnach zwei Aspekte an einem Gegenstand. „Der Begriff â€čErscheinungâ€ș bezieht den Gegenstand auf das Bewusstsein, dem er bewusst ist, der Begriff â€čDing an sichâ€ș auf dasjenige, was das Bewusstsein nicht aus sich selbst erklĂ€ren kann.“[109] Das Ding an sich kann demzufolge nicht erkannt werden, weil es das Etwas ist, was am Gegenstand der Erscheinung nicht erkannt werden kann. Der Begriff Ding an sich erfĂŒllt aber eine Funktion: „Er hĂ€lt unser Wissen offen.“[110] „Dieses, das [Ding an sich] soll garantieren, dass zwei Erscheinungen, eine falsche und eine wahre, aufeinander bezogen werden können. Das [Ding an sich] in seiner Funktion als IdentitĂ€tspunkt garantiert die Möglichkeit der Korrektur des Irrtums.“[111] Eine Erkenntnis kann sich nach Kant als falsch erweisen, sie ist unendlich korrigierbar und fortschreitend. Damit wĂ€re eine Gemeinsamkeit mit dem bereits aufgefĂŒhrten Gedankenexperiment nach Mach aufgezeigt, das letztlich auch stets unvollendet ist.

Der Esel und seine Dummheit als belustigendes Element bei Peter Hille

Eine mögliche, dem Text innewohnende Pointe neben vielen anderen besteht darin, dass der dumme Esel hier mit seinem begrenzten eseligen Denkvermögen und beschrĂ€nkten Esels-Bewusstsein zu derselben Schlussfolgerung kommt wie die menschlichen Naturwissenschaftler und Philosophen: Es gibt Dinge und damit Wissen, dass noch nicht erkannt wird. Und es besteht die Möglichkeit, dass bereits auf diesem sowie auch auf jenem Weg erworbenes Wissen falsch ist. Unter der diesem Beitrag zugrundeliegenden Fragestellung sind beispielsweise auch andere Deutungsvariationen möglich. Aber – fĂŒr den Esel ist wahr, was er wahrnimmt und fĂŒr wahr hĂ€lt. Es kommt auf den Blickwinkel an.

Im Grunde hat Peter Hille hier Weltanschauungsliteratur aus Perspektive eines Esels geschaffen, die alle Rezipienten und Weltanschauungsliteraten mit dem sympathisierenden wir einschließt und damit den satirischen Charakter des Texts aufzeigt, der in diesem Sinne die Dummheit des begrenzten und dennoch vermeintlich alles unter einer Weltanschauung vereinenden Bewusstseins aufzeigt. Sind wir nicht alle ein bisschen Esel? – könnte der Text fragen. Und das ist versöhnlich und sogar sehr witzig zu erkennen. Auf satirische Weise werden so die irrefĂŒhrenden opponierenden Weltanschauungsliteraturen der Moderne im Angesicht der Wahrnehmungskrise entblĂ¶ĂŸt.

Untergehende Weisheit von Peter Hille im Zeichen der Wahrnehmungskrise um 1900

„â€čW[eisheitâ€ș] zĂ€hlt in den unterschiedlichsten Kulturen und Epochen zu den Grundbegriffen einer umfassenden, zugleich theoretischen wie praktischen Daseinsorientierung.“[112] Der Begriff kann einmal konkret als philosophischer Begriff erkannt werden sowie auch im weltlichen Sinne als „ein ausgezeichnetes Wissen [beruhend] auf menschlicher Erfahrung.“[113] Aufgrund der dieser Arbeit zugrundeliegenden Methodik bleibt eine eindeutige Interpretation von Hilles Titelwahl verborgen. Unter BerĂŒcksichtigung des historischen Kontextes im Zeichen der Wahrnehmungskrise ist allerdings erkennbar, dass eine Weisheit, die untergeht, keinen Weisheitsanspruch mehr besitzt. Wenn die alles gemeingĂŒltige Wissen enthaltene Weisheit inklusive von allen, bis dato gemachten Erfahrungen einer Gemeinschaft untergeht, darf hier die Prognose fĂŒr solch eine Gesellschaft als katastrophal angesehen werden. Diese Gesellschaft ist nicht mehr zu retten.

Im Zusammenhang mit Hilles Satire erweitert sich der Interpretationsspielraum des Titels gewaltig, können hier unterschiedlichste Lesarten in Bezug auf zeitgenössische Veröffentlichungen, Problemstellungen und Diskurse sowie ĂŒberhaupt damals existierende philosophische und naturwissenschaftliche Texte im Allgemeinen sowie mit Blick auf die im Text genannten Begrifflichkeiten im Besonderen ausgemacht werden.

Was genau mit der Weisheit untergeht, bleibt somit offen und darf von dem jeweiligen Rezipienten unter dessen subjektiv-begrenztem Erkenntnishorizont betrachtet werden. Eines ist jedoch gewiss: Peter Hille vereinigt in seinem Text auch unter Verwendung semantischer Vielgestaltigkeit mit einer vieldeutbaren Offenheit sĂ€mtliche mehr oder weniger konkret erkennbare Aspekte aus verschiedensten Lebensbereichen der Moderne, womit sich sein breites Wissen ĂŒber zeitgenössisch aktuelle Diskurse offenbart.

Humor trotz Untergang bei Peter Hille

„Der Humor ist mehr, als Tragik: Er rĂŒhrt und stimmt fröhlich. Er ist die Menschheit unten und oben gefaßt, der Mensch findet sich ganz in ihm wieder.“[114] Im Zusammenhang mit Untergehende Weisheit soll Humor zum einen etwas angesehen werden, das GegensĂ€tze zusammenzieht, das Ideale mit dem Realen, das Niedrige mit dem Hohen verbindet.[115] „Oben wie unten“[116] umfasst dementsprechend die gesamte Menschheit und ihr Denken. Ziel des Gegensatzes ist letztlich, diese Kluft zu verringern.[117] Zum anderen erhĂ€lt der Humor aufgrund der satirischen Darstellungsoption die Möglichkeit, die Wirklichkeit als Misssstand, als Mangel oder gar als LĂŒge zu kennzeichnen.[118] Humor kann dichterisch eingesetzt werden, um eine Vereinigung von scheinbar unĂŒberbrĂŒckbaren GegensĂ€tzen auf einer höheren Ebene zu fordern und diese möglicherweise zu erlangen. In diesem Sinne stellt Humor eine auf Oppositionen grĂŒndende erkenntnistheoretische Denkbewegung dar. Mit Hilfe modellierter fiktionaler Kontexte können mit Humor bestehende Ordnungen unterlaufen, umgekehrt oder satirisch auf sich selbst zurĂŒckwerfen werden.[119] Dem Humor kommt dabei eine ĂŒberlegene Position, die etwas Befreiendes mit sich trĂ€gt.

„Die Erkenntnis der Begrenztheit zerstört nicht die Hoffnung auf Erlösung aus Begrenzung.“[120] Hille setzt möglicherweise Humor als Mittel der Erlösung gegen die Ambivalenz der Wahrnehmungskrise entgegen. Bei den Dingen zu sein, auch wenn sie im Angesicht der Dummheit oder untergehender Weisheit (was auch immer gemeint ist) trostlos sind und gleichzeitig aber als KĂŒnstler diese Wirklichkeit humoristisch-optimistisch aufzubrechen und dadurch möglicherweise eine Besserung der Welt zu erlangen, ist ein konstruktiver Anspruch von Hilles Dichtung, der auch in seinem fĂŒr das Kabarett aufbereiteten Text erkennbar ist.

Fazit zur Analyse von Peter Hilles Untergehende Weisheit im zeitgenössischen Kontext

Peter Hille geht mit seiner Satire Untergehende Weisheit prĂ€zise auf die vielgestaltigen Ausformungen der Krisenstimmung um 1900 ein. Der Text lĂ€sst sich im Hinblick auf zeitgenössische Diskurse der Kultur-, Epochen- und Gattungsgeschichte untersuchen und weist zugleich ein breites Spektrum literarisch-Ă€sthetischer Stilmittel auf sowie auch Elemente aus Hilles individualistischem KĂŒnstlerinventar.

ZunÀchst wurde die Umgestaltung der traditionellen Literaturgattungen um die Jahrhundertwende dargelegt, und aufgezeigt, dass insbesondere Peter Hille die Formen Kleiner Prosa in seinem Lebenswerk auf charakteristische Weise vertritt. Weiterhin wurde auf die Dynamisierung sÀmtlicher Lebensbereiche innerhalb der Moderne eingegangen, wobei aus der daraus hervorgehenden Wahrnehmungskrise die sogenannte Weltanschauungsliteratur als Symptom jener Krise eine besondere Signifikanz mit Funktion der Sinnstiftung zukommt.

Bei einem kulturgeschichtlichen Blick auf die Berliner Kabarettlandschaft und Hilles Verortung darin wurde festgestellt, dass der Dichter sich mit seinem eigenen Kabarett und einem literarisch hochwertigen Programm von den Darbietungen in den Berliner Überbrettls mit ihrem zwielichtigen, doppeldeutigen Humor absetzen wollte.

Beobachtungen zur Weltanschauungsliteratur und Peter Hilles Untergehende Weisheit

Im Anschluss daran erfolgte die Untersuchung von Untergehende Weisheit im Hinblick auf die zuvor dargelegten Erkenntnisse im historischen Kontext. Beobachtet wurde, dass Peter Hille unter RĂŒckgriff auf philosophische und naturwissenschaftliche Begrifflichkeiten Weltanschauungsliteratur aus Sicht eines dummen Esels darstellt, wobei die Eselsperspektive mit dem sympathisierend genutzten wir auf die Rezipienten ĂŒbertragen und so das Paradoxe an den zeitgenössischen Weltanschauungen bloßgestellt wird. Explizit konnten Gemeinsamkeiten mit einem um 1900 veröffentlichten Werk aus dem Bereich der Naturwissenschaft sowie bereits bekannten philosophischen Abhandlungen veranschaulicht werden.

Unter BerĂŒcksichtigung der zugrundeliegenden Methodik muss letztlich anerkannt werden, dass aufgrund der Vieldeutigkeit mit Blick auf die zeitgenössischen Diskurse sowie die Ă€sthetischen Mittel ein allumfassendes Erkennen verborgen bleibt. Ebenjene Vieldeutigkeit darf jedoch dem dichterischen Können von Peter Hille zugeschrieben werden, der sein Werk derart oszillierend literarisch aufbereitet hat, dass Rezipienten bei stets etwas anderes erkennen können (sofern sie imstande sind ihren Blickwinkel zu verĂ€ndern).

BezĂŒglich eines möglichen Vortrags in einem Kabarett kommt der satirische Charakter sowie der Hilles Werken allgemein innewohnende Humor anschaulich an der Vermischung von naturwissenschaftlicher und philosophischer SphĂ€re zum Vorschein. In diesem Sinn stellt Hilles Text eine Kritik an die zeitgenössischen UmstĂ€nde mit Blick auf die vermeintlich sinnstiftenden Weltanschauungsliteraturen in Zeiten der Wahrnehmungskrise dar, wobei dem Humor hier etwas Befreiendes zukommt, das im Angesicht der Krisenausformungen der Moderne durchaus ein konstruktiver Anspruch des Dichters gewesen sein könnte.

WeiterfĂŒhrende Untersuchungen können Hilles Werk mit Texten und kabarettistischen Darbietungen anderer Autoren in Beziehung setzen, um Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Funktionen in ihrem jeweiligen zeitgenössischen und Ă€sthetischen Kontext aufzuzeigen.

Peter Hilles Untergehende Weisheit als literarisches Kunstobjekt

Peter Hilles Untergehende Weisheit steht damit exemplarisch fĂŒr ein literarisches Kunstobjekt im Zeichen der Wahrnehmungskrise um 1900, wobei schon der Titel richtungsweisend ist: Weder Naturwissenschaften noch Philosophie können allumfassende Antworten geben. Auch die vielfach veröffentlichte Weltanschauungsliteratur kann keine allgemeingĂŒltige Antwort im Zeichen der Krise geben – sie nutzen allen Inhalt aus dem der Gesellschaft traditionell zur VerfĂŒgung stehenden Wissen. Es wird nichts Neues hinzugefĂŒgt.

Diese Erkenntnis macht Untergehende Weisheit zu einem vielschichtigen und tiefgrĂŒndigen Werk, dass sich jedem Rezipienten zu jeder Zeit unter einem neuen Blickwinkel anders prĂ€sentieren kann. In dieser Hausarbeit wurde in diesem Zusammenhang nur ein Bruchteil möglicher Lesarten aufgezeigt. Mit jedem Betrachten können andere und wieder andere Dinge gefunden werden. „So etwas Unglaubliches ist in seinen BĂŒchern, daß man glaubt sie seien nicht von einem, der da lebt.“[121] Peter Hille ist tot – aber es bleibt das Unglaubliche seiner Werke.

Katrin Beißner

Literatur

PrimÀrliteratur

Hanns Heinz Ewers: Das Cabaret (Das Theater 11), Berlin [u. a.] 1904.

Peter Hille: Die Literatur der Erkenntnis und der Humor. Ein Essay, in: Gödden, Walter (Hg.): Peter Hille (1854-1904). Werke zu Lebzeiten nach den Erstdrucken und in chronologischer Folge. Teil 1 (1876-1889) (Reihe Texte 5), Bielefeld 2007.

Peter Hille: Gesammelte Werke in sechs BĂ€nden Band 1: Gedichte und Schriften, Paderborn 1984.

Peter Hille: Gesammelte Werke in sechs BĂ€nden Band 4: Kurzprosa und Prosa-Fragmente (II). Herausgegeben von Friedrich Kienecker, Paderborn 1985.

Peter Hille: Gesammelte Werke Band 5. Essays und Aphorismen, herausgegeben von Friedrich und Michel Kienecker, Paderborn 1986.

Peter Hille: Ich bin, also ist Schönheit. Lyrik, Prosa, Aphorismen, Essays, herausgegeben von RĂŒdiger Bernhardt, unter Mithilfe von Heidi Ruddigkeit. Mit einem Nachw. von RĂŒdiger Bernhardt, Leipzig 1989.

Peter Hille: SĂ€mtliche Briefe. Kommentierte Ausgabe (Literaturkommission fĂŒr Westfalen – Reihe Texte 18), herausgegeben und bearbeitet von Walter Gödden und Nils RottschĂ€fer, Bielefeld 2010.

Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, herausgegeben von Benno Erdmann. FĂŒnfte, durchgĂ€ngig revidierte Auflage, Berlin 1900.

Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Beilage Erste Einleitung in die Kritik der Urteilskraft. Mit Einleitungen und Bibliographie herausgegeben von Heiner F. Klemme, Hamburg 2009.

Ernst Mach: Über Gedankenexperimente, in: Zeitschrift fĂŒr den Physikalischen und Chemischen Unterricht X/1 (1897), S. 1-5.

Ernst Mach: Die Analyse der Empfindungen und das VerhÀltniss des Physischen zum Psychischen. Zweite vermehrte Auflage der BeitrÀge zur Analyse der Empfindungen, Jena 1900.

SekundÀrliteratur

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Bunzel, Wolfgang: »Echte Lyrik nĂ€hrt sich von der feinsten Epik.« Peter Hilles Kurzprosa im Ă€sthetischen Kontext ihrer Zeit, in: Gödden, Walter; Kienecker, Michael (Hg.): Prophet und Prinzessin – Peter Hille und Else Lasker-SchĂŒler. Mit Berichten aus der Werkstatt der Peter-Hille-Forschungsstelle (Veröffentlichungen der Literaturkommission fĂŒr Westfalen 19), Bielefeld 2006, S. 69-84.

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[1] Hanns Heinz Ewers: Das Cabaret (Das Theater 11), Berlin [u. a.] 1904, S. 65-66. [2] Ebd., S.61. [3] RottschĂ€fer, Nils: Peter Hille (1854-1904). Eine Chronik zu Leben und Werk (Veröffentlichungen der Literaturkommission fĂŒr Westfalen 44), Bielefeld 2010, S. 492 und 494. [4] Ebd., S. 90. [5] Göttsche, Dirk: Aufbruch der Moderne. Hugo von Hofmannsthals Chandos-Brief im Kontext der Jahrhundertwende, in: Althaus, Thomas; Matuschek, Thomas (Hg.): Interpretationen zur neueren deutschen Literaturgeschichte (MĂŒnsteraner EinfĂŒhrung – Germanistik – 3, MĂŒnster [u. a.] 1994, S. 180. [6] KĂŒhne, Udo: s. v. Artes liberales, in: RLW 1 (2007), S. 144. [7] Weimar, Klaus: s. v. Hermeneutik, in: RLW 2 (2007), S. 25. [8] Figal, GĂŒnter: s. v. Hermeneutik, in: RLW 2 (2007), S. 29. [9] Ebd., S. 30. [10] Göttsche: Aufbruch der Moderne, S. 181. [11] Göttsche, Dirk: Kleine Prosa in Moderne und Gegenwart (Literaturwissenschaft. Theorien und Beispiele 8), MĂŒnster 2006, S. 8. [12] Blamberger, GĂŒnther: s. v. Moderne, in: RLW 2 (2007), S. 620. [13] Bunzel, Wolfgang: »Echte Lyrik nĂ€hrt sich von der feinsten Epik.« Peter Hilles Kurzprosa im Ă€sthetischen Kontext ihrer Zeit, in: Gödden, Walter; Kienecker, Michael (Hg.): Prophet und Prinzessin – Peter Hille und Else Lasker-SchĂŒler. Mit Berichten aus der Werkstatt der Peter-Hille-Forschungsstelle (Veröffentlichungen der Literaturkommission fĂŒr Westfalen 19), Bielefeld 2006, S. 72-73. [14] Ebd., S. 74. [15] Ebd., S. 75-77. [16] Ebd., S. 78. [17] Ebd., S. 76. [18] Bunzel: »Echte Lyrik nĂ€hrt sich von der feinsten Epik.«, S. 79. [19] Peter Hille: Die Literatur der Erkenntnis und der Humor. Ein Essay, in: Gödden, Walter (Hg.): Peter Hille (1854-1904). Werke zu Lebzeiten nach den Erstdrucken und in chronologischer Folge. Teil 1 (1876-1889) (Reihe Texte 5), Bielefeld 2007, S. 39. [20] Göttsche: Kleine Prosa in Moderne und Gegenwart, S. 8. [21] Ebd., S. 26. [22] Ebd., S. 18. [23] Koselleck, Reinhart: s. v. Krise, in: Geschichtliche Grundbegriffe 3 (1982), S. 617. [24] Drehsen, Volker; Sparn, Walter: Die Moderne: Kulturkrise und Konstruktionsgeist, in: Drehsen, Volker; Sparn, Walter (Hg.): Vom Weltbildwandel zur Weltanschauungsanalyse. Krisenwahrnehmung und KrisenbewĂ€ltigung um 1900, Berlin 1996, S. 11-12. [25] Ebd., S. 16. [26] ThomĂ©, Horst: Weltanschauungsliteratur. VorĂŒberlegungen zu Funktion und Texttyp, in: Dannenberg, Lutz; Vollhardt, Friedrich (Hg.) in Zusammenarbeit mit Hartmut Böhme und Jörg Schönert: Wissen in Literatur im 19. Jahrhundert, TĂŒbingen 2002, S. 344. [27] Mies, Thomas: s. v. Weltanschauung, in: EnzyklopĂ€die Philosophie 3 (2010), S. 2963. [28] ThomĂ©: Weltanschauungsliteratur, S. 353. [29] Ebd., S. 338. [30] Ebd., S. 341-342 [31] Roth, Udo: »Uns ist so kannibalisch wohl!«. Wissenschaft und Literatur im Spannungsfeld der Weltanschauungen um 1900, in: Ammon, Frieder von; RĂ©mi, Cornelia; Stiening, Gideon (Hg.): Literatur und praktische Vernunft, Berlin [u. a.] 2016, S. 562-563. [32] Scharnowski, Susanne: Wahrnehmungsschwellen. Krise des Sehens und Grenzen des Ich bei Eduard von Keyserling, in: Illner, Birgit; Möbus, Frank; Saul, Nicholas; Steuer, Daniel: Schwellen. Germanistische Erkundungen einer Metapher, WĂŒrzburg 1999, S. 47-49. [33] ThomĂ©: Weltanschauungsliteratur, S. 48. [34] Stein, Roger: Das deutsche Dirnenlied. Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht, Köln [u. a.] 2007, S. 24f. [35] Langner, Martin: Im Kabarett von Peter Hille, Erich MĂŒhsam und Peter Hille, in: Literatur und Politik vor dem 1. Weltkrieg. Erich MĂŒhsam und die BohĂšme (Schriften der Erich-MĂŒhsam-Gesellschaft 15), LĂŒbeck 1999, S. 11. [36] Ebd., S. 13. [37] Bernhardt, RĂŒdiger: „Ich bestimme mich selbst.“ Das traurige Leben des glĂŒcklichen Peter Hille (1854-1904), in: Langner, Martin M.: Peter Hille (1854-1904), Berlin 2004, S. 79. [38] Langner: Im Kabarett von Peter Hille, S. 13. [39] Peter Hille: SĂ€mtliche Briefe. Kommentierte Ausgabe (Literaturkommission fĂŒr Westfalen – Reihe Texte 18), herausgegeben und bearbeitet von Walter Gödden und Nils RottschĂ€fer, Bielefeld 2010, S. 432; Der Begriff „plebejer“ steht im Zusammenhang mit StandeskĂ€mpfen der frĂŒhen römischen Republik und kann im Zusammenhang mit der Darstellung im Kabarett ĂŒbertragen werden auf die zeitgenössischen StandeskĂ€mpfe des aufstrebenden BĂŒrgertums gegen die adelige Obrigkeit. [40] Kienecker, Michael: »Der Humor ist der Modelleur der Welt«. »Humor« als poetologische Kategorie bei Peter Hille, in: Bartl, Andrea; Magen, Antonie (Hg.): Auf den Schultern des Anderen. Festschrift fĂŒr Helmut Koopmann zum 75. Geburtstag, Paderborn 2008, S. 116. [41] Waldow, Stephanie: s. v. Blau, in: Metzler Lexikon literarischer Symbole (2010), S. 48. [42] Ebd. [43] Peter Hille: SĂ€mtliche Briefe, S. 432. [44] Peter Hille: Gesammelte Werke in sechs BĂ€nden Band 5. Essays und Aphorismen, herausgegeben von Friedrich und Michel Kienecker, Paderborn 1986, S. 194. [45] Ebd., S. 196. [46] Langner: Im Kabarett von Peter Hille, S. 23. [47] Langner: Im Kabarett von Peter Hille, S.25. [48] RottschĂ€fer: Peter Hille (1854-1904), S. 492. [49] Der Text ist (soweit Recherchen ergaben) in den Gesammelten Werken Band 4 das erste Mal abgedruckt erschienen. Wahrscheinlicher ist, dass Hille ihn in seinem eigenen oder einem anderen Kabarett vortrug. Bis zur Abgabe dieser Hausarbeit konnte kein Hinweis auf einen entsprechenden Vortrag gefunden werden. [50] Brummack, JĂŒrgen: s. v. Satire, in: RLW 3 (2010), S. 355. [51] Peter Hille: Gesammelte Werke in sechs BĂ€nden. Band 4: Kurzprosa und Prosa-Fragmente (II). Herausgegeben von Friedrich Kienecker, Paderborn 1985, S.181-182. Der Text ist in ebendieser Form ĂŒbernommen worden. Etwaige grammatikalische oder orthografische AuffĂ€lligkeiten sind gleichfalls mit ĂŒbernommen worden. [52] Ernst Mach: Über Gedankenexperimente, in: Zeitschrift fĂŒr den Physikalischen und Chemischen Unterricht X/1 (1897), S. 2. [53] Krauthausen, Karin: Ermittlung der Empirie. Zu Ernst Machs Methoden des Gedankenexperiments, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 38/1 (2015), S. 16. [54] Bunzel: »Echte Lyrik nĂ€hrt sich von der feinsten Epik.«, S. 83. [55] Peter Hille: Gesammelte Werke Band 5, S. 369. [56] Kranz, Margarita: s. v. Peripatetisch, in HWPh 7 (1989), Sp. 262. [57] Peter Hille: Gesammelte Werke Band 4, S. 181. [58] Grimm; Jacob; Grimm, Wilhelm: s. v. esel, in: Deutsches Wörterbuch 3 (1971), Sp. 1144. [59] Ebd., Sp. 1145. [60] Peter Hille: Gesammelte Werke in sechs BĂ€nden Band 1: Gedichte und Schriften, Paderborn 1984, S. 149-150. [61] Gödden, Walter; Ilbrig, Cornelia: Hymnus der Dummen / Hymnus an die Dummheit – Zum VerhĂ€ltnis von Formenstrenge und inhaltlicher Konkretion, in: Gödden, Walter; Kienecker, Michael (Hg.): Prophet und Prinzessin – Peter Hille und Else Lasker-SchĂŒler. Mit Berichten aus der Werkstatt der Peter-Hille-Forschungsstelle (Veröffentlichungen der Literaturkommission fĂŒr Westfalen 19), Bielefeld 2006, S. 367. [62] Mach: Über Gedankenexperimente, S. 4. [63] Peter Hille: Gesammelte Werke 4, S. 182. [64] Ebd. [65] Ebd. [66] Ebd. [67] Wetz, Franz Josef: s. v. Trieb, in HWPh 10 (1998), Sp. 1483. [68] Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, herausgegeben von Benno Erdmann. FĂŒnfte, durchgĂ€ngig revidierte Auflage, Berlin 1900, S. 56. [69] Hille: Gesammelte Werke Band 4, S. 182. [70] Ebd., S. 182. [71] Hille: Gesammelte Werke Band 4, S. 182. [72] ThomĂ©: Weltanschauungsliteratur, S. 339. [73] Ebd., S. 356. [74] ThomĂ©, Horst: Der Blick auf das Ganze. Zum Ursprung des Konzepts ,Weltanschauung‘ und der Weltanschauungsliteratur, in: Frick, Werner; Komfort-Hein, Susanne; Schmaus, Marion; Voges, Michael (Hg.): AufklĂ€rungen: Zur Literaturgeschichte der Moderne. Festschrift fĂŒr Klaus-Detlef MĂŒller zum 65. Geburtstag, TĂŒbingen 2003, S. 391. [75] Ebd., S. 392. [76] Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Beilage Erste Einleitung in die Kritik der Urteilskraft. Mit Einleitungen und Bibliographie herausgegeben von Heiner F. Klemme, Hamburg 2009, S. 119-120. [77] ThomĂ©: Der Blick auf das Ganze, S. 390-391. [78] Kant: Kritik der Urteilskraft, S. 120. [79] ThomĂ©: Der Blick auf das Ganze, S. 390. [80] Kant: Kritik der Urteilskraft, S. 120. [81] Ernst Mach: Die Analyse der Empfindungen und das VerhĂ€ltnis des Physischen zum Psychischen. Zweite vermehrte Auflage der BeitrĂ€ge zur Analyse der Empfindungen, Jena 1900, S. 17. [82] Ebd., S. VII. [83] Ebd., S. 19-20. [84] Kemper, Hans-Georg: Vom Expressionismus zum Dadaismus. Eine EinfĂŒhrung in die dadaistische Literatur, Kronberg [u. a.] 1974, S. 111. [85] Ebd. [86] Kemper: Vom Expressionismus zum Dadaismus, S. 111. [87] Ebd. [88] Krauthausen: Ermittlung der Empirie, S. 30. [89] Mach: Die Analyse der Empfindungen, S. 12. [90] Hille: Gesammelte Werke Band 4, S. 182. [91] Ebd. [92] Ebd. [93] Hille: Gesammelte Werke Band 4, S. 182. [94] Ebd., S. 182. [95] Ebd. [96] Ebd. [97] Ebd. [98] Ebd. [99] Ebd. [100] Ebd. [101] Ebd., S. 182. [102] Ebd., S.181-182. [103] Jacobs, Wilhelm G.: s. v. Ding an sich, in: EnzyklopĂ€die Philosophie 1 (2010), S. 426. [104] Ebd. [105] Ebd. [106] Kant: Immanuel Kant’s Kritik der reinen Vernunft, S. 243. [107] Jacobs: s. v. Ding an sich, S. 426. [108] Ebd. [109] Ebd., S. 427. [110] Ebd. [111] Ebd. [112] Speer, Andreas.: s. v. Weisheit, in: HWPh 12 (2004), Sp. 371. [113] Ebd. [114] Gödden, Walter (Hg.): Peter Hille (1854-104) Werke zu Lebzeiten nach den Erstdrucken und in chronologischer Folge, Teil 1 (1876-1889) (Literaturkommission fĂŒr Westfalen – Reihe Texte 5), Bielefeld 2007, S. 44. [115] Kienecker: »Der Humor ist der Modelleur der Welt«, S. 117. [116] Hille: Gesammelte Werke Band 4, S. 181. [117] Kienecker: »Der Humor ist der Modelleur der Welt«, S. 126. [118] Brummacker: s. v. Satire, S. 355. [119] Hille: Gesammelte Werke Band 4, S. 128. [120] Ebd. [121] Peter Hille: Ich bin, also ist Schönheit. Lyrik, Prosa, Aphorismen, Essays, herausgegeben von RĂŒdiger Bernhardt, unter Mithilfe von Heidi Ruddigkeit. Mit einem Nachw. von RĂŒdiger Bernhardt, Leipzig 1989, S. 221.

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Dieser Blog dient dem Interpretieren von Literatur, Filmen und Kunst, individuellen Erfahrungen und der RealitÀt. Die Analysen und Interpretationen erfolgen als Gedankenexperimente im Rahmen einer BeschÀftigung mit dem ErzÀhlen, literarischen Figuren, historischen Personen sowie realen Menschen unter Anwendung literaturwissenschaftlicher Theorien und Methoden.

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