Schlagwort: Perspektive

Wer steht hinter Literarische Gedankenexperimente?

Hinter den literarischen Gedankenexperimenten stehe ich – eine Literaturwissenschaftlerin, die in Texten entdeckt, was andere übersehen.

Nach meinem Studium der Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt auf mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur fasziniert mich bis heute, wie Geschichten über Jahrhunderte hinweg wirken und uns prägen. Was als wissenschaftliche Neugier begann, ist zu einer Leidenschaft geworden: Ich erkenne Muster in unterschiedlichen Erzählungen, analysiere Figuren undsuche nach verborgenen Verbindungen – das sind meine Gedankenexperimente. Dabei interessiert mich nicht nur, was Autorinnen und Autoren geschrieben haben, sondern auch das, was zwischen den Zeilen steht und wie es mit unserer heutigen Welt in Resonanz tritt.

Derzeit arbeite ich an drei Projekten: einer Studie zur historischen Figurennarratologie in der frühneuzeitlichen Novellistik, einem medienhistorischen Vergleich zweier Widmungsbriefe sowie einem Beitrag zur Intermedialität auf Basis unveröffentlichter Quellen.
Mehr über meine Interessen gibt es unter Über mich.

  • Der Zauberer von Oz: Conditio humana im blinden Fleck der Figuren

    Der Zauberer von Oz bzw. The Wonderful Wizard of Oz von Lyman Frank Baum ist ein bekanntes amerikanisches Märchen und hat in den USA so in etwa denselben Stellenwert wie hierzulande die Märchen der Gebrüder Grimm. Zumindest das für den Film The Wizard of Oz (1939) komponierte Lied Over the Rainbow oder Somewhere Over the…

  • Grenzen der Erkenntnis: McEwans Was wir wissen können als literarische Reflexion über Wahrheit und Überlieferung

    Der Roman Was wir wissen können von Ian McEwan greift ein Thema auf, das besonders für mich als Literaturwissenschaftlerin äußerst interessant ist: Wie viel lässt sich mit Quellensichtung, Wissen über Biographien, zeitgenössischem Kontext, literarischen Werken und Aussagen von Zeitzeugen über die vergangene Wahrheit rekonstruieren? Für die Beantwortung dieser Frage versetzt McEwan seinen Protagonisten in die…

  • Joan McBreens The Poetry of Silence Vilhelm Hammershøi – Kunst über Kunst

    Anlässlich der großen Hammershøi-Retrospektive in der Royal Academy London im Jahr 2008 verfasste die irische Dichterin Joan McBreen das Gedicht Vilhelm Hammershøi: The Poetry of Silence. Es erschien 2011 und ist weit mehr als eine ekphrastische Beschreibung von Hammershøis Malerei. McBreen erschafft ein literarisches Interieur, das die Essenz des dänischen Künstlers beschreibt und mit Worten…

  • Daniel Glattauer – In einem Zug: Klischees, Kommunikation, Konventionen

    Ich habe Daniel Glattauers In einem Zug in einem Buchladen gefunden; unter den Beststellern. Ein schweifender Blick auf den Rückseitentext und ich war angefixt. Das Thema hörte sich spannend an und ich selbst konnte mich aufgrund der vielen Zugfahrten, die ich in meinem bisherigen Leben unternommen habe, damit identifizieren. Kurz gesagt, geht es um einen…

  • Olga Martynova – Der Engelherd

    Der mögliche Erwerb nicht-propositionaler Erkenntnis durch Lektüre [Johanna sagte:] »Ich denke oft, die Nazis haben so viel Schuld auf uns Deutsche geladen, die jedoch nie gebüßt wurde.« [Lu antwortete: »…] wir sind die lebensunfähigste Generation aller Zeiten, von Neurosen befallen wie noch nie in der Geschichte, alle depressiv, alle entnervt, handlungsunfähig […].«[1] Die Schuld betrifft…

  • To Kill a Mockingbird: Harper Lees unbequeme Wahrheiten über Rassismus

    To Kill a Mockingbird von Harper Lee erschien 1930, ins Deutsche übersetzt wurde der Titel mit Wer die Nachtigall stört. Das Buch wurde 1961 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, dem wichtigsten US-amerikanischen Medienpreis für Literatur, Journalismus und Musik. Auch die Verfilmung mit Gregory Peck in der Rolle des Atticus Finch von 1962 erhielt drei Oscars. Die…

  • Oben Erde, unten Himmel – Milena Michiko Flašar: Roman über Einsamkeit, Tod & Kodokushi

    In Japan sterben jährlich über 76.000 Menschen einsam in ihren Wohnungen. Erst Wochen oder Monate später werden sie gefunden – Kodokushi nennt man dieses Phänomen. Milena Michiko Flašars Roman Oben Erde, unten Himmel erzählt davon mit außergewöhnlicher Wärme und Würde. Bewegt sich der Roman also tatsächlich am Rande der „Wohlfühliteratur“[1]? Dem stimme ich aus mehrfachen…