Maria Höck und Juliana Kralik: Ein Einhorn namens Oktober

Zuletzt bearbeitet am 6. Dezember 2025

2. Dezember | Für den zweiten Tag habe ich mir ein Buch ausgesucht, dass sich an Kinder wendet und sich mit wichtigen Angelegenheiten auseinandersetzt: Was macht mich besonders? Was kann ich gut? Diese Fragen beschäftigen Kinder früh, wobei die Antworten darauf ihr Selbstbild prägen. Ein Einhorn namens Oktober von Maria Höck und Juliana Kralik verpackt eben diese Fragen in die Geschichte von dem kleinen Einhorn Oktober, das auf der Suche nach seinem ganz besonderen Talent ist. Die liebevoll illustrierten Bilder unterstützen die kurzen Texte stimmungsvoll, sodass die Geschichte auf ohne Worte verständlich wäre. Ein Einhorn namens Oktober ist auch eine Geschichte über Freundschaft. Denn oft können uns liebe Menschen gerade die Stärken in uns erkennen, die wir selbst übersehen. Und Freundlichkeit ist gerade deshalb eine ganz besondere Gabe, weil sie geteilt werden kann. Ein Einhorn namens Oktober ist ein Bilderbuch, das Kinder zum Entdecken ihrer Einzigartigkeit ermutigt und gleichzeitig zeigt: Manche Talente machen die Welt erst dann besser, wenn wir sie miteinander teilen.

Ein Einhorn namens Oktober ist lesenswert, weil…

👉 es Kindern zeigt, dass nicht nur spektakuläre Talente wertvoll sind, sondern auch zwischenmenschliche Gaben.

👉 es Kindern Mut macht, in sich besondere Eigenschaften zu erkennen, die vielleicht weniger offensichtlich sind.

👉 das Buch vermittelt, dass es nicht darum geht, der Schnellste oder Beste zu sein, sondern aufmerksam und freundlich durchs Leben zu gehen.

👉 die Freundschaft zwischen Oktober und dem Eichhörnchen zeigt, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der an einen glaubt.

👉 Kinder durch das Buch lernen, dass Helfen und Freundlichkeit keine Zeitverschwendung sind, sondern das Leben aller bereichern.

👉 die Geschichte zeigt, wie unterschiedlich Talente sein können und dass jede Gabe ganz besonders ist.

👉 die Botschaft vermittelt wird, dass wahre Magie in den kleinen, liebevollen Gesten des Alltags liegt.

Maria Höck und Juliana Kralik: Ein Einhorn namens Oktober (2025)

Zusammenfassung von Ein Einhorn namens Oktober

Oktober ist ein kleines Einhorn, das im Oktober geboren wurde und ein Eichhörnchen als besten Freund hat. Wenn sie ein Jahr alt werden, wird den Einhörnern ihre magische Gabe offenbart – doch bei Oktober scheint das nicht zu funktionieren. Während alle anderen Einhornkinder schon wissen, was sie besonders gut können, hat Oktober seine einzigartige Fähigkeit noch nicht erhalten. Gemeinsam mit seinem Freund probiert er alles Mögliche aus: besonders gut riechen, fliegen und mehr – nichts kann Oktober besonders gut. Beim Wettrennen beispielsweise kommt Oktober viel zu spät an, weil er unterwegs alle Tiere grüßt und mit ihnen plaudert. Verzweifelt glaubt er, gar keine besondere Gabe zu besitzen. Doch dann sammelt sein Eichhörnchen-Freund Botschaften all der Tiere, denen Oktober begegnet ist. Sie alle bedanken sich für seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. So erkennt Oktober: Freundlichkeit ist seine magische Gabe – und die ist genauso wertvoll wie alle anderen.

Pädagogischer Wert von Ein Einhorn namens Oktober

Ein Einhorn namens Oktober ist aus mehreren Gründen pädagogisch außerordentlich wertvoll. In einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der bereits Kindergartenkinder gefördert und auf messbare Talente hin beobachtet werden, bietet dieses illustrierte Buch einen wichtigen Gegenpol. Vermittelt wird so auf kreative und spielerische Weise, dass soziale Kompetenzen wie Empathie, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit eigenständige und wertvolle Fähigkeiten sind. Das ist besonders in einer Gesellschaft, in der messbare Leistungen oft mehr geschätzt werden als zwischenmenschliche Fähigkeiten nicht mehr selbstverständlich – sondern ganz besonders.

Somit stärkt das Vorlesen von Ein Einhorn namens Oktober das Selbstverständnis von Kindern, die sich vielleicht in klassischen Wettbewerbssituationen nicht hervortun, aber durch ihre soziale Art glänzen. Und selbst wenn dem nicht so sein sollte, verweist das Buch darauf, dass es völlig in Ordnung ist, wenn man seinen eigenen Weg geht und sich Freundlichkeit im Umgang mit anderen bewahrt – ganz im Sinne des Sprichworts geteilte Freude ist doppelte Freude. Das Buch fördert prosoziales Verhalten, indem es Freundlichkeit als magisch darstellt und positiv hervorhebt.

Besonders gut gefällt mir die Idee mit dem Glas voller Dankesbotschaften, die das Eichhörnchen für Oktober sammelt. So wird durch den besten Freund sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt – die positiven Auswirkungen unseres freundlichen Handelns auf andere. Tatsächlich ist es ja oft im Alltag so, dass gerade diese Dinge keine Rückmeldung erfahren. Kinder lernen durch das Buch, dass ihre Taten Spuren hinterlassen, auch wenn sie nicht immer sofort eine Rückmeldung bekommen.

Zudem zeigt Ein Einhorn namens Oktober, wie wichtig Freundschaft und Unterstützung sind: Das Eichhörnchen hilft Oktober aktiv dabei, seine Stärke zu erkennen. Dies kann Kindern vermitteln, wie sie selbst gute Freunde sein können – durch Unterstützung, Aufmunterung und Ermutigungen.

Illustrationen als Verstärker der Botschaft

Juliana Kraliks Illustrationen sind mehr als einfach nur schön, sie sind wichtige Begleitelemente zum Text und verdeutlichen, was Worte nicht sagen können. Sie unterstützen die emotionale Wirkung der Geschichte. Die Bilder machen Oktobers Suche nach der eigenen Fähigkeit visuell nachvollziehbar: Die Worte spiegeln sich in den jeweiligen Szenen und hauchen dem Text durch Farbgebung, Mimik und Körperhaltung Leben ein.

Wenn Oktober den alten Bären begrüßt oder den Mistkäfern Komplimente macht, werden diese Momente visuell inszeniert und Oktobers Freundlichkeit als Gabe bereits vor der Enthüllung besonders dargestellt und für jeden sichtbar gemacht. Kinder können in den Bildern sehen, wie Oktobers Aufmerksamkeit die anderen Tiere berührt. So wird das abstrakte Konzept der „Freundlichkeit“ konkret für Kinder greifbar.

Die Darstellung des Eichhörnchens als treuer Freund und Helfer unterstreicht die Bedeutung von Freundschaft. Oktober und sein bester Freund sind zusammen und unternehmen viel gemeinsam wie beste Freunde das eben machen. Alles in allem verleihen die Illustrationen dem Buch das gewisse Etwas, ein Extra an Magie und es macht Spaß sich die Bilder zusammen mit dem Text anzusehen.

Katrin Beißner
Zitation
Beißner, Katrin (2025) Maria Höck und Juliana Kralik: Ein Einhorn namens Oktober, Interpretationen von Erzählwelten. Available at: https://literarische-gedankenexperimente.de/2025/12/02/maria-hoeck-und-juliana-kralik-ein-einhorn-namens-oktober/ (Aufgerufen am: 17. Januar 2026, 16:54)

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Dieser Blog dient dem Interpretieren von Literatur, Filmen und Kunst, individuellen Erfahrungen und der Realität. Die Analysen und Interpretationen erfolgen als Gedankenexperimente im Rahmen einer Beschäftigung mit dem Erzählen, literarischen Figuren, historischen Personen sowie realen Menschen unter Anwendung literaturwissenschaftlicher Theorien und Methoden.

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