Wind River: Figuren als Ankläger realer Reservatsgewalt

Cory Lambert ist in Wind River Spurenleser und arbeitet als Jäger im Wind-River-Reservat. Seine Tochter kommt durch ein Gewaltverbrechen zu Tode - er kann mit seinen Fähigkeiten im Spurenlesen bei der Aufklärung des Verbrechens helfen.

Wind River[1] ist ein Independent-Film der jüngeren Vergangenheit von Taylor Sheridan, der sich genretechnisch als Mischung aus Drama und Krimi präsentiert. Die Handlung spielt im gleichnamigen Wind-River-Reservat[2], das im US-Bundesstaat Wyoming liegt. Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) findet auf der Jagd nach Pumas die Leiche einer jungen amerikanischen Ureinwohnerin[3] im Schnee. Der Fund erinnert ihn an seine verstorbene Tochter, die drei Jahre zuvor unter ähnlichen Umständen starb. Da sich der Fund auf das Stammesgebiet beschränkt, wird die junge FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) zur Untersuchung an den Tatort geschickt und scheint zunächst mit den Umständen nicht nur alleingelassen, sondern auch überfordert. Weder mit der gnadenlosen Witterung, noch den im Reservat geltenden Regeln ist sie vertraut. Daher bittet sie den erfahrenen Lambert bei den Ermittlungen um Unterstützung. Inmitten der unwirtlichen Eislandschaft des Reservats kommen sie den Tätern auf die Spur.

Inhaltsverzeichnis

Nekropolitik – theoretischer Rahmen zur Beschreibung der Gewalt im Film Wind River

Die in Wind River inszenierte Gewalt lässt sich als Ausdruck von Nekropolitik lesen. Diesen Begriff prägte der Historiker und Politikwissenschaftler Achille Mbembe zur Beschreibung zeitgenössischer Machtformen, die nicht (wie Foucaults Biopolitik) Leben maximieren, sondern gezielt „sterben lassen“. Das bedeutet: Staaten oder Systeme schaffen Todeswelten, in denen Bevölkerungen durch Vernachlässigung, bürokratische Lücken und strukturelle Gewalt entwertet werden, ohne aktiv getötet zu werden.

„The ultimate expression of sovereignty largely resides in the power and capacity to dictate who is able to live and who must die. To kill or to let live thus constitutes sovereignty‘s limits, its principal attributes. To be sovereign is to exert one‘s control over mortality and to define life as the deployment and manifestation of power.“[4]

Das Wind-River-Reservat wird in dieser Lesart zum paradigmatischen Territorium solcher Nekropolitik: Der Staat setzt nicht durch direkte Intervention, sondern durch fehlende Zuständigkeiten zwischen FBI und Stammespolizei, fehlende Statistiken über vermisste amerikanische Ureinwohnerinnen sowie chronische Unterfinanzierung (sechs Beamte für ein Gebiet von Rhode-Island-Größe) systemisch Leben außer Kraft – ein „lassens sterben“, das Mbembe für postkoloniale Räume diagnostiziert. Im Mittelpunkt der folgenden Analyse steht daher auch die Frage, wie der Film reale Missstände fiktional verdichtet und welche Rolle die Figuren bei der Sichtbarmachung dieser Politik von Leben und Tod spielen.

Vom Außenseiter-Erlebnis zur filmischen Mission

Begonnen werden soll beim Autor bzw. Regisseur und den Schauspielern. Auch wenn folgend auf Ähnlichkeiten bezüglich thematischer Schwerpunkte bei den Figuren des Films hingewiesen wird, ist ein Blick auf einige Aussagen des Autors und der Schauspieler sinnvoll. Allerdings ist der Aspekt der Öffentlichkeit im Blick zu behalten. Filme dienen der Unterhaltung und sind Teil des kapitalistischen Systems.

Bei einem Interview mit epd Film erwähnt der Autor und Regisseur von Wind River Taylor Sheridan, dass ein Freund aus dem Reservat ihn früher oft dorthin mitnahm.[5] Sheridan sei sich dort wie ein Außenseiter vorgekommen – hat dies also mit der von ihm erfundenen Figur Cory Lambert gemein, der als Weißer eine amerikanische Ureinwohnerin geheiratet hat und Vater zweier Kinder ist, aber trotzdem nicht wirklich als Einheimischer gezählt wird. Bis heute habe er viele Freunde im Reservat, so Sheridan. Allerdings habe es ihn über die Jahre immer wieder beschäftigt, wie schlecht die USA mit diesen Menschen umginge. „Wir sind als Nation und Gesellschaft ja seit einiger Zeit damit beschäftigt, uns unseren Dämonen zu stellen. Nur damit, was wir den Indianern angetan haben und bis heute ihren Nachfahren antun, scheinen wir uns irgendwie noch immer nicht auseinandersetzen zu wollen“[6], erklärt er. Sein Film soll im Idealfall einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Thema leisten. Momentan greift die Serie Yellowstone mit Der mit dem Wolf tanzt-Star Kevin Costner das Thema breit gefächert auf. Die Idee dazu stammt übrigens von Taylor Sheridan.[7]

Sheridans Blick: Persönliche Verbindung zum Reservat

In einem Newsweek-Interview sagte Sheridan, sein Film untersuche, wie viel und wie wenig sich seit der Besiedelung des amerikanischen Westens verändert hat und welche Folgen dies habe.[8] Die Reservate seien das greifbarste Überbleibsel davon. „Die größte Schande unseres Landes“[9], fügt er hinzu. Wichtig war ihm auch, ein Thema darzustellen, das weitgehend ignoriert wird. „Die sozialen Probleme, mit denen die amerikanischen Ureinwohner konfrontiert sind, sind die gleichen wie in anderen Teilen des Landes – häusliche Gewalt, Armut, Drogenabhängigkeit, Alkoholismus – aber im Reservat schaut oder hört niemand zu.“[10] Am erschreckendsten sei, dass Vergewaltigungen – durch einheimische und nicht-einheimische Männer – zu einem Übergangsritual für heranwachsende Mädchen geworden seien, von denen einige einfach verschwinden. Im Film ist nicht nur die Familie von Cory Lambert von einem solchen Verbrechen an der Tochter betroffen, sondern auch das Opfer Natalie Hanson, deren Mörder im Laufe des Films gesucht werden. Tatsächlich werden in einigen Regionen der USA amerikanische Ureinwohnerinnen zehnmal häufiger Opfer von Gewaltverbrechen.[11] Insbesondere in der Nähe von Reservaten gibt es regelmäßig Morde an amerikanischen Ureinwohnerinnen.[12]

Vergessene Statistiken: Die „Epidemie“ von Morden an amerikanischen Ureinwohnerinnen

Weiterhin, dass Wind River nicht nur auf einer wahren Begebenheit beruhe, sondern auf Tausenden tatsächlich geschehener Fälle.[13] Die sexuellen Übergriffe gegen Frauen existierten schon seit der Einführung des Reservatsystems. In den letzten 15, 20 Jahren seien derartige Vorfälle jedoch explosionsartig angestiegen. Und sie erhalten keinerlei Aufmerksamkeit. Dies sei laut Sheridan die Motivation für das Schreiben des Drehbuchs gewesen. Frauen, die ausgeraubt und vergewaltigt werden und dann verschwinden werden manchmal gefunden, aber oft nicht. Eine Statistik wird nicht geführt. Zahlen sind immer ein guter Anhaltspunkt die vorgeführten Ausmaße allgemeinverständlich zu präsentieren. Die Statistik sollte am Ende des Films stehen und einen Überblick geben. Doch es gab keine. Sheridan hatte gehofft, konkrete Zahlen angeben zu können. Doch während für jede andere Bevölkerungsgruppe in den USA Statistiken über vermisste Personen erstellt werden, gibt es keine für amerikanische Ureinwohnerinnen. Das, so Sheridan, sei die Statistik.[14]

Reale Zahlen als unsichtbare Wahrheit

Bis 2013 konnte ein sexueller Übergriff auf eine einheimische Frau durch einen Nicht-Einheimischen nicht strafrechtlich verfolgt werden, da es sich um ein Staatsverbrechen auf Bundesland handelte. Gleichzeitig wurde man als Eingeborener des Übergriffs auf einen Nicht-Einheimischen beschuldigt und konnte zweimal strafrechtlich verfolgt werden, nämlich von der Bundesregierung und der Stammespolizei.[15] Laut der New York Times besitzt das Wind River-Reservat eine Kriminalitätsrate, die fünf- bis siebenmal so hoch ist wie der Landesdurchschnitt.[16] Im Gespräch mit Scott Simon von npr erklärte Sheridan, er wolle nicht die Massen erreichen, sondern ein Publikum, das Filme mag, die emotional und intellektuell herausfordernd sind.[17] Belehren wolle er sein Publikum jedoch nicht, sondern nur Fragen stellen und anderen die Macht geben, aus dem Dargestellten eigene Entscheidungen treffen zu können.

An diesen Mechanismen zeigen sich Aspekte der Nekropolitik wie Mbembe sie im Rahmen kolonialer Besetzung als Abgrenzung geographischer Gebiete zur Kontrolle sozialer und räumlicher Verhältnisse beschreibt. „Das Einschreiben neuer räumlicher Bezüge (Territorialisierung) war letztlich gleichbedeutend mit der Produktion von Grenzen und Hierarchien, Zonen und Enklaven; dem Unterlaufen bestehender Besitzverhältnisse; der Klassifikation der Leute nach unterschiedlichen Kategorien; der Ausbeutung von Ressourcen; und schließlich der Anfertigung eines weitreichenden Reservoirs kultureller Imaginarien. Diese Imaginarien verliehen der Inkraftsetzung differentieller Rechte für verschiedene Personengruppen zu unterschiedlichen Zwecken im gleichen Raum – kurz, der Ausübung von Souveränität – einen Sinn. Raum war daher der Rohstoff der Souveränität und der Gewalt, die mit ihr einherging. Souveränität hieß Besetzung und Besetzung hieß, den Kolonisierten in eine dritte Zone zwischen Subjekt- und Objekthaftigkeit zu verbannen.“[18]

Konkret auf das Beispiel fehlender Statistiken über amerikanische Ureinwohner als Opfer sexueller Gewalt übertragen bedeutet dies, dass bürokratische Lücken wie fehlende Zuständigkeit und jene fehlenden Statistiken systemisch zum Töten beitragen.

Menschsein als kulturübergreifende Gemeinsamkeit

Sheridan hofft auch, dass er die Menschen im Reservat zeigen könne, die sich nicht von den Menschen in der Stadt unterscheiden. Es existieren immer noch Stereotype über die amerikanischen Ureinwohner. Diese möchte er zerschmettern. Seine Mission als Geschichtenerzähler bestehe darin, Wege zu finden, um zu zeigen, wie ähnlich Menschen sind und nicht wie unterschiedlich. Unterschiede könne man bewundern, sie respektieren und daraus lernen. Mit Wind River hofft Sheridan, die Epidemie an Gewalt im Reservat zu zeigen und Aufmerksamkeit darauf zu lenken, damit sie bekämpft wird. Sein persönliches Interesse am Thema ist gekoppelt an den Wunsch, etwas an der bestehenden Situation zu ändern, auf akute Missstände hinzuweisen und auch die Gemeinschaft zwischen den Menschen zu stärken. Grundsätzlich geht es also um das Menschsein verschiedener Gesellschaftsgruppen, und zwar unabhängig von der Abstammung.[19]

Die harten Witterungsverhältnisse im winterlichen Reservat sind für die Bevölkerung nicht leicht zu ertragen, bei Notfällen gibt es häufig Unstimmigkeiten hinsichtlich der Zuständigkeiten.
Die Weitläufigkeit und die Witterungsverhältnisse des Reservats sind für viele Menschen zwar die vertraute Heimat, doch andererseits auch Garant für Einsamkeit.

Außenseiter im System: Figuren zwischen Welten

Cory und Jane als Brücken – oder Eindringlinge?

In Wind River sind die (weißen) Protagonisten Außenseiter, die in einem gesellschaftlichen System agieren, dem sie nicht angehören bzw. einem System, dass zu Ungunsten bestimmter Bevölkerungsgruppen agiert. Fährtenleser Cory Lambert hat „eingeheiratet“, Jane Banner wird aus L.A. von ihrem Ausbildungstraining abgezogen. Der Bruder der Ermordeten Chip Hanson wirft ihm bei seiner Verhaftung entgegen, dass alles, was ihn mit ihnen, mit den Ureinwohnern verbinde, seine Ex-Frau sei und eine Tochter, die er nicht habe beschützen können. Lambert gehört ursprünglich nicht dazu. Er kennt sich im Reservat nur so gut aus, weil er dort arbeitet. FBI-Agentin Jane ist aufgrund seiner Expertise im Spurenlesen auf ihn angewiesen. Nicht mit den Witterungen vertraut, muss sie sich die Kleidung von Corys verstorbener Tochter leihen. Im Laufe der Ermittlungen erkennt sie, dass im Reservat andere Regeln herrschen und die Wege der Bürokratie, die sie aus ihrer Ausbildung und ihrem Leben kennt, dort keinen Wert besitzen. Die Menschen begegnen der jungen Ermittlerin abweisend, auch wenn diese bestrebt ist, den Mord aufzuklären und zu helfen. Zu groß scheint die Kluft zwischen den Kulturen zu sein, zu oft scheint es Vorurteile und Missverständnis in der Kommunikation gegeben zu haben, sodass diese bereits beim Kennenlernen unausgesprochen in der Luft liegen. Oder sind es vielleicht die Altlasten der ersten Treffen von Vertretern unterschiedlicher Kulturen und nachfolgenden Unterdrückung, die sich in den Menschen und ihrem Verhalten verfestigt haben, sodass sie zu Tatsachen geworden sind?

Figuren als Stellvertreter realer Verhältnisse in fiktionalen Inszenierungen

Über die Figuren werden kulturelle Differenzen offensichtlich, anhand der Dialoge und den Handlungen wird die entgegengebrachte Abneigung zugleich zwischen den Personen sowie medial kommuniziert. Die Sprachbarriere ist der deutlichste Aspekt dieser Kluft. Ein freundschaftliches Verhältnis verbindet beide nicht. Auch Jane und Cory arbeiten unter den gegebenen Umständen zusammen. Dabei versteht Cory die sozialen Dynamiken im Reservat besser als die Agentin und übergeht dabei auch ihre Autorität als Bundesagentin. Erst gezwungenermaßen, dann aus Erkenntnis der eigenen Erfahrung lässt Jane den Spurenleser gewähren.

Wenn die Einwohner des Reservats vor der Agentin ihre Stammessprache einsetzen und sie aus der Kommunikation ausschließen, dann ist auch das Publikum betroffen, weil keine Untertitel angezeigt werden.[20] Das Unbehagen des im Medium dargestellten Außenseitertums ist so auf mehreren Ebenen auch für das Publikum außerhalb des Mediums erfahrbar. Diese Kluft wird jeweils durch übersetzende mehrsprachige Instanzen im Film gelöst. In Wind River übersetzt Chief Hanson den sprachlichen Abgrund, der als Teil einer fremden Kultur jedoch für die fremden Eindringlinge arbeitet.

Trauer als universelle Sprache und anthropologische Konstante in Wind River

Trauer ist ein kulturüberschreitendes Phänomen. Auch Tiere trauern. Trauern ist ein Merkmal für das Leben an sich. Die in Wind River trauernde Familie Hanson hat ihre Tochter Natalie verloren. Für den Spurenleser Cory Lambert werden mit dem Fund der Leiche und der weiteren Mitarbeit die Erinnerungen an seine unter ähnlichen Umständen verstorbene Tochter aufgewühlt. Trauer vereint Menschen. Jeder Mensch geht mit Trauer anders um. Cory Lamberts Ehe hat den Tod der Tochter nicht verkraftet. Der Umgang mit Trauer, die Wut und Unverständnis, die Machtlosigkeit der Väter und die der anderen Familienmitglieder ist neben der Aufklärung des Mordfalls ein großes Thema in Wind River, welche die verschiedenen Kulturen angehörenden Figuren trotz aller Differenzen vereint. Als Jane zur Befragung Natalies Eltern hinzuzieht und die Mutter anhören will, sieht sie diese auf dem Bett sitzend blutend und schluchzend. Sie ritzt sich selbst den Arm an mehreren Stellen auf. Der Schmerz ist an dieser Stelle so überwältigend, dass er sich nicht anders Bahn brechen kann.[21]

Trauer als Bruch der Nekropolitik

Inmitten des nekropolitischen Reservats, wo Mbembe das systematische „Lassen-Sterben“ diagnostiziert, entfaltet die Begegnung zwischen Cory Lambert und Martin Hanson eine paradoxe Menschlichkeit: Als Martin Hanson Cory Lambert die Tür öffnet erstarrt die Szene, verharren die Figuren. Sie sind in dem Augenblick im Wissen um die getöteten Töchter vereint, einem Wissen in dem jeglicher Kontext unerbittlich mitschwingt, was in diesen wenigen Sekunden durch die Blicke beider deutlich wird.

Die Verhältnisse verkehren sich kurzzeitig und verschmelzen. Hanson umarmt den Spurenleser und bricht in lautes Schluchzen aus.[22] Trauer schafft Verbindung jenseits institutioneller Lücken.

Leichter werde es nicht, erklärt Cory. Der einzige Trost sei, dass man sich an den Schmerz gewöhne. Den Schmerz könne man nicht umgehen, damit würde man sich der Erinnerungen berauben. Es ginge darum, fährt Cory fort, den Schmerz anzunehmen. Hanson antwortet, er sei müde, den Kampf dieses Lebens zu führen. Schmerz annehmen heißt hier Überleben lernen – Resignation als Antwort auf jahrhundertelange Ohnmacht, doch ohne Selbstaufgabe. Hansons Eingeständnis „im Kampf dieses Lebens“ markiert die Kluft markiert: Für amerikanische Ureinwohner bedeutet Gewöhnung an Leid auch Gewöhnung an staatliche Abwesenheit.

Am Ende verschmilzt Trauer endgültig Kulturen: Nach der Selbstjustiz sitzt Cory mit Hanson am Lagerfeuer, teilt das Stammesritual. Hier konterkariert universelles Gefühl Mbembes Todeslogik – keine Kriegsmaschine, sondern geteilte Verlust als humaner Widerstand in der Todeswelt.

Bürokratie als Gewaltverstärker und Indiz für Nekropolitik

Auch in Wind River wird vielfach eine bürokratische Lücke, ein Fehler im System aufgezeigt, welche Menschen vermutlich bewusst ausgrenzt. Die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents bewohnten diesen bereits vor 1492. Und sie wurden aus ihrem eigenen Land vertrieben und unterdrückt. Der Begriff Indianer wird allerdings heute als diskriminierend erlebt, denn er beschwört die in der Kolonialzeit genutzten Stereotype herauf. Um diese zu vermeiden, werden andere Begriffe wie Amerikanische Ureinwohner:innen oder indigene Völker bzw. Menschen genutzt. Die Reservate entstanden in den 1830er Jahren, die amerikanischen Ureinwohner wurden vertrieben und im Zuge des Indian Removal Acts umgesiedelt, da immer mehr Siedlerinnen und Siedler fruchtbare Teile des Landes in Besitz nehmen wollten, auf dem sie lebten. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden sie in immer kleinere Reservate gedrängt. Bis heute kämpfen sie für die Anerkennung ihrer Kultur in den USA und wünschen sich eine Entschädigung für ihr verlorenes Land, ihre verloren gegangene Sprache und Traditionen.[23] Im Film werden viele dieser Aspekte mehr oder weniger direkt aufgerufen und an den Figuren inszeniert. Die Diskriminierung spiegelt sich in der Funktion der Schutzinstanzen. Zuständig im Reservat ist die Stammespolizei, Chief Ben Shojo empfängt Jane Banner bei ihrer Ankunft im Reservat. An diesem Aspekt und den folgenden Dialogen der Figuren wird der Begriff der eingangs benannten Nekropolitik von Mbembe deutlich.

„Er bleibt beschäftigt“ – Resignation der Stammespolizei

Es sind Kleinigkeiten, die auffallen. Für die Figuren im Film, auf der fiktionalen Ebene der Realität, sind es aber Tatsachen. Etwa, wenn Jane die Leiche untersucht und gefrorenes Blut im Schritt findet, eine Vergewaltigung feststellt und Ben Shojo fragt, wie erfahren der Gerichtsmediziner ist. Daraufhin antwortet er nur: „Sagen wir es mal so. Er bleibt beschäftigt.“[24]

Eben jener Gerichtsmediziner deklariert den Tod der offensichtlich im Schnee geflüchteten, geschlagenen und vergewaltigten jungen Frau nicht als Mord, da die Todesursache durch Lungenblutung eingetreten ist. Ohne Deklarierung als Mord kann die junge Agentin keine weitere Verstärkung anfordern. Sie ist entrüstet, da sie nur die Todessursache ermitteln und ein Ermittlerteam holen soll. Für die Vergewaltigung sei nicht das FBI zuständig, sondern das Amt für indianische Angelegenheiten. Bei der Diskussion, die neben der Leiche der jungen Frau in den Räumen des Gerichtsmediziners stattfindet, erklärt Ben Shojo nur resigniert, er sei es gewohnt keine Hilfe zu erhalten. Er habe nur sechs Polizeibeamte für ein Gebiet so groß wie Rhode Island, stellt Janes daraufhin fest. Ja, das wisse er, antwortet Shojo. Es wäre ein Wunder, wenn er mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den Fall lösen könne, so Jane. Das wisse er ebenfalls, stellt der Chief fest. Es handelt sich um Mord. Alle wissen es, erklärt der Gerichtsmediziner. Es braucht allerdings einen Staatsanwalt, der dies abzeichnet, damit er es bestätigen kann. Leider kann er es nicht auf den Totenschein schreiben. Jane ist entsetzt. Wenn ihr Vorgesetzter den Bericht erhält, wird sie abgezogen. Nicht, dass sie eine große Hilfe sei, aber alles was sie hätten, erklärt sie dem Chief.[25]

Ohnmachts-Dialog: Rache jenseits des Rechts

Bei der Befragung von Natalies Eltern kommt die Frage auf, wieso sie die Tochter bei einem ihnen unbekannten Mann übernachten ließen, woraufhin ihr Vater Martin erklärt, sie sei erwachsen gewesen. Jane äußert in vorwurfsvollen Ton „kaum“[26], was einen in Stammessprache geäußerten Flucht nach sich zieht, den auch der Chief nicht übersetzen will. Sie habe ihn nicht beleidigen wollen, erklärt Jane, sie versuche nur die Dynamiken zu verstehen. Sie wolle helfen. Hanson entgegnet daraufhin nur: „Immer, wenn ihr helfen wollt, werden wir zuerst beleidigt.“[27]

Resignation, Diskriminierung und Ohnmacht sind durchweg spürbar – und zwar nicht nur angesichts des Mordes der jungen Frau. Sie bestimmen die Atmosphäre des gesamten Films und auch das Leben der Figuren. Die wintergraue Landschaft, das Schneetreiben, nebelige Sicht untermalen die Stimmung des Films. Auch bei Martins Sohn, der herumhängt und Drogen konsumiert, zeigt sich Resignation und Wut. „Ich bin so wütend, ich möchte gegen die ganze Welt kämpfen“[28], erklärt er Cory bei seiner Verhaftung. Ob er wisse, wie sich das anfühlt. Ja, das wisse er, erwidert Cory. Aber er habe gegen das Gefühl angekämpft, weil er wisse, dass die Welt gewinnt. Auch hier ist überwältigende Trauer und Schicksalsergebenheit, Resignation zu spüren.[29]

Cory geht es immer noch um die nicht verarbeitete Trauer über den ungeklärten Mord an seiner Tochter. Alle Erinnerungen kommen hoch. Darin liegt auch seine Motivation begründet Jane bei den Ermittlungen zu unterstützen. Außerdem hat er Martin versprochen, den Mord zu rächen. Antworten werde er nicht finden, erklärt seine Ex-Frau Wilma ihm.[30] Fast spottet sie über seine Hilfe, die er bei den Ermittlungen leistet. Es bringt ja doch nichts – diese Aussage scheint allgemein gültig.

Die Aufklärung in Wind River: Showdown im Öl-Camp

Dank seiner Spurenlesekünste entdeckt Cory Matts Leiche, abgelegt im Wald. Jane und Chief Shojo untersuchen parallel das Öl-Camp, während Cory sich als Scharfschütze im Wald positioniert und die Szene aus der Ferne beobachtet. Die wahren Täter – Pete Mickens und sein Kollege, weiße Sicherheitskräfte des Camps – fühlen sich bedroht, einkreisen die Polizisten und lösen einen wilden Schusswechsel aus, bei dem Jane schwer verletzt wird. Erst nach diesem chaotischen Showdown und der internen „Säuberung“ durch die Lagerleitung (Kündigung der Täter) nimmt Cory Pete gefangen – der Berg-Dialog wird zur finalen, privaten Abrechnung jenseits jeglicher Justiz.

Cory Lambert ist in Wind River Spurenleser und arbeitet als Jäger im Wind-River-Reservat. Seine Tochter kommt durch ein Gewaltverbrechen zu Tode - er kann mit seinen Fähigkeiten im Spurenlesen bei der Aufklärung des Verbrechens helfen.
In Wind River hat die Figur des Fährtenleser und Jägers eine wichtige Rolle bei der Aufklärung des Mordes im Wind-River-Reservat.

Die Bergszene als Höhepunkt von Selbstjustiz

In Wind River tragen die Dialoge der Figuren die zentrale Last der Wahrheit – ohne sie würde die Handlung zusammenbrechen. Besonders die rohe Zwiesprache zwischen Cory und Pete auf dem Kenneth Peak ist unverzichtbar: Sie ist nicht nur Geständniserzwingung, sondern macht kulturelle Machtverhältnisse, kollektive Traumata und Rachelogik explizit erfahrbar.

Der Berg-Dialog in Wind River als Knotenpunkt

[Pete wacht auf, orientierungslos, um sich schlagend, nachdem Cory ihn mit seinem Schneemobil auf den Berg gebracht und mit Kabelbindern gefesselt hat]
Cory: Weißt du wo wir sind?
Pete: Nein. [schwer atmend]
Cory: Das ist Kenneth Peak. Der höchste Berg in Wyoming. Am heißesten Tag im August kann man hier Schnee schaufeln. Heute ist es zu kalt zum Schneien.
Pete: Hör zu, lass und … lass uns einfach reden. Okay? Lass uns einfach reden. Bitte!
Cory: Klar.
[Pete schnauft schwer, schlägt die Plane von seinen Füßen]
Pete: Scheiße man. Wo sind meine Stiefel? Wo sind meine Stiefel?
Cory: Weißt du, ich hab alle Zeit der Welt. Kann man von dir nich‘ sagen. Woll’n wir reden?
Pete: Bitte.
Cory: … oder weiterjammern?
Pete Hör mal, ich hab … ich hab Fehler gemacht. Okay?
Cory: Was hast du getan? Hey hör mal, ich bin hier nicht das Gesetz. Ich bin nur der, der vor dir sitzt. Also kannst du mir die Wahrheit sagen.  Wenn du mir die Wahrheit sagst, gebe ich dir ’ne Chance.
Pete: Jetzt hör mir doch mal zu! Weißt du, wie das ist hier draußen in der Hölle aus Eis? Man hat nichts zutun. Einfach gar nichts.  Keine Frauen, kein Spaß. Nur diesen beschissenen, beschissenen Schnee! Und die beschissene Stille! Das ist alles!
Cory: Meine Vorfahren wurden hierher gezwungen. Stecken hier fest seit ’nem Jahrhundert. Dieser Schnee und die Stille ist das einzige, was ihnen noch nicht weggenommen wurde. Was hast du weggenommen?
Pete: Ich weiß nich‘. Ich weiß nich‘, was du meinst. Ich ich weiß nicht, was du meinst.
Cory: Hast du auch was weggenommen?
Pete: Nein. [weint] Nichts.
Cory: [Geht zu ihm, kniet sich vor ihm hin, spricht auf Augenhöhe mit ihm]  Hey, du musst ehrlich zu mir sein! Okay? Warst du betrunken? Warst du einsam? Was dann? Wenn du’s getan hast, sei ein Mann und sag’s! Ich hab‘ sie vergewaltigt.
Pete: Ich hab‘ sie vergewaltigt. [schreit] Ich hab sie vergewaltigt! JAA!
Cory: Und ihr Freund? Hat er sich dir in den Weg gestellt? Hast du ihn zu Tode geprügelt? [Pete nickt] Hör zu. Ein Nicken reicht nicht! Okay? Ich will, dass du es sagst!
Pete: Wir haben ihn geschlagen. Wir haben ihn totgeschlagen.[31]

Selbstjustiz und kollektive Abrechnung in Wind River

Corys Aussage – „Meine Vorfahren wurden hierher gezwungen …“ – offenbart weniger eine Herkunft als amerikanischer Ureinwohner als eine rhetorische Selbstverortung: Er stellt sich in eine Geschichte von Entbehrung und Verlust und nutzt diese Position, um die moralische Perspektive umzudrehen und Pete mit der Frage nach dem eigenen Raub zu konfrontieren. Pete verkörpert den weißen „Nehmer“, der ohne Konsequenzen raubt (Vergewaltigung, Totschlag). Die Auge-um-Auge-Dramaturgie inszeniert im Kleinen, was Jahrhunderte währte: Cory lässt Pete scheinbar laufen, doch die erbarmungslose Kälte – Symbol für das unbezwingbare Land – zerreißt seine Lungenbläschen. So vollstreckt nicht der Mensch, sondern die Natur die Gerechtigkeit: Systemische Ohnmacht wird in poetische Vergeltung verkehrt.

Zur Bergszene am Ende von Wind River

Diese Szene operiert auf mehreren Ebenen: Sprachlich dominiert Cory durch seine rhetorische Kontrolle („Ein Nicken reicht nicht! Sag es!“), die Petes Panik in ein erzwungenes Bekenntnis mündet – ein Spiegel der historischen Machtverschiebung. Symbolisch wird der Schnee, den Pete verflucht („beschissener Schnee!“), für Cory zum letzten Refugium seiner Identität als amerikanischer Ureinwohner, während die Kälte als natürliche Instanz die Strafe ausführt, die das System verweigert. Pete stirbt nicht durch Corys Hand, sondern durch die Umwelt, die er verachtet – eine filmische Umkehrung der realen Straflosigkeit, bei der Täter oft entkommen. Damit verdichtet Sheridan persönliche Rache zu kollektiver Katharsis: Cory rächt nicht nur Natalie, sondern spricht für Generationen, deren Land und Töchter geraubt wurden. Die Szene endet offen – ohne kathartischen Schusswechsel –, was die Zuschauer*innen mit der moralischen Grauzone zurücklässt und Sheridans Intention unterstreicht: keine einfachen Lösungen, sondern Fragen nach Gerechtigkeit. Die Szene illustriert, wie systemische Ohnmacht in individuellen Handlungen kulminiert und die Theorie von Mbembe veranschaulicht.

Von Mbembe zu Wind River: Fragmentierte Gewaltmonopole

Mbembe illustriert diese Dynamik am Beispiel Afrikas, wo postkoloniale Staaten im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts ihr Gewaltmonopol verloren: „Zahlreiche afrikanische Staaten können für ihr Gebiet kein Monopol auf Gewalt und Zwangsmittel mehr in Anspruch nehmen. […] Städtische Milizen, private Armeen […], private Sicherheitsfirmen und staatliches Militär behaupten alle ihr Recht auf Gewaltausübung und Töten“[32]. Zwang wird Handelsware, Identität irrelevant – stattdessen herrscht ein Markt für militärische Arbeitskraft, der mit Ressourcenausbeutung (Arbeit, Minerale) verknüpft ist.[33]

Diese Logik überträgt sich direkt auf das Wind-River-Reservat: Auch hier kollabiert das staatliche Gewaltmonopol zugunsten eines fragmentierten Systems, in dem Stammespolizei, FBI-Agentin Jane Banner und der weiße „Außenseiter“ Cory Lambert um Kompetenzen ringen, ohne je Herrschaft zu sichern. Die Öl-Camp-Sicherheitskräfte (Pete Mickens und die anderen) fungieren wie Mbembes „private Sicherheitsfirmen“[34] – externe Akteure, die Ressourcen (Öl) schützen und amerikanische Ureinwohnerinnen straffrei vergewaltigen/morden. Corys Selbstjustiz schließlich entspricht den „Freibeutern“[35]: losgelöst vom staatlichen Gewaltmonopol.

Diese Perspektive erlaubt es, Corys Handeln nicht nur als individuelle Rache zu lesen, sondern als filmische Illustration der systemischen Ohnmacht und fragmentierten Gewalt, die Mbembe beschreibt.  Anders als Stammespolizei oder FBI verkörpert er die Entstaatlichung von Gerechtigkeit – nicht als Racheheld, sondern als Symptom fragmentierter Herrschaftslogik.

Die Parallele verdichtet sich in der Ressourcenverknüpfung und Raum als Ressource: „Raum war daher der Rohstoff der Souveränität und der Gewalt, die mit ihr einherging. Souveränität hieß Besetzung und Besetzung hieß, den Kolonisierten in eine dritte Zone zwischen Subjekt- und Objekthaftigkeit zu verbannen.“[36]  Wie afrikanische Kriegsmaschinen Minerale plündern, profitiert das Öl-Camp von Reservatsgewalt – ein „Handelsware Zwang“, der Täter schützt und Opfer (Natalie) entwertet. Damit wird Wind River zum US-amerikanischen Pendant von Mbembes afrikanischen Enklaven: Reservat als Todesraum, wo staatlicher Schutz fehlt und private Akteure (Sicherheit, Rache) die Lücke füllen.

Fazit: Figuren in Wind River als moralische und historische Zeugen

Ob individuelles Handeln und Selbstjustiz vor einem System gerechtfertigt sind, das nur Auserwählte schützt und die Gemeinheit im Stich lässt, bleibt bewusst unbeantwortet – und soll es auch bleiben. Wind River stellt keine einfachen Lösungen in Aussicht, sondern konfrontiert das Publikum mit der moralischen Grauzone zwischen staatlicher Ohnmacht und privater Vergeltung. Deutlich wird jedoch: Durch das Reden und Handeln der Figuren – ihre nachvollziehbaren Emotionen, ihre kulturell geprägten Motivationen – entstehen vielfältige Interpretationsräume, die reale Verhältnisse greifbar machen.

Die Figuren fungieren als Stellvertreter für alle, die keine Stimme haben: Cory für die traumatisierten Väter, Jane für die hilflose Bürokratie, Chief Shojo für die unterfinanzierte Stammespolizei, Pete für die straffreien Täter. Ihre Konflikte verdichten Tausende nicht-statistisierte Fälle zu einer emotional durchdringbaren Erzählung. Unterhaltung hin oder her – Sheridan nutzt Fiktion als Anklagewerkzeug, das systemische Gewalt sichtbar macht, ohne sie zu erklären. Der Film endet nicht mit Triumph, sondern mit Fragen: Kann Rache heilen? Ist Naturgerechtigkeit genug? Die Zuschauer*innen werden Zeugen geladen – mit der Verpflichtung, weiterzuhören.

Diese Doppeldeutigkeit sichert Wind Rivers Wirkung: Als Thriller fesselnd, als gesellschaftliche Intervention nachhallend. Die Figuren sprechen nicht nur für sich – sie zwingen uns, über Gerechtigkeit nachzudenken, jenseits von Filmgenres und kapitalistischen Kalkülen.

Anhang: Figuren in Wind River als symbolische Stellvertreter

Cory Lambert

Er repräsentiert die traumatisierten Väter, die das Versagen des Systems erfahren haben. Seine Motivation, Jane bei der Aufklärung des Mordes zu unterstützen, ist sowohl persönliche Trauer als auch die Suche nach Gerechtigkeit für das Opfer. Seine Selbstjustiz gegen Pete Mickens spiegelt die Ohnmacht der Gemeinschaft gegenüber der Straflosigkeit der Täter wider.

Jane Banner

Steht für die externe, bürokratische Gewaltkontrolle, die auf die Gegebenheiten des Reservats schlecht vorbereitet ist. Sie verkörpert das funktionale, aber begrenzte Staatswesen, das strukturelle Gewalt nicht verhindern kann.

Chief Ben Shojo

Symbolisiert die unterfinanzierte Stammespolizei, die den alltäglichen Missständen ausgeliefert ist. Seine Resignation verdeutlicht die Auswirkungen der Nekropolitik auf das institutionelle System im Reservat.

Pete Mickens

Verkörpert die privilegierten, weißen Täter, die durch das fragmentierte Gewaltmonopol der Behörden ungestraft handeln. Er steht für die reale Straflosigkeit von Gewalt gegen amerikanische Ureinwohnerinnen.

Familie Hanson

Zeigt die kollektive Trauer und Ohnmacht der Gemeinschaft, deren Kinder Opfer systemischer Gewalt werden. Durch die Trauer werden universelle Menschlichkeit und Solidarität sichtbar.

Natalie Hanson

Die junge ermordete amerikanische Ureinwohnerin ist die zentrale Figur, deren Tod den Film in Gang setzt. Sie repräsentiert die Tausenden realen Fälle von Gewalt gegen indigene Frauen, die in den Statistiken häufig unsichtbar bleiben. Ihr Schicksal macht die strukturelle Gewalt unmittelbar erfahrbar: fehlender Schutz, systemische Vernachlässigung, Bürokratie, die Täter schützt.

Tochter von Cory Lambert

Auch sie ist Opfer ähnlicher Gewalt wie Natalie, ihr Tod vor drei Jahren ist Hintergrundmotivation für Corys Handeln. Durch die parallelen Schicksale wird deutlich, dass solche Gewalt strukturell wiederkehrt und es sich nicht um Einzelfälle handelt.

Figuren in Wind River als Ankläger realer Reservatsgewalt

FigurRolle im FilmDetaillierte Funktion als Ankläger der Nekropolitik / realer Gewalt
Natalie HansonJunge amerikanische Ureinwohnerin, Opfer eines GewaltverbrechensIhr Tod steht im Zentrum der Handlung und verdeutlicht die reale Gewalt gegen indigene Frauen, die oft unsichtbar bleibt. Sie macht strukturelle Missstände spürbar: fehlender Schutz durch Polizei, bürokratische Lücken, fehlende Statistiken. Sie ist die stille Stimme tausender nicht-statistizierter Fälle.
Tochter von Cory LambertOpfer ähnlicher Gewalt, verstorbenIhr früherer Tod motiviert Corys Handeln. Sie symbolisiert die Wiederholung solcher Gewalt und die systemische Ohnmacht gegenüber Opfern über Jahre hinweg.
Cory LambertFährtenleser, Weißer, „Eingeheirateter“Dient als Vermittler zwischen Kulturen. Er nimmt die Trauer über den Tod seiner Tochter auf und rächt Natalie stellvertretend. Cory verkörpert moralische Gerechtigkeit außerhalb staatlicher Strukturen und verdeutlicht, wie das System Opfer im Stich lässt.
Jane BannerFBI-Agentin, AußenseiterinSteht für die staatliche Bürokratie, die an Ressourcenmangel, fehlender Zuständigkeit und fehlendem Wissen scheitert. Ihre Hilflosigkeit gegenüber Reservatsspezifika zeigt die strukturelle Gewalt des Staates durch Nicht-Handeln.
Chief Ben ShojoLeiter der StammespolizeiRepräsentiert die Unterfinanzierung und Überforderung der lokalen Polizei. Zeigt, wie bürokratische Lücken die Sicherheit der Bewohner:innen beeinträchtigen. Sein resigniertes Verhalten illustriert, dass Ohnmacht institutionalisiert ist.
Pete Mickens & KollegeTäter, Sicherheitskräfte im Öl-CampVerkörpern die Straflosigkeit privilegierter weißer Täter. Ihre Gewalt gegen Frauen im Reservat und ihre anfängliche Straflosigkeit spiegeln die Realität vieler Fälle wider, in denen Täter nicht verfolgt werden.
Familie Hanson (Eltern, Bruder)HinterbliebeneIhre Trauer und Resignation zeigen kollektives Leid und die menschliche Dimension struktureller Gewalt. Sie verdeutlichen, wie Trauer zur moralischen Anklage wird und institutionelle Ohnmacht überbrückt.
Martin Hanson (Vater)Vater von NatalieSymbolisiert Resignation und den Kampf ums Überleben in einem System, das Schutz verweigert. Sein Dialog mit Cory verbindet persönliche und historische Trauer, wodurch die Opferrolle der Gemeinschaft sichtbar wird.
Wilma Lambert (Ex-Frau von Cory)Familienmitglied, BeobachterinKommentiert Corys Handeln und zeigt, wie selbst engagierte Menschen im System resignieren. Verdeutlicht, dass individuelle Hilfe ohne strukturelle Veränderung begrenzt bleibt.

FAQ zu Wind River, Nekropolitik und struktureller Gewalt

Worum geht es in Wind River?

Wind River (Regie: Taylor Sheridan) erzählt die Geschichte der jungen indigenen Frau Natalie Hanson, die im Wind River Indian Reservation tot im Schnee aufgefunden wird. Der Wildhüter Cory Lambert und die FBI-Agentin Jane Banner untersuchen den Fall.

Der Film ist jedoch weit mehr als ein Kriminaldrama: Er macht systemische Vernachlässigung, juristische Grauzonen und die strukturelle Gefährdung indigener Frauen sichtbar.

Was bedeutet Nekropolitik nach Achille Mbembe?

Der Begriff der Nekropolitik stammt von Achille Mbembe. Er beschreibt politische Ordnungen, in denen Macht nicht nur über das Leben, sondern vor allem über den Tod ausgeübt wird.

Nekropolitik fragt:

  • Wer darf leben?
  • Wessen Tod zählt?
  • Wer wird strukturell dem Sterben ausgesetzt?

Im Kontext von Wind River bedeutet das: Indigene Frauen bewegen sich in einem Raum, in dem ihr Schutz institutionell nicht gewährleistet ist – sie leben in einem Zustand struktureller Gefährdung.

Wie wird Nekropolitik im Film konkret dargestellt?

Der Film zeigt Nekropolitik nicht abstrakt, sondern durch:

  • die geografische Isolation des Reservats
  • die juristische Unklarheit zwischen Stammes-, Bundes- und Staatsrecht
  • fehlende Polizeipräsenz
  • die statistisch hohe Zahl verschwundener indigener Frauen

Der Schneesturm, die Weite der Landschaft und die Spuren im Schnee werden zu visuellen Metaphern einer Ordnung, in der bestimmte Leben politisch weniger geschützt sind.

Beruht Wind River auf einer wahren Geschichte?

Der Film ist keine direkte Verfilmung eines einzelnen Falls. Laut Regisseur Taylor Sheridan basiert er jedoch auf zahlreichen realen Fällen verschwundener und ermordeter indigener Frauen in den USA.

Die Abspanntafel verweist ausdrücklich auf das reale Problem der „Missing and Murdered Indigenous Women“ (MMIW).

Was ist das Problem der „Missing and Murdered Indigenous Women“?

Die Bewegung „MMIW“ macht auf die überproportional hohe Zahl vermisster und ermordeter indigener Frauen aufmerksam.

In vielen Regionen – insbesondere in und um Reservate – kommt es zu:

  • hoher Gewaltquote
  • mangelnder Strafverfolgung
  • unklarer Zuständigkeit zwischen Behörden

Wind River übersetzt diese strukturelle Realität in filmische Bilder.

Welche Rolle spielt die Landschaft im Film?

Die winterliche, karge Landschaft ist nicht nur Kulisse, sondern Bedeutungsträger.

Sie symbolisiert:

  • Isolation
  • institutionelle Leere
  • politische Unsichtbarkeit

Die Schneespuren eines fliehenden Körpers stehen visuell für ein Leben, das keine schützende Infrastruktur besitzt.

Sind die Figuren als Ankläger zu verstehen?

Ja – insbesondere Natalie Hanson fungiert als posthume Anklägerin eines Systems, das ihren Schutz nicht gewährleisten konnte.

Auch Cory Lambert ist keine klassische Heldenfigur, sondern selbst traumatisiert durch den Tod seiner Tochter. Der Film verweigert einfache Lösungen und zeigt stattdessen eine Struktur, in der Gewalt systemisch verankert ist.

Wie lässt sich der Film filmwissenschaftlich einordnen?

Wind River verbindet Elemente von:

  • Neo-Western
  • Thriller
  • Sozialdrama

Innerhalb der „Frontier“-Tradition dekonstruiert der Film das klassische Western-Narrativ. Die Grenze ist hier kein Ort heroischer Expansion, sondern ein Raum politischer Vernachlässigung.

Warum ist Wind River heute noch relevant?

Das Thema der Gewalt gegen indigene Frauen ist weiterhin aktuell.

Der Film bleibt relevant, weil er:

  • institutionelle Verantwortung thematisiert
  • strukturelle Ungleichheit sichtbar macht
  • politische Räume der Unsichtbarkeit offenlegt

In Verbindung mit Mbembes Theorie wird deutlich: Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um eine Machtordnung, die bestimmte Leben systematisch weniger schützt.

QuellenFilme:

Sheridan, Taylor: Wind River [Film] Frankreich, United States, Großbritannien: Acacia Entertainment, Savvy Media Holdings, Synergics Films, Thunder Road Pictures, Film 44, The Fyzz Facility, Riverstone Pictures, Voltage Pictures, Wild Bunch, Ingenious Media, Star Thrower Entertainment, 2017.

Weitere Quellen

Amnesty International: USA: Sexualisierte Gewalt an indigenen Frauen nimmt epidemische Ausmaße an: online unter: https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/usa-sexualisierte-gewalt-an-indigenen-frauen-nimmt-epidemische-ausmasse-an (zuletzt abgerufen am 17. Mai 2022).

Frietsch, Martina: Die Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner heute, online unter: https://www.planet-wissen.de/kultur/voelker/indigene_voelker_nordamerikas/pwieindigeneheute100.html (zuletzt aufgerufen am 22.02.2026).

Heidmann, Patrick: Interview mit Taylor Sheridan über seinen Film »Wind River«, 31.01.2018, https://www.epd-film.de/meldungen/2018/interview-mit-taylor-sheridan-ueber-seinen-film-wind-river (zuletzt aufgerufen am 03.09.2023).

Klassen, Anna: ‚Wind River‘ Exposes This Hidden Injustice Against Native American Women, 10. August 2017, online unter: https://www.bustle.com/p/the-true-story-behind-wind-river-is-this-hidden-injustice-against-native-american-women-75304 (zuletzt aufgerufen am 03.09.2023).

Mbembe, Achille: Necropolitics. Translated by Steven Corcoran. Durham 2019.

Mbembe, Achille: Nekropolitik. In: Biopolitik – in der Debatte. Hg. von Marianne Pieper, Thomas Atzert, Serhat Karakayali, Vassilis Tsianos. Wiesbaden 2011, S. 63-96.

Osteried, Peter: «Yellowstone»-Showrunner und Drehbuchwunderkind: Der umtriebige Taylor Sheridan, 18. Juli 2023. Online unter: https://www.cineman.ch/article/yellowstone-showrunner-und-drehbuchwunderkind-der-umtriebige-taylor-sheridan (zuletzt abgerufen am 03.09.2023).

Schilling, Mary Kaye: Taylor Sheridan’s ‚Wind River‘ is a Blistering Expose of Violence Against Native American Women, 28.07.2017, online unter: https://www.newsweek.com/2017/08/11/movie-wind-river-taylor-sheridan-pine-ridge-reservation-642992.html (zuletzt abgerufen am 03.09.2023).

Sheridan, Taylor: Wind River [Film] Frankreich, United States, Großbritannien: Acacia Entertainment, Savvy Media Holdings, Synergics Films, Thunder Road Pictures, Film 44, The Fyzz Facility, Riverstone Pictures, Voltage Pictures, Wild Bunch, Ingenious Media, Star Thrower Entertainment, 2017.

Simon, Scott: Investigating A Murder In ‚Wind River‘, 5. August 2023, online unter: https://www.npr.org/2017/08/05/541774348/investigating-a-murder-in-wind-river (zuletzt aufgerufen am 03.09.2023).

Williams, Timothy: Brutal Crimes Grip an Indian Reservation, 2. Februar 2012, online unter: https://www.nytimes.com/2012/02/03/us/wind-river-indian-reservation-where-brutality-is-banal.html (zuletzt abgerufen am 03.09.2023).


[1] Sheridan, Taylor: Wind River [Film] Frankreich, United States, Großbritannien: Acacia Entertainment, Savvy Media Holdings, Synergics Films, Thunder Road Pictures, Film 44, The Fyzz Facility, Riverstone Pictures, Voltage Pictures, Wild Bunch, Ingenious Media, Star Thrower Entertainment, 2017. [2] Webseite des Wind River Indian Reservation. Online unter: https://windriver.org/destinations/wind-river-indian-reservation/ (zuletzt aufgerufen am 21.10.2025). [3] Im Folgenden wird der Begriff ‚amerikanische Ureinwohner:innen‘ verwendet, um alle indigenen Bevölkerungsgruppen der USA zu bezeichnen. Historisch auftretende Bezeichnungen wie ‚Indianer‘ oder ‚American Indians‘ werden in direkten und indirekten Zitaten übernommen. [4] Mbembe, Achille: Necropolitics. Translated by Steven Corcoran. Durham 2019, S. 66. [5] Heidmann, Patrick: Interview mit Taylor Sheridan über seinen Film »Wind River«, 31.01.2018, https://www.epd-film.de/meldungen/2018/interview-mit-taylor-sheridan-ueber-seinen-film-wind-river (zuletzt aufgerufen am 03.09.2023). [6] Ebd. [7] Osteried, Peter: «Yellowstone»-Showrunner und Drehbuchwunderkind: Der umtriebige Taylor Sheridan, 18. Juli 2023. Online unter: https://www.cineman.ch/article/yellowstone-showrunner-und-drehbuchwunderkind-der-umtriebige-taylor-sheridan (zuletzt abgerufen am 03.09.2023). [8] Schilling, Mary Kaye: Taylor Sheridan’s ‚Wind River‘ is a Blistering Expose of Violence Against Native American Women, 28.07.2017, online unter: https://www.newsweek.com/2017/08/11/movie-wind-river-taylor-sheridan-pine-ridge-reservation-642992.html (zuletzt abgerufen am 03.09.2023). [9] Ebd. [10] Ebd. [11] Klassen, Anna: ‚Wind River‘ Exposes This Hidden Injustice Against Native American Women, 10. August 2017, online unter: https://www.bustle.com/p/the-true-story-behind-wind-river-is-this-hidden-injustice-against-native-american-women-75304 (zuletzt aufgerufen am 03.09.2023). [12] USA: Sexualisierte Gewalt an indigenen Frauen nimmt epidemische Ausmaße an: online unter: https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/usa-sexualisierte-gewalt-an-indigenen-frauen-nimmt-epidemische-ausmasse-an (zuletzt abgerufen am 17. Mai 2022). [13] Ebd. [14] Ebd. [15] Schilling, Mary Kaye: Taylor Sheridan’s ‚Wind River‘ is a Blistering Expose of Violence Against Native American Women, 28.07.2017, online unter: https://www.newsweek.com/2017/08/11/movie-wind-river-taylor-sheridan-pine-ridge-reservation-642992.html (zuletzt abgerufen am 03.09.2023). [16] Williams, Timothy: Brutal Crimes Grip an Indian Reservation, 2. Februar 2012, online unter: https://www.nytimes.com/2012/02/03/us/wind-river-indian-reservation-where-brutality-is-banal.html (zuletzt abgerufen am 03.09.2023). [17] Simon, Scott: Investigating A Murder In ‚Wind River‘, 5. August 2023, online unter: https://www.npr.org/2017/08/05/541774348/investigating-a-murder-in-wind-river (zuletzt aufgerufen am 03.09.2023). [18] Mbembe, Achille: Nekropolitik. In: Biopolitik – in der Debatte. Hg. von Marianne Pieper, Thomas Atzert, Serhat Karakayali, Vassilis Tsianos. Wiesbaden 2011, S. 63-96, hier S. 76. [19] Ebd. [20] Sheridan: Wind River, 2017, 00:30:14-00:30:30. [21] Ebd., 00:31:38-00:31:47. [22] Ebd., 00:32:36-00:32:43. [23] Allgemeine Informationen unter: Frietsch, Martina: Die Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner heute, online unter: https://www.planet-wissen.de/kultur/voelker/indigene_voelker_nordamerikas/pwieindigeneheute100.html (zuletzt aufgerufen am 03.09.2023. [24] Sheridan: Wind River, 2017, 00:21:09-00:21:13. [25] Ebd., 00:26:40-00:29:50. [26] Ebd., 00:30:21-00:30:23. [27] Ebd. 00:30:40-00:30:50. [28] Ebd. 00:51:30-00:51:32. [29] Ebd. 00:51:32-00:51:53. [30] Ebd. 00:53:07-00:53:18. [31] Sheridan, Taylor: Wind River [Film] Frankreich, United States, Großbritannien: Acacia Entertainment, Savvy Media Holdings, Synergics Films, Thunder Road Pictures, Film 44, The Fyzz Facility, Riverstone Pictures, Voltage Pictures, Wild Bunch, Ingenious Media, Star Thrower Entertainment, 2017, 1:25:33-1:28:42. [32] Mbembe, Achille: Nekropolitik. In: Biopolitik – in der Debatte. Hg. von Marianne Pieper, Thomas Atzert, Serhat Karakayali, Vassilis Tsianos. Wiesbaden 2011, S. 63-96, hier S. 82. [33] Ebd. [34] Ebd, [35] Ebd. [36] Ebd., S. 76.

Katrin Beißner

Bildquellen

  • Spuren-im-Schnee_Wind-River: OpenAI
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