Tristan und Isolde im Kartenspiel: Zwischen mittelalterlicher Tradition und romantischer Umdeutung
Tristan und Isolde sind eines der bekanntesten Liebespaare der Literatur. Schriftlich tauchen sie erstmals im 12. Jahrhundert im französischen Versroman von Béroul auf (sein Tristan entstand um 1170-1190), der noch fragmentarisch erhalten ist. Der altfranzösische Versroman des Thomas von Britannien entstand kurz darauf etwa zwischen 1175 und 1210. Erzählt wird die Liebesgeschichte von Tristan, dem…
Martina Clavadetscher – Die Schrecken der anderen: Erzähltheorie, Figuren und Realität
Martina Clavadetscher ist mit Die Schrecken der anderen ein herausragendes Erzählwerk gelungen, das sich mit erzähltheoretischen Kriterien untersuchen lässt und mit einer besonderen Intention verbunden ist: „Aus der näheren Geschichte wie Zweiter Weltkrieg in der Schweiz hört man sehr wenig, obwohl es da natürlich auch sehr viel zu erzählen gäbe. Das sind die unliebsamen Geschichten.…
Literaturverweise in Konfliktdialogen – Waffe oder Ausrede? Department Q & Geoffrey Chaucer im Dialog
Ich bin verlegen. Wie soll ich mein Interesse an Literaturverweisen in Konfliktdialogen darlegen, ohne dieses kompromittierende Wort in den google-Algorithmus einzuspeisen? Es geht um einen Dialog aus der Serie Department Q, die aktuell auf Netflix läuft. Darin wird ein unangemessenes F-Wort erwähnt, das YouTube zensieren würde. Nein, es ist nicht „Fuck“. Tatsächlich wird dort eben…
Sigune und ihre triuwe im »Parzival« Wolframs von Eschenbach
Die historisch-narratologische Analyse einer widersprüchlichen Figureninszenierung zwischen höfischen und religiösen Aspekten Bei der folgenden Analyse der Figur Sigune aus Wolframs von Eschenbach »Parzival« handelt es sich um eine Arbeit von 2019. Möglicherweise ist diese Parzival-Tour der Universität Konstanz von Interesse. Einleitung zur Analyse der Figur Sigune aus Wolframs »Parzival« reht minne ist wâriu triuwe[1] heißt…
Liebespaare der Weltliteratur – Romeo und Julia – Liebe & Tradition
Romeo und Julia ist das wohl bekannteste Liebespaar der Weltliteratur. Man verbindet unweigerlich William Shakespeare mit diesem Drama, wobei der sich die Story nicht ausgedacht hat, weil das Thema der unglücklich Verliebten aus verzwisteten Familien zeitlos ist. Aber Shakespeare hat dem Ganzen eine eigene kunstvolle Dramatik beigemengt, die unvergesslich ist. Ich bin auf ein Kartenspiel…
Guinevere – Frau von König Artus und Femme Fatale Camelots?
Guinevere ist die Frau von König Artus und eine der zentralen Figuren der Artussage. König Artus und Guinevere oder Ginover (der Name besitzt viele unterschiedliche Schreibweisen) sind mehr als nur ein Herrscherpaar – ihre Verbindung spielt in den Artuslegenden eine zentrale Rolle im Machtgefüge des Reiches. Aus diesem Grund befindet sich das Paar auch auf…
Alliteration, Deus ex machina und Redensarten erklärt in Dodgeball: A True Underdog Story
Dodgeball: A True Underdog Story ist eine Filmkomödie aus dem Jahr 2004 unter der Regie von Rawson Marshall Thurber. Wer Underdogs mag so wie ich und Lance Armstrong (der einen Cameoauftritt hat), wird den Film mögen. Die Geschichte dreht sich um Peter LaFleur (Vince Vaughn), der versucht, sein marodes Fitnessstudio Average Joe‘s vor der Übernahme…
Buffy – Kulturelle Diskurse, Thanksgiving und Kolonialismus
Was haben die Serie Buffy – im Bann der Dämonen, der französische Philosoph Michel Foucault, die Kolonialisierung Nordamerikas und Thanksgiving gemeinsam? Mehr als man auf den ersten Blick denken würde. Doch eines nach dem anderen. Bei Thanksgiving handelt es sich um einen traditionellen Feiertag in den Vereinigten Staaten und Kanada, der auf das Jahr 1621…
Mackie Messer und The Ministry of Ungentlemanly Warfare
Von Mackie Messer hat man gehört – wenn nicht aus Bertolt Brechts 1928 veröffentlichter Dreigroschenoper, dann zumindest vom oft vertonten Mack the Knife. Auch Guy Ritchie hat für seinen neuesten Film The Ministry of Ungentlemanly Warfare auf die berühmte Moritat zurückgegriffen. Mich interessiert, warum und wie der Song in den Film integriert ist, was das…
Ted Lasso – Fußball, Optimismus, aus Literatur lernen
Als Ted Lasso seinen Spielern Bücher schenkt, wirkt das zunächst wie eine weitere Marotte dieses unerschütterlichen Optimisten. Doch die Szene ist mehr als ein Gag. Sie behauptet etwas Radikales: dass Literatur Menschen verändern kann – nicht abstrakt, sondern konkret. Nicht als Bildungsornament, sondern als Handlungsmotor. In einer Serie, die vom Profifußball handelt, wird ausgerechnet das…
Liebespaare der Weltliteratur – Tausendundeine Nacht
Die Vezierstochter Scheherazade und Sultan Scheherban sind nicht unbedingt das typische Liebespaar, das sich unter vielsagenden Blicken, Maskenbällen oder Ehebruchsintrigen verliebt, aber die beiden teilen auf jeden Fall eines: die Liebe zu Geschichten! Und sie sind die Protagonisten aus der Rahmenerzählung der international bekanntesten Geschichtensammlung orientalischen Ursprungs – nämlich von Tausendundeine Nacht. In diesen erzählt…
Merlin und Vivianne: Das tragischste Liebespaar der Artussage – Magie als Liebesfalle
Merlin und Vivianne sind Figuren aus dem Kreis der Artuslegende. Merlin, der legendäre Zauberer und weise Berater von König Artus, ist bekannt für seine übernatürlichen Kräfte und seine prophetischen Fähigkeiten. Doch auch für seine Schalkhaftigkeit, seine mephistophelischen Eigenschaften und seine Wildheit ist er bekannt. Auch wenn Merlin in sich lichte und dunkle Anteile trägt (er…
Antijüdische Stereotype in der Literatur und Geschichte
Antijüdische Stereotype und Vorurteile sind seit Jahrhunderten im kulturellen Gedächtnis verankert, werden im kommunikativen Miteinander mündlich tradiert und durch Verschriftlichung wiederum fixiert. Viele der heute noch kursierenden stereotypischen Eigenschaften stammen bereits aus der Antike, existierten auch im Mittelalter und der Frühen Neuzeit und sind heute immer noch im modernen Sprachgebrauch vorhanden. Folgend soll ein kleiner…
Berühmte Liebespaare – Tamino und Pamina
Tamino und Pamina aus Mozarts Die Zauberflöte als Tarotkarte Tamino und Pamina, Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Orpheus und Eurydike, Amor und Psyche – es sind Namen, die hat man gehört in einem Film oder einem Buch, im Schulunterricht, im Theater, in einem Werbejingle oder an anderen Orten. Es sind die bekannten historischen Liebespaare…
Heimkehr – Engelke: Mensch und Maschine im Expressionismus | Analyse
Es wird hier um das Gedicht Heimkehr von Gerrit Engelke aus dem Jahr 1917 gehen. Mit dem Wort ‘Heim’ hatte ich mich bereits in der Auseinandersetzung mit Heimweh von Else Lasker-Schüler befasst, ein anderes expressionistisches Gedicht in anderem Kontext war Campendonk von Franz Richard Behrens. Es ist interessant, wie das Wort in unterschiedlichen Kontexten entweder…
Romeo und Julia auf dem Dorfe – Gottfried Keller – Liebe, das Fremde und der Tod
Dieser Beitrag behandelt Gottfried Kellers (19.7.1819 – 15.7.1890) Novelle Romeo und Julia auf dem Dorfe im Zusammenhang mit der Darstellung fremder Figuren. Ursprünglich wollte ich mich auch hier auf intertextuelle Bezüge konzentrieren, doch ergaben sich erstaunliche Parallelen zu einer Ausarbeitung aus meinem Studium im Zusammenhang mit dem Sinngedicht von Keller im Rahmen der interkulturellen Literaturwissenschaft.[1]…
Der Zauberer von Oz analysiert: Figuren, Farben, Allegorien
„There’s no place like home“ oder „We’re not in Kansas anymore“ – kaum eine Geschichte hat unsere Kultur so durchdrungen wie L. Frank Baums The Wonderful Wizard of Oz (1900). Hinter dem bunten Kinderbuchklassiker, das in den USA denselben Stellenwert hat wie bei uns die Grimms, steckt mehr als Hexen und sprechende Tiere: Es spiegelt unsere tiefsten Selbstzweifel,…
Literarische Figurenrätsel – Aristoteles & Co in der Kneipe
Aristoteles geht in die Kneipe. Wird es ein Symposium geben?
Schreibkunst und Figurenmacht im Mittelalter: Diskurse, Widersprüche und Verantwortung in Wolframs Parzival, Wirnts Wigalois und Gottfrieds Tristan
Schreiben ist eine Kunst – natürlich zuvorderst ein Handwerk, das es zu erlernen gilt. Das war so – das ist so. Dass jedem geschriebenen Wort eine Intention innewohnt, die an Rezipienten gerichtet möglicherweise zur Aktion oder mindestens zum Nachdenken (und natürlich auch zum Konsumieren) auffordert, ist eine diesem Essay zugrundeliegende These.